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Für Fotograf aus Essen-Werden ist seine Arbeit noch Handwerk

Der Fotograf Niklas Hlawatsch arbeitet mit dem alten Kollodium-Nassplatten-Verfahren. Seit kurzem befindet sich sein Fotostudio mit Namen „Fuchs Teufels Bild“ in der Werdener Altstadt.

Der Fotograf Niklas Hlawatsch arbeitet mit dem alten Kollodium-Nassplatten-Verfahren. Seit kurzem befindet sich sein Fotostudio mit Namen „Fuchs Teufels Bild“ in der Werdener Altstadt.

Foto: DANIEL ELKE

Essen-Werden.  Der Fotograf Niklas Hlawatsch ist mit seinem Studio „Fuchs Teufels Bild“ neu in der Werdener Altstadt. Warum man hier viel Zeit mitbringen sollte.

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Eben das Smartphone aus der Tasche gezückt, ein kurzer Klick und schon hat man ein Bild, das sich sekundenschnell in die ganze Welt verbreiten lässt. Die Möglichkeiten der digitalen Fotografie sind unbegrenzt und für nahezu jeden zugänglich. Das Knipsen bis der Speicher voll ist, hat mit dem eigentlichen Handwerk der Fotografie jedoch nichts zu tun.

Niklas Hlawatsch dreht dieser Schnelllebigkeit den Rücken zu und kehrt zu der ursprünglichen Fotografie zurück – mit Ruhe, Geduld und Geschick. Und mit einzigartigen Fotoergebnissen.

Keine Schnappschüsse – ein Bild benötigt 20 Minuten

Sein Fotostudio der besonderen Art nennt sich „Fuchs Teufel Bild“ und ist seit wenigen Tagen an der Grafenstraße 35-37 beheimatet. Nach wochenlanger Renovierung erinnert hier nichts mehr an das ehemalige Blumengeschäft. Der Raum ist hell und übersichtlich; mittig steht Niklas Hlawatsch’s Arbeitsgerät auf einem großen Holzgestell: eine sogenannte Laufbodenkamera.

Etwa 20 Minuten benötigt der 36-Jährige für ein Bild, das er mit dieser historischen Holzkamera aufnimmt. „Schnappschüsse gibt es nicht“, so Hlawatsch. Die Entstehung des Bildes erfordert höchste Aufmerksamkeit. Für den Fotografen, aber auch für den Porträtierten, der möglichst still sitzen und sich auf eine Belichtungszeit von fünf Sekunden einstellen sollte.

In die Kamera wird kein Film, sondern eine Platte aus Glas oder Metall eingelegt. Diese Platte wird im aufwendigen „Kollodium-Nassplatten-Verfahren“ bearbeitet. Ein Verfahren, das 1851 entwickelt wurde. Hierbei werden die Platten zuvor mit einer lichtempfindlichen Textur beschichtet und danach in der Holzkamera belichtet. Anschließend wird in der Dunkelkammer sofort entwickelt.

Tinkturen und Emulsionen rührt er selbst an

Hlawatsch’s Fotos können anschließend angefasst werden und verschwinden nicht in irgendeinem digitalen Ordner. Um die Bilder für die Ewigkeit haltbar zu machen, folgt nach der Entwicklung eine Beschichtung mit Schellack. Viele der Tinkturen und Emulsionen, die für den Entwicklungsprozess benötigt werden, gibt es so gar nicht zu kaufen; Hlawatsch muss sie zum großen Teil selber aus Chemikalien wie Ether oder Essigsäure anrühren.

Das und alle weiteren Kenntnisse über dieses doch aus heutiger Sichtweise altertümliche Fotografie-Verfahren hat er sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren größtenteils selber beigebracht. Der Umgang mit einer Kamera war ihm allerdings nicht fremd, hat Hlawatsch schließlich Filmproduktion studiert und jahrelang in diesem Bereich gearbeitet.

Er möchte mit seinen Bildern Geschichten erzählen

„Foto und Film liegen nah beieinander. Den Beruf habe ich eigentlich nicht gewechselt, nur die Kamera“, erklärt er. Sein Motto bleibt: „Ich möchte mit Bildern Geschichten erzählen“, so der junge Mann, der gebürtig aus der Nähe von Bielefeld stammt und fürs Studium nach Berlin ging.

In der Hauptstadt arbeitete er anschließend als Produktionsleiter; zwölf Jahre später ging es der Liebe wegen nach Essen. Nach Werden. Immer wieder hielt Hlawatsch hier die Augen offen nach geeigneten Räumlichkeiten und wurde vor einigen Wochen auf das kleine Ladenlokal an der Grafenstraße aufmerksam. „Hier fühle ich mich bereits jetzt schon sehr wohl“, berichtet er.

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