Neujahrsempfang der Kirchen

Essen-Werden im Zeichen des Werte- und Klimawandels

Alljährlich treffen sich Vertreter der beiden christlichen Konfessionen im Essener Stadtteil Werden zu einem Neujahrsempfang. Er findet traditionell im Forum des Mariengymnasiums statt.

Alljährlich treffen sich Vertreter der beiden christlichen Konfessionen im Essener Stadtteil Werden zu einem Neujahrsempfang. Er findet traditionell im Forum des Mariengymnasiums statt.

Foto: Socrates Tassos

Essen-Werden.  Beim Neujahrsempfang der Werdener Gemeinden wurde über den Erhalt der Schöpfung und die Ökumene gesprochen. Warum auch Klimawandel ein Thema ist.

Die beiden großen Themen beim Neujahrsempfang der Werdener Kirchen im Forum des Mariengymnasiums waren der Klimawandel und die Ökumene. Auch weitere Informationen über das Sozialprojekt, das künftig in der Traditionsgaststätte Domstuben verwirklicht werden soll, gab es vom Kirchenvorstand der Pfarrei St. Ludgerus.

Domstuben: Sozialprojekt für Menschen mit Behinderungen

Gerade erst hat Altpächter Frank Hahn die Türen der Domstuben verschlossen, da möchten die Werdener Bürger natürlich wissen, wie es weitergeht. Propst Jürgen Schmidt informierte beim Neujahrsempfang über die Veränderungen bei den Domstuben: „Als Pfarrei St. Ludgerus haben wir uns entschieden, im Zentrum von Werden ein Zeichen zu setzen. Mit einem Sozialprojekt, das deutlich macht: Menschen mit Behinderung haben bei uns einen bevorzugten Platz, erhalten sogar einen Arbeitsplatz. Deshalb sind wir mit dem Franz-Sales-Haus in Kontakt getreten und in die Planungen eingestiegen.“

Unter einem Dach seien moderne einladende Räume für Gruppen und Gremien der Pfarrei und ebenso für Vereine und Verbände im Stadtteil geplant. Viele Werdener seien der Meinung, die geplante Kombination aus Sozialprojekt und Hotel-Gastronomie stünde Gemeinde und Stadtteil gut zu Gesicht: „Das macht uns Mut und stärkt uns den Rücken.“

Wissenschaftler wurden bislang nicht gehört

Der Ökumene-Ausschuss möchte engagierten Werdenern eine Bühne geben und lud diesmal Christiane Gregor von „Parents for Future“ ein: „Fridays for Future wurde quasi das Megafon der Wissenschaftler, die schon seit fünf Jahrzehnten vor dem Klimawandel warnen und nie gehört wurden.“

Vier persönliche Hebel zur CO2-Reduktion gebe es: Flugreisen und das tägliche Stück Fleisch überdenken, neue Heizungen und Wärmedämmung einbauen, bewusster oder gar nicht mit dem Auto fahren.

Täglich werden 80.000 Coffee-to-go-Becher weggeschmissen

Jeder könne etwas bewirken: „In Essen werden täglich 80.000 Coffee-to-go-Becher weggeschmissen. Das sind über 29 Millionen im Jahr.“ Auch die Kirchen hätten erkannt: „Wir sorgen nicht gut genug für das Geschenk der Schöpfung.“ Doch auf Schuldzuweisungen solle man verzichten: „Das bringt uns keinen Schritt weiter und spaltet die Gesellschaft.“ Die Umweltschützerin fragte: „Welche Welt wollen wir unseren Kindern und Enkeln hinterlassen?“

Mitgerissen vom Klimaseminar des Werdeners Simon Wehden habe sich eine Gruppe engagierter Bürger gebildet, die den Klimaschutz im Stadtteil angehen wolle. Das nahm Pfarrer Oliver Ruoß nur zu gerne auf, immerhin sei Wehden in der evangelischen Jugendarbeit groß geworden: „Ich wünsche unseren Kindern eine lebenswerte Zukunft.“

Glaubensseminar „Auf Schatzsuche“ startet 2020

Doch ein bedenklicher Trend habe sich eingeschlichen: „Es ist schwer geworden, miteinander zu reden. Da wird vieles ideologisch und polemisch.“ Ruoß zitiert das Johannesevangelium: „Jesus ist voller Gnade und Wahrheit.“ Beides brauche man in Gesprächen: „Um die Wahrheit ringen und gnädig miteinander umgehen.“ Bereits jetzt starte ein Glaubensseminar „Auf Schatzsuche“ mit der Frage: „Wie kann man christlichen Glauben im 21. Jahrhundert leben?“

Propst Jürgen Schmidt war noch ganz bewegt von den Worten seines Bischofs Overbeck, der von „Zeitenwenden“ gesprochen hatte. Am Ende seines Hirtenwortes rät der Bischof „beieinander zu bleiben, verschiedene Standpunkte auszuhalten und geduldig darauf zu setzen, dass sich in diesem Suchen und Ringen Gottes Geist zeigen wird“. Wenn das für die großen Fragen von Kirche und Welt gelte, dann ebenso für die konkreten Fragen eines überschaubaren Stadtteils wie Werden: „Ökumene braucht von Zeit zu Zeit neue Formen und Formate. Hier geschieht bereits viel Gutes. Manches braucht Geduld. Schnelle Lösungen sind nicht unbedingt gute.“

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