Serie „Mein Verein“

Lustige Mannschaft: der Kegelclub „Neuntöter“ aus Heidhausen

Vorsitzender Rolf Hochfeld vom Kegelclub „Neuntöter“ in Aktion. Die Kegelbrüder Jürgen Gewender, Wolfgang Hüsgen  und Horst Homberg (v.l.) schauen zu.Treffpunkt ist alle zwei Wochen im „Schwarzen“ in Heidhausen.

Vorsitzender Rolf Hochfeld vom Kegelclub „Neuntöter“ in Aktion. Die Kegelbrüder Jürgen Gewender, Wolfgang Hüsgen und Horst Homberg (v.l.) schauen zu.Treffpunkt ist alle zwei Wochen im „Schwarzen“ in Heidhausen.

Foto: Carsten Klein

Essen-Heidhausen.  Die „Neuntöter“ sind einer der ältesten Kegelclubs in Deutschland: Der kleine Verein besteht seit 105 Jahren. Was die Mitglieder zusammenhält.

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Sie nennen sich „Neuntöter“. Und der Kegelsport wird bei ihnen zwar großgeschrieben, allzu verbissen wird er aber nicht gesehen. Sie sind eine lustige kleine Truppe und jüngst konnten die Kegelbrüder sogar das 105-jährige Bestehen des Heidhauser Vereins feiern. Die „Neuntöter“ sind damit der traditionsreichste Kegelclub in Essen und sogar einer der ältesten in ganz Deutschland.

Alle vierzehn Tage wird in der Gaststätte „Zum Schwarzen“ gekegelt. Das Wirtsehepaar Ulrike und Michael Deumlich verwöhnt die Kegelbrüder mit ihrer Küche, abgerundet wird das Ganze mit so manchem Bierchen und diversen Kurzen. Bei Trinksprüchen läuft Rolf Hochfeld, Vereinsvorsitzender, gern zur Höchstform auf – mit Pfiff, treffend und lustig: „Wir haben noch nie jemanden mit Gewalt davon abgebracht haben, eine Runde zu geben.“

Zunächst werden bei den Kegelabenden „König“ und „Vize“ ausgeworfen, die dann zwei ausgeglichene Mannschaften zusammenstellen. So ist stets ein fairer Wettbewerb möglich. Das funktioniert prächtig – bis heute haben 62 Mitglieder sage und schreibe 2749 Kegelabende durchgeführt. Mit großer Treue zum Club: Die Kassenführung liegt nunmehr seit 30 Jahren in den Händen von Horst Homberg, im Oktober wird Reinhold Munsch für stolze 50 Jahre bei den „Neuntötern“ einen ausgeben müssen.

Wettstreit um den Wanderpokal

Ein Höhepunkt des Jahres ist der Wettstreit um den begehrten Wanderpokal. Seriensieger Wolfgang Hüsgen stiftete nun eine neue Trophäe, behielt auch diesmal die Oberhand und ist der erste „Neuntöter“, dessen Name dort auf dem Sockel verewigt sein wird.

Die zündende Idee zur Vereinsgründung hatte Karl Albermann. Mit seinen Kumpels vom Katholisch-Kaufmännischen Verein gründete er am 22. Mai 1913 einen Kegelverein. Hundertundfünf Jahre sind ins Land gezogen, Karl Albermann war natürlich erster Präsident, ihm folgten Ludger Fendel, Heinz Weilekes und Ludger Hüsgen. Auch Rolf Hochfeld blickt schon auf stolze 40 Jahre als Präsident des Clubs zurück. Und er hat trotz aller Ernsthaftigkeit des Amtes auch schon als Scherzbold viel Unfug getrieben.

Vorsitzender trieb „Unfug“

Wegen ihm wurden die Heidhauser Kegelbrüder auf einer ihrer jährlichen Touren sogar schon verhaftet. Der Präses hatte jedem Kegelbruder eine Art Abreißblock mit echten Fünfern und Zehnern in die Hand gedrückt. Sogar fortlaufend nummeriert. Auf dem Deckblatt prangte noch groß: „Vorsicht, Falschgeld“.

Bei einem Weinfest machte man die Probe aufs Exempel, die Frau vom Wurststand aber alarmierte die Polizei. Ein junger Polizist beschlagnahmte das „Falschgeld“ und nahm auf der Wache ein Protokoll auf. Da schlenderte ein älterer Ordnungshüter herein, erkannte die Situation und löste auf: „Kollege, du musst noch viel lernen. Und ihnen, meine Herren: Noch viel Spaß.“

Ausflug führt nach Bad Zwischenahn

Ein anderes Mal foppte Hochfeld einen wettbegeisterten Kegelbruder. Der fiel sofort auf das Angebot um zwei Pullen Wein herein, als es um den Namen einer Kellnerin ging. „Die könnte glatt Anneliese heißen“, meinte Hochfeld. Dass er die Dame bereits vorher kennengelernt hatte, blieb sein Geheimnis. Der Wettpartner hatte daher das Nachsehen.

In diesem September geht es übrigens nach Bad Zwischenahn – mit Schifffahrt, Einkehr in der Traditionsgaststätte „Spieker“ und Besichtigung der Jever-Brauerei. Und sicher mit einem zu Scherzen aufgelegten Rolf Hochfeld . . .

>> Als Kegelbursche für kleines Geld gejobbt

Heutzutage funktioniert so eine Kegelbahn vollautomatisch, früher musste man die umgefallenen Kegel selbst wieder aufrichten. Das übernahm der junge Rolf Hochfeld.

So verdiente er sich als Kegelbursche ein wenig dazu: „Pro Stunde gab es eine Sinalco und eine Mark fuffzig.“ Viel Geld damals. Aber vor allem konnte man den Alten genau auf die Finger schauen, da gab es viel zu lernen.

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