Seniorinnen-Stammtisch

Kettwiger Seniorinnen bleiben ihrem Stammtisch treu

Der Seniorinnen-Stammtisch mit (obere Reihe v.l.) Christel Wilms (80), Helga Münch (86), Christel Möller (79), Sigrun Kroll (76), Karin Ader (79), Rosi Littmann (76), Wilma Imo (86) und Margret Winkelströter (79). Vorne (v.l.) Arne Weber, Irene Küchler (90) und Uschi Lanisch (88).

Foto: Reiner Worm

Der Seniorinnen-Stammtisch mit (obere Reihe v.l.) Christel Wilms (80), Helga Münch (86), Christel Möller (79), Sigrun Kroll (76), Karin Ader (79), Rosi Littmann (76), Wilma Imo (86) und Margret Winkelströter (79). Vorne (v.l.) Arne Weber, Irene Küchler (90) und Uschi Lanisch (88). Foto: Reiner Worm

essen-Kettwig.   Die älteste Teilnehmerin ist 90 Jahre alt - immer montags treffen sich zehn Kettwiger Seniorinnen bei „Arne im Deutschen Haus“.

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An diesem Montag im Mai ist es extrem heiß. Knapp an die 30 Grad. Wer nicht unbedingt etwas Wichtiges zu erledigen hat, sucht Abkühlung, bleibt zu Hause auf der Couch. Doch für zehn Kettwiger Seniorinnen ist auch an diesem Montag die Gaststätte „Arne im Deutschen Haus“ das erklärte Ziel. Dort treffen sich die Frauen zu ihrem Stammtisch. Halt immer montags, immer um 18 Uhr.

Begonnen hat alles in den 1980er Jahren. Damals waren Stammtische noch reine Männersache. Die Frauen turnten in der Gruppe von Übungsleiterin Helga Münch beim Kettwiger Turnverein 1870. Die 86-Jährige erzählt: „Wir wollten natürlich fit bleiben, aber Geselligkeit ist ja auch wichtig. Also turnten wir an einem Tag in der Woche, und an einem anderen trafen wir uns in einer Kettwiger Gaststätte. Das nannten wir dann Thekenturnen. Wir haben im Laufe der Jahrzehnte schon viele Wirte zerschlissen“.

819 Lebensjahre insgesamt

Sport machen sie allerdings seit fünf Jahren nicht mehr. „Damals taten sich der KTV 1870 und der TVK 1886 zusammen. Das war der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören“, sagt Helga Münch. „Und außerdem nahmen immer weniger Frauen an den Übungsstunden teil. Wenn man älter wird, kommt schon mal das eine oder andere Wehwehchen. Aber der Sport hat uns trotzdem jung gehalten.“

Offensichtlich, denn insgesamt 819 Lebensjahre haben die zehn Frauen vorzuweisen und kaum einer von ihnen merkt man das Alter an. Irene Küchler ist mit ihren 90 Jahren die Älteste am Stammtisch, und wenn es um die Trinksprüche geht, ganz weit vorn. Ein Beispiel? Wenn eine der Frauen eine Runde ausgibt, heißt es laut und knackig: „Für lau, für lau, für lau – aber lecker...“

Nach dem Bierchen einen Klaren

Lecker ist das Bierchen zum Essen, und anschließend gibt es manchmal einen Klaren, weil „den die Leber ja nicht sieht“. Eine gewagte Theorie, die aber von einer Menge Lebensfreude zeugt.

An diesem Montag stehen übrigens Folienkartoffeln mit Quark auf dem Speisenplan. Gut bei der Hitze und auf Wunsch zubereitet, denn „wir sagen dem Arne immer eine Woche im voraus, was wir essen möchten. Und das klappt dann“, weiß Helga Münch. Auf dem Wunschzettel stehen auch mal Schaschlik oder Reibekuchen, gern auch Fisch.

Reisen, kegeln und Karneval

Mit dem aktuellen Wirt sind die Stammtisch-Seniorinnen übrigens mehr als zufrieden. Und nicht nur, weil er ihnen immer ihr Lieblingsessen macht. Wenn die jährliche Tour ansteht, gibt der 38-Jährige „seinen“ Frauen auch mal ein Fläschchen mit auf die Reise.

In diesem Jahr wird Bad Sassendorf das Ziel sein. Fast überall in Deutschland waren sie schon – „der Höhepunkt war sicherlich die Tour nach Istanbul“, erinnert sich Helga Münch. Wie war sie eigentlich als Übungsleiterin? „Das hat sie gut gemacht – darum sind wir auch noch so fit. Und es gab immer etwas zu lachen“, sagt Christel Möller. So wie bei der jährlichen Damensitzung des KKC Blau-Weiß. Über Jahre hat Helga Münch für „ihre Mädels“ Hüte und passende Oberteile gefertigt. Und auch beim Nikolausturnen des KTV fielen die Frauen nicht nur durch ihre Sportlichkeit auf, sondern auch durch ausgefallene Kostüme.

Es gab noch nicht ein Mal Streit

Jetzt sind die Teller leer, die Klaren getrunken, Arne Weber räumt das Geschirr ab. So viele Frauen und so viel Harmonie... Immer? „Ganz ehrlich – es gab nicht ein Mal Streit, wir waren nie verkracht“, sagt Wilma Imo. Lotto spielen die Stammtisch-Seniorinnen übrigens auch. Gemeinsam, versteht sich. Von den Gewinnen übers Jahr wird das Weihnachtsessen finanziert. Und gekegelt haben sie auch mal. „Ohne ihn“ hieß der Klub treffend. Aber auch das ist mühsam geworden. Die beste aller Lösungen: Genau das tun, was man noch kann und dabei Spaß haben. Und nicht nur immer montags, sondern so oft es geht. Alles richtig gemacht, die Damen.

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