Tanzprojekt

Kettwiger Tanzmoto-Projekt vereint erneut Jung und Alt

Führen und Folgen: Tanzpädagogin Ronja White folgt dem Taktstock von Erika. Geübt wird für das Stück „du, ich, wir und ihr?“, in dem es um die Vielfalt von Zwischenmenschlichkeit geht.

Führen und Folgen: Tanzpädagogin Ronja White folgt dem Taktstock von Erika. Geübt wird für das Stück „du, ich, wir und ihr?“, in dem es um die Vielfalt von Zwischenmenschlichkeit geht.

Foto: STEFAN AREND

Essen-Kettwig.  Seniorinnen des evangelischen Altenheims Kettwig und Schüler von Tanzmoto entwickeln gemeinsam ein Tanztheaterstück. Ein Besuch bei den Proben.

Margret ist die Temperamentvolle. Mit Schwung geht sie mit ihrem Körper nach vorne, mit Schwung bewegt sie den Taktstock in der rechten Hand. Zu Jacques Offenbachs Can-Can aus „Orfeus in der Unterwelt“ saust der Holzstab durch die Luft. Tanzlehrerin Ronja White lächelt, gibt den anderen Damen nach und nach das Zeichen, ebenfalls aufzustehen und ihrerseits den eigenen Taktstock zum Einsatz zu bringen. Die sechs Frauen kommen in Bewegung, jede auf ihre Weise mit eigenem Tempo.

Die letzten Töne des Can-Can sind verhallt, die Seniorinnen schauen sich an. Schon zu Ende? Sie lachen und setzen sich auf ihre Stühle. Ronja White bittet um Ruhe für die nächste Übung.

Es ist Tag Zwei des Projektes „du, ich, wir und ihr?“, das das evangelische Altenheim Kettwig gemeinsam mit dem Kettwiger Tanzstudio Tanzmoto entwickelt und durchführt. Gleich mehrere Aufführungen sind am Freitag, 19., sowie am Samstag, 20. Juli, geplant.

Die Akteure proben zunächst getrennt

Geübt wird zunächst getrennt: die Seniorinnen für sich, die jungen Eleven von Tanzmoto für sich. Einstudiert werden Bewegungsabfolgen und Figuren. Zusammengeführt werden sie erst am Probentag Drei. Dann sollten die meisten Abläufe sitzen, sagt Ronja White.

Es ist das mittlerweile vierte Projekt dieser Art, das die Tanzpädagogin betreut. „Kräfte bündeln“ hieß es im vergangenen Jahr. „Diesmal geht es um Beziehungen zwischen den Menschen. Um Führen und Folgen, Um Liebe, Zuwendung und einander helfen“, erklärt die Tanzpädagogin, die mit ihrer Kollegin Rieke Ruby an diesem Vormittag die Seniorinnen unterrichtet.

Dem Taktstock folgen und den Kopf kreisen lassen

Ruth soll mit dem Taktstock jetzt nicht imaginäre Musiker dirigieren, sondern Ronja. Diese soll den Kopf kreisen lassen, den Arm hoch reißen und sich um die eigene Achse drehen. So ganz klappt das beim ersten Mal noch nicht. Ronja kommt ins Schwitzen. Beim zweiten Ansetzen bewegt die 88-Jährige den Stock dann langsamer und überlegt genau, wohin sie Ronja führen möchte. Die Tanzlehrerin lächelt – und lässt die Seniorin pausieren. „Ich mache das erste Mal mit“, erzählt Ruth begeistert. „Ich bin früher immer Tanzen gegangen und das hat mich motiviert, hier mitzumachen.“

Auch Margret, 68, tanzt „total gerne“, wie sie erzählt. Sie lebt nicht im Altenheim, nimmt dessen Angebote aber regelmäßig wahr. Bei den vorangegangenen Projekten mit Tanzmoto durfte sie schon mit dabei sein. „Ich bin gespannt, wie es diesmal sein wird, wenn die Jugendlichen dazukommen.“

Die Grenzen der Generationen überwinden

Alt und jung in Bewegung, die Grenzen der Generationen überwinden – das ist das Ziel des Vorhabens. „Wir haben in unserer Einrichtung eine Reihe von Bewegungsangeboten, jeden Tag. Tanzmoto bringt hier einen künstlerischen Aspekt hinein, der etwas Außergewöhnliches darstellt“, berichtet Bärbel Schenkluhn vom Sozialen Dienst.

Während bei anderen sportlichen Betätigungen die immer gleichen Abläufe eingeübt würden, „so dass alle synchron etwas machen“, komme es im Tanzmoto-Projekt mehr auf die freie Entfaltung und die Kreativität jedes Einzelnen an. „Diese Freiheit ruft bei den Senioren vor allem Erstaunen hervor – und Neugier“, sagt Schenkluhn. Bei den Proben nimmt die Altentherapeutin deshalb immer wieder den einen oder anderen Zuschauer mit in den Saal.

Dort führt gerade Erika den Taktstock – und Ronja White folgt mit ihrer Hand. Nach und nach haben alle mal ausprobiert, wie sich das anfühlt. Für heute ist erst einmal Schluss. Ein bisschen anstrengend sei es schon, sagt Margret. „Aber es macht enorm viel Spaß!“

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