Konzertreihe

In Essen-Werden startet 2020 ein neues Jazz-Projekt

Arbeiten beim Projekt „Jazz in Werden“ zusammen (v.l.): Thomas Schmitz (Buchhändler), Gerd Dubiel, Jan Bierther (beide Jugendzentrum Werden) und Casten Linck (Geschäftsführer Bürgermeisterhaus.

Arbeiten beim Projekt „Jazz in Werden“ zusammen (v.l.): Thomas Schmitz (Buchhändler), Gerd Dubiel, Jan Bierther (beide Jugendzentrum Werden) und Casten Linck (Geschäftsführer Bürgermeisterhaus.

Foto: Christof Köpsel

Essen-Werden.  Die Szene vernetzt sich und zündet mit „Jazz in Werden“ eine neue Stufe. Was Carsten Linck, Jan Bierther, Gerd Dubiel und Thomas Schmitz planen.

Carsten Linck vom Bürgermeisterhaus, Jan Bierther und Gerd Dubiel von „Jazz im JuBB“ sowie Buchhändler Thomas Schmitz sind enthusiastische Musikfans und möchten die örtliche Jazz-Szene noch besser vernetzen – damit ihr Publikum über den Tellerrand schauen und Neues ausprobieren kann. Mit „Jazz in Werden“ entstand ein gemeinsames Projekt. Der Flyer für erste Halbjahr 2020 liegt nun aus.

Carsten Linck erklärt: „Es hatten sich Termine überschnitten. Wir nahmen uns da gegenseitig Besucher weg. Da habe ich die anderen angequatscht. Nun fangen wir an, zusammen etwas aufzuziehen.“

Das Publikum schätzt die Veranstaltungsorte

In Werden wird höchst professionell gearbeitet, das schätzen Publikum und Künstler sehr. Was wohl auch den großen Erfolg ausmacht an allen drei, doch recht unterschiedlichen Veranstaltungsorten. Da wäre die stattliche Villa mit festlichem und doch auch behaglichem Wohnzimmerflair. Carsten Linck setzt auf den guten Ruf seines Bürgermeisterhauses: „Das hat sich wohl herumgesprochen. Ich lebe davon, dass Künstler auf Tournee sind und anfragen, ob ich noch Platz habe für sie.“

Da ist das multifunktionale Jugend- und Bürgerzentrum, von dem Jazzgitarrist Jan Bierther schwärmt: „Das JuBB hat echte Patina.“

Der moderne Bau des Mariengymnasiums ist ideale Bühne für größere Konzerte. Buchhändler Thomas Schmitz lädt dort und auch ins Bürgermeisterhaus ein. Erster Künstler seiner Serie „Jazz und so“ war 2013 der schwedische Jazzpianist und Songwriter Martin Tingvall: „Martin ist ein Freund geworden. Es macht mir große Freude, Kontakt zu bekommen in die Musikszene. Wenn man da einen Draht findet, kann man alles machen.“

Es gibt gute Kontakte zu vielen Künstlern

Jan Bierther nutzt als künstlerischer Leiter enge Beziehungen zur NRW-Szene und lädt jeden zweiten Donnerstag im Monat Gäste ins JuBB ein, die mit seiner Hausband aufspielen: „Eine Art Kontaktbörse. Jeder Abend ist eine Premiere.“

Veranstalter der Reihe ist Gerd Dubiel. Er mischte schon 1980 beim ersten Pfingst Open Air mit: „Das war eigentlich als einmalige Sache gedacht.“ Noch heute zieht es die Massen ins Löwental. Auch das JuBB wuchs Dubiel ans Herz. Nun soll es wieder mehr in den Live-Fokus rücken: „Mit Musik für Erwachsene, auch als abendlicher Treff. Da hat sich schnell ein Stammpublikum gefunden. Wir erhalten ehrenamtliche Unterstützung aus dem JuBB.“

Die Organisatoren denken an ein Werdener Jazzfestival

Was könnte bei der Zusammenarbeit noch herausspringen? Das für sein Jazzfestival weltberühmte Schweizer Städtchen Montreux hat kaum mehr Einwohner als Groß-Werden. Thomas Schmitz muss über den Vergleich schmunzeln: „Montreux ist eine selbstständige Stadt. Da bekommt ein kleiner Tourismusbeauftragter freie Hand, solch ein großes Festival aufziehen. Die haben natürlich auch ‚Smoke on the Water’ und den schöneren See. An dessen Ufer wurde eigens eine Halle gebaut mit riesigem Fassungsvermögen.“

Davon sei man in Werden noch weit entfernt, wirft Carsten Linck ein: „Die Schweizer denken da halt anders. Wir hier kriegen uns in die Köppe über ein Hotel im Löwental.“

Und doch scheint der Gedanke eines Werdener Jazzfestivals irgendwie nicht unangenehm. Guter Jazz in allen Ecken? Thomas Schmitz bleibt Realist: „Wir sind zwar aus den Startlöchern raus, die hundert Meter sind aber längst noch nicht geschafft.“

17 Konzerte gibt es im ersten Halbjahr 2020

Fürs erste Halbjahr 2020 kann sich das Publikum auf gleich 17 Jazzkonzerte freuen, mit unterschiedlichsten Stilrichtungen und einer riesigen Bandbreite an Künstlern.

Im Bürgermeisterhaus treten Kairos Trio (17. Januar), Lammer/Lauer/Bornstein (18. Januar), Nähmaschinen Quartett (7. Februar), Hendrik Meurkens Quartett (16. Februar), Edgar Knecht Trio (28. März), Marion & Sobo Band (24. April), Jean-Philippe Bordier Quartett (15. Mai), frau contra bass (23. Mai) und Jörg Hegemann (1. Juni) auf.

Im JuBB gastieren Matthias Bergmann (9. Januar), Johanna Schneider (13. Februar), Vanesa Harbeck (12. März), Jörg Kaufmann (2. April), Chuck Plaisance (14. Mai) und am 4. Juni prominente Gäste der NRW-Jazzszene.

Im Marienforum werden Triosence zu hören sein (15. Februar) und das schwedisch-finnische Emil Brandqvist Trio sein neues Album vorstellen (25. April).

Eine engere Zusammenarbeit der Konzertveranstalter hat praktische Vorteile. Man tauscht sich aus, etwa über angemessene, aber bezahlbare Hotelzimmer für die Musiker.

Die Folkwang-Universität ist das Ass im Ärmel

Carsten Linck betont: „Eine gute Unterkunft ist wichtig als eine Form der Wertschätzung.“ Man redet über Gema-Gebühren, Abgaben und Steuern. Wenn es überhaupt etwas zu versteuern gibt, denn so ein Konzert kann ganz schnell ein Zuschussgeschäft werden. Man ist da durchaus offen für Sponsoren, Firmen und Privatpersonen, die gerade junge Musiker unterstützen und ihnen ein Forum geben möchten. Jan Bierther betont: „Die Folkwang-Universität ist ein Ass im Ärmel.“ Linck ergänzt: „Es gibt da richtig gute Leute im Nachwuchs. Unser Ziel ist ja auch guter Jazz.“

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