Schule

Werdener Gymnasiasten gewinnen Lesepreis für Digitalprojekt

Die Schülerinnen Aila Kaniowitz (l.) und Clara Milkereit haben ein digitales Märchen programmiert. Sie gehören zur Profilklasse „Literatur und Medien“ des Gymnasiums Essen-Werden.

Die Schülerinnen Aila Kaniowitz (l.) und Clara Milkereit haben ein digitales Märchen programmiert. Sie gehören zur Profilklasse „Literatur und Medien“ des Gymnasiums Essen-Werden.

Foto: Christof Köpsel

Essen-Werden.  Virtual Reality, Roboter, Theater und Literatur: Das alles steht auf dem Lehrplan der Profilklasse „Literatur und Medien“ des Gymnasiums Werden.

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Ein Prinz reitet auf seinem Pferd durch bunte Fantasiewelten, Wolken ziehen über den Himmel, Laub bewegt sich im Wind, im Hintergrund erzählen zwei Mädchenstimmen ein Märchen. Diese 3D-Digitalwelt stammt nicht aus der Hand eines Profi-Informatikers – elfjährige Schüler des Gymnasiums Werden haben sie programmiert und wurden nun preisgekrönt.

Die Profilklasse „Literatur und Medien“ ist darauf spezialisiert, Kreativität und Sprachgefühl mit moderner, digitaler Mediennutzung zu verbinden. Für Projekte wie ihre digital animierten Märchen wurde sie nun mit dem Deutschen Lesepreis der Stiftung Lesen und Commerzbank-Stiftung ausgezeichnet: Die Klasse belegte den zweiten Platz in der Kategorie „Herausragende Leseförderung mit digitalen Medien“.

Schüler auf digitale Herausforderungen vorbereiten

Erst seit etwas mehr als einem Jahr gibt es die „Literatur und Medien“-Klasse nun am Gymnasium Essen-Werden, mittlerweile ist der zweite Jahrgang gestartet. Die Klasse vervollständigt die bisher bestehenden vier Profilklassen des fünfzügigen Gymnasiums und soll die Schüler unter anderem auf die Herausforderungen des digitalen Zeitalters vorbereiten. „Der Digitalisierungsprozess ist die umfassendste Veränderung, der wir als Schule begegnen“, so Klassenlehrer Helge Augustin. „Wir möchten unsere Schüler für die Berufsbilder der Zukunft fit machen.“

Entsprechend lernen die Schüler in der wöchentlich stattfindenden Extrastunde ihres Schwerpunktes alles, was zur digitalen Welt gehört: Auf dem Lehrplan stehen zum Beispiel Virtual-Reality-Projekte, das Steuern von Robotern und Podcasts. Ergänzt wird das Curriculum durch Medienpädagogik. Und sogar der Lötkolben kam schon zum Einsatz: Im Rahmen des „Making“-Workshops galt es, kleine Monsterfiguren mit LEDs zusammenzubasteln.

Projektorientierter Unterricht ist beliebt

Den Schülern gefällt der projektorientierte Unterricht: „Ich mag es, viel mit Technik und dem Computer zu arbeiten“, sagt zum Beispiel Paul (11) aus der Klasse 6d. Mila (11) ergänzt: „Die Kombination aus Literatur und Medien macht Spaß – technisch Geschichten zu erzählen, das ist einfach mal was Neues.“ Und Dzvinka (11) findet: „Der Unterricht ist noch viel cooler, als ich mir das vorgestellt hatte.“

Dabei kommt stets auch der literarische Aspekt kommt nicht zu kurz. Gleich zu Beginn der fünften Klasse schrieben die Schüler ein ganzes Buch: Im „Werdener Kanon der Kinderliteratur“ trugen sie ihre Lieblingsliteratur zusammen. Außerdem waren sie bereits zusammen bei Lesungen, nahmen an einem Performance-Workshop im Theater teil und hatten Workshops im kreativen Schreiben.

Schulleiterin zieht positive Bilanz

Rund ein Jahr nach dem Start der Profilklasse zieht Schulleiterin Felicitas Schönau eine rundum positive Bilanz: „Hier kommen Kinder zusammen, die die sich für das Gleiche interessieren.“ Tatsächlich haben viele von ihnen auch außerhalb der Schule eine hohe Affinität zu Literatur und Medien – Elena, Laura und Annika (alle elf Jahre alt) schreiben zum Beispiel hobbymäßig Geschichten. Die Leidenschaft fürs Kreative spiegelt sich auch in den Berufswünschen der Schüler wieder: „Bei der Zeitung arbeiten“, „Bücher schreiben“ oder „Schauspielerin werden“ wollen viele von ihnen.

So wundert es kaum, dass die Kinder ihr ganzes Herzblut in die Projekte stecken. An ihrem aktuellen Projekt, den 3D-Märchen, haben die Schüler zwei Monate lang gearbeitet – hauptsächlich in der wöchentlichen Stunde, zum Teil aber auch freiwillig in den Herbstferien. „Eine Gruppe hat sich neunmal getroffen und mit dem Programm CoSpace eine wahnsinnig detailreiche animierte Welt programmiert“, erzählt Lehrer Augustin begeistert.

Das Preisgeld des Deutschen Lesepreises wird nun genutzt, um ein weiteres digitales Vorhaben zu realisieren: Es soll eine E-Reader-basierte Ergänzung zur Klassenbibliothek geschaffen werden.

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