Literatur

Kettwiger Gartenbloggerin schreibt Buch über Karl Foerster

Das Wohnhaus und der Garten von Karl Foerster sind in Potsdam zu finden. Die Kettwigerin hat sie besucht und sich für ihre Biografie von der dortigen Pflanzenwelt inspirieren lassen.

Das Wohnhaus und der Garten von Karl Foerster sind in Potsdam zu finden. Die Kettwigerin hat sie besucht und sich für ihre Biografie von der dortigen Pflanzenwelt inspirieren lassen.

Foto: Antje Peters-Reimann

Essen-Kettwig.  Die Kettwiger Gartenbloggerin Antje Peters-Reimann hat sich einer besonderen Persönlichkeit angenommen. Sie hat über Karl Foerster geschrieben.

Sie ist Gartenhistorikerin, Journalistin und Bloggerin. In ihrem jüngsten Projekt hat sich Antje Peters-Reimann einer besonderen „grünen“ Persönlichkeit angenommen. 2020 jährt sich der Todestag Karl Foersters zum 50. Mal – druckfrisch liegt jetzt ihre Biografie des großen Gärtners vor. Der Titel des Buches ist ein Foerster-Zitat: „Wenn ich noch einmal auf die Welt komme, werde ich wieder Gärtner“, sagt er von sich selbst.

Ein Jahr lang hat die Kettwigerin für das Buch recherchiert, weitere sechs Monate daran geschrieben. „Es gibt jede Menge Literatur zu Foerster, und von vielen wird er auf ein Podest gestellt. Mein Buch ist nicht so zuckrig, ich wollte ihm einfach nur gerecht werden. Aber auch mein Fazit lautet, dass er ein Großer war. Und ich habe auch noch einiges Neues über ihn entdeckt. Wenn es Fridays for future damals schon gegeben hätte, wäre er mit Sicherheit mitmarschiert.“

Karl Foerster züchtete 270 Pflanzensorten

Sie ist dem begnadeten Züchter, der sich vor allem mit Phloxen und Ritterspornen, Gräsern und Farnen beschäftigt hat, bei ihrer Arbeit sehr nah gekommen, denn „ich konnte mit alten Gärtnern sprechen, die noch bei ihm beschäftigt waren, und die mir von seiner vielschichtigen Persönlichkeit erzählt haben.“

Karl Foerster habe sich stets viele Gedanken um die Pflanzen und ihre Eigenarten, ihre Standortansprüche gemacht. „Kann man diese Pflanzen auch im Topf halten? Kann man sicherlich. Man kann auch Menschen in Besenkammern halten. Sollte man aber nicht“, weiß die Autorin.

270 Sorten habe Foerster gezüchtet, die Hälfte davon sei heute noch im Handel. „Er hat nach ästhetischen Gesichtspunkten entschieden, aber das Allerwichtigste war für ihn der richtige Standort der Pflanzen.“

Das nächste Buchprojekt wartet schon

So poetische Namen wie „Morgentau“ oder „Jubelruf“, „Landhochzeit“ oder „Puderquaste“ gab Foerster seinen Pflanzen, „aber seinen großen Traum, einen blauen Phlox zu züchten, konnte er nie verwirklichen“.

Antje Peters-Reimann, die seit 20 Jahren in Kettwig lebt, hat selbstverständlich einen eigenen Garten. „Ich habe ihn sehr lieb. Er ist klein, direkt am Haus und eine Mischung aus Nutz- und Ziergärten.“ Mit der Entwicklung der deutschen Gartenlandschaft ist sie indes nicht besonders zufrieden. „Die Leute wollen es pflegeleicht haben. Das ist nicht gut. Es gibt mehr und mehr versiegelte Flächen. Überall verschwinden Gärten.“ Und wieder ein Schlenker zu Karl Foerster: „Er wollte naturnahe Gärten. Denn auch ein richtiger Standort ist Nachhaltigkeit.“

Verschwundene Gärten – lost gardens, das wird ihr nächstes Buchprojekt. „Es gibt Verrückte, die solche Gärten auch wieder hochholen. Man muss auch beim Garten wissen, dass nichts bleibt, wenn man sich nicht kümmert.“

Gartenhistorie ist ein weiteres Thema, das die 51-Jährige beschäftigt. Einmal im Monat erscheinen auf ihre Website gruenwort.de Gartengeschichten. „Seit fünf Jahren schreibe ich diese Gartenblog und habe gut 400 Abonnenten, die regelmäßig lesen. Da kommt mir mein Beruf als Journalistin zugute. Ich bin wie ein Trüffelschwein. Wenn man gräbt, findet man die skurrilsten Geschichten.“ Und die sind alle akribisch recherchiert, unterhaltsam geschrieben und oftmals äußerst spannend.

Einen gar sonderlicher Beruf stellt sie in ihrem Blog vor

Kein Wunder, „dass aus dem Blog auch mal ein Büchlein werden soll“. Da erzählt sie von einem gar sonderlichen Beruf: Der englische Landschaftsgarten setzte sich im 19. Jahrhundert mehr und mehr durch – und da gab es den Posten des Schmuck- oder Ziereremiten. Ein Anwärter auf diese Stelle hatte „sieben Jahre in der Eremitage zu bleiben, wo er mit einer Bibel, einer Brille, einer Fußmatte etc. ausgestattet wurde… und er musste ein wollenes Gewand tragen und durfte sich weder Haare, Bart noch Nägel schneiden...“ Den Beruf des Schmuckeremiten verboten die Engländer übrigens erst 1915 per Gesetz.

Wenn Antje Peters-Reimann der Gärtner-Ikone Karl Foerster heute begegnen könnte, wüsste sie, was sie fragen würde: „Wie kriegen wir Kinder ans Gärtnern? Das liegt mir wirklich am Herzen.“

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