Porträt

Oxford-Absolvent will Umweltschutz in Essen-Werden fördern

Um Simon Wehden, den jungen Oxford-Studenten, hat sich Ende 2019 eine Gruppe engagierter Bürger gebildet, die den Klimaschutz im Stadtteil Essen-Werden voranbringen wollen.

Um Simon Wehden, den jungen Oxford-Studenten, hat sich Ende 2019 eine Gruppe engagierter Bürger gebildet, die den Klimaschutz im Stadtteil Essen-Werden voranbringen wollen.

Foto: Socrates Tassos

Essen-Werden.  Der Werdener Simon Wehden engagiert sich für die Umwelt. Auf seinen Anstoß hin gründete sich die Initiative „Gemeinsam für Stadtwandel Werden“.

Simon Wehden will den Umweltschutz in Essen-Werden voranbringen. Der Oxford-Absolvent gibt sein Wissen weiter, erklärt komplizierte Zusammenhänge und hat so die Initiative „Gemeinsam für Stadtwandel Werden“ auf den Weg gebracht.

Wie aus dem Nichts kam da dieser junge Mann, Jahrgang 1995, und verblüffte im vergangenen Jahr mit einer Vortragsreihe zu Themen des Umweltschutzes. Ein Ur-Werdener, der direkt aus Oxford kam. Simon Wehden räumte gezielt mit gängigen Fehlinformationen auf.

Wie funktionieren Treibhauseffekt und Erderwärmung? Welche Konsequenzen birgt der globale Umweltwandel? Was ist ein Klimabudget und warum braucht es negative Emissionen? Im Haus Fuhr zeigte der „Nachhaltigkeitsmultiplikator“ damals spannende Denkansätze auf. Das Publikum wuchs von Mal zu Mal: „Bald saßen da hundert Leute. Wahnsinn. Dann sagte ein Teilnehmer, man wolle nicht nur reden, sondern auch anpacken“, erinnert sich Simon Wehden.

Initiative für den Stadtwandel in Essen-Werden ging aus der Vortragsreihe hervor

Aus dem Seminar ging die Initiative „Gemeinsam für Stadtwandel Werden“ hervor, die sich intensiv mit der Umweltkrise beschäftigt: Welche Hebel haben wir normalen Bürger in der Hand? Simon Wehden sagt: „Natürlich ist es sehr grün hier in Werden. Und doch lebt der Stadtteil auf ganz großem Fuß. Müssen diese riesigen Häuser sein? Immer größere Autos? Es reicht nicht, wenn wir alle mit Jutebeuteln einkaufen gehen.“

Seine Eltern kamen aus dem Jülicher Land und gaben ihm früh eine Faszination für die Natur mit. Simon Wehden wuchs in Heidhausen auf, kickte beim SC Werden-Heidhausen und ging zur evangelischen Gemeinde Werden. Mit seinen Kumpels gründete er diverse Bands: „Anfangs waren wir grottenschlecht.“ Drei Eckpfeiler prägten seine Persönlichkeit: „Fußball steht für Gemeinschaft. Man muss sich aufeinander verlassen können. In der Kirchengemeinde habe ich gelernt, im Team Verantwortung zu übernehmen. Und der Musiker-Freundeskreis hat mich Empathie gelehrt.“

Ökologie rückte schon früh ins Blickfeld

Auf dem Gymnasium rückte im zehnten Schuljahr erstmals Ökologie in sein Blickfeld: „Ich habe einen beherzten politischen Aufsatz gegen die Bebauung der Grünen Harfe verfasst.“ Heute sieht er grundlegende Fehler: „Warum wurde da nicht ein Blockkraftheizwerk für alle Häuser angelegt?“ Nach dem Abitur ging es mit Work and Travel in die Ferne: „Wir hatten die einzige Backpacker-geführte Pop-Up-Pianobar Neuseelands. Ich bin viel gewandert und habe die grandiose Natur genossen.“

Dann ging es nach Aachen zum Studium: „Die Chemiker sind die Rock’n’Roller der Naturwissenschaften.“ Simon Wehden engagierte sich im „Studentischen Einsatzkommando“ gegen die Vermüllung öffentlicher Räume und schloss den Bachelor of Science mit glatt 1,0 ab. Das wurde mit dem Schöneborn-Preis für den besten Abschluss des Jahrganges belohnt. Eine glänzende Karriere in Aussicht, schwenkte er doch um auf den Umweltwandel und dessen Management.

Mit einem Stipendium kam der Essener nach Oxford

Ein Jahresstipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes ermöglichte das Studium in Oxford. Drei Trimester lang sog Simon Wehden die besondere Atmosphäre der englischen Universitätsstadt auf. Er absolvierte den Masterstudiengang „Enviromental Change and Management“ mit Auszeichnung. Das Thema seiner Masterarbeit war das Mieten und Leihen von Gegenständen, statt sie zu besitzen: „Brauche ich wirklich eine eigene Bohrmaschine?“ Natürlich besuchte er den weltberühmten Oxforder Debattierclub.

Zurück in Deutschland, möchte Simon Wehden seine Gedanken teilen und Mitmenschen zum Nachdenken anregen: „Also bin ich dort hingegangen, wo meine Basis ist. Nach Werden.“ Der Ruf „Hört auf die Wissenschaft“ sei doch genau richtig: „Man muss es halt gut erklären. Ohne Fridays for Future hätte mir aber keiner zugehört. Man muss miteinander reden. Ich mache schon den Mund auf, doch der Ton macht die Musik. Zu oft wird komplett aneinander vorbei gebrüllt.“ Die Generationen seien gar nicht so weit auseinander: „Es muss einen Wertschätzungswandel geben. Mir geht es ums Bewahren. Das ist durchaus auch konservativ.“

Stadtteilkonferenz im August muss abgesagt werden

Wie geht es weiter in Werden? Die für den 22. August geplante Stadtteilkonferenz muss auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Simon Wehden baut derzeit ein Netzwerk auf: „In Werden gibt es keine Stimme für junge Leute. Das findet Chris Helmer vom Bürger- und Heimatverein auch. Wir wollen Strukturen für jüngere Menschen entwickeln.“ Demnächst möchte Simon Wehden promovieren über die Rolle des Handwerks in der Nachhaltigkeitstransformation. Er blickt sich um in seinem Werden: „Fachwerkhäuser sind so was von nachhaltig.“

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