Schließung

Essen: Räumungsverkauf zum Abschied in Werdener Domstuben

Der bisherige Wirt Frank Hahn lädt zum Räumungsverkauf in die Werdener Domstuben.

Der bisherige Wirt Frank Hahn lädt zum Räumungsverkauf in die Werdener Domstuben.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Essen-Werden.  Das Inventar der Werdener Stuben steht zum Verkauf: Zum Abschied lädt der bisherige Wirt nochmals ein – und weist auf den Sanierungsstau hin.

Es wird ernst an der Brückstraße. Die Domstuben haben ihre Pforten geschlossen und ein Mahnmal vor der Tür lässt die Passanten stutzen. Stammgäste haben eine Art Trauerkranz niedergelegt. Die Inschrift der Schleifen spricht aus, was viele Werdener über das Ende der beliebten Gastronomie denken. „Du schließt viel zu früh“ und „Wir denken an die schönen Zeiten gerne zurück“. Hinter der Tür geht es derweil hoch her. Ein Räumungsverkauf steht an.

Der ehemalige Pächter Frank Hahn und sein Team schleppen aus dem Keller alles herbei, was sich so angesammelt hat in all‘ den Jahren. Wobei Hahn ziemlich irritiert ist: „Wahnsinn. Wir haben schon an die 700 Gläser gefunden, teils aber in Größen, die wir nie benutzt haben. Die müssen noch vom Vorgänger sein. Alles muss raus.“

An Silvester gab es zum Frühschoppen das letzte Bier

Am Ende des Jahres hieß es nun endgültig, Abschied zu nehmen. Mit einem Augenzwinkern hatte Hahn zum „Beerdigungskaffee“ eingeladen. Altbürgermeister Hanslothar Kranz sprach mit einer kleinen Rede vielen aus dem Herzen, lobte das Engagement des Wirtsleute und dankte Mechthild Hahn mit einem Blumenstrauß. Danach wurde gefeiert und sogar getanzt, sagt Frank Hahn: „Es sind um die sechzig Leute gekommen. Das fand ich klasse. Wir hatten noch einmal richtig Spaß miteinander. Die vielen lieben Worte haben uns richtig gut getan.“

Am Silvestertag bat der Wirt zum Frühschoppen an die Theke und zapfte die allerletzten Biere: „Irgendwer muss das jetzt leer trinken. Alleine schaffe ich das nicht.“ Das ließen sich die Stammgäste nicht zweimal sagen. Statt der ursprünglich veranschlagten zwei Stunden wurde es früher Abend, ehe der letzte Zecher verschwunden war.

Die Gaststätte und der Biergarten liefen gut und die Säle waren gut belegt

Seit 2006 konnte aus einer wenig attraktiven Lokalität ein florierendes Unternehmen entwickelt werden. Die Gaststätte und der Biergarten brummten, auch die Säle waren gut belegt. Mit Karnevals- und anderen Vereinen, Parteien, der Arbeiterwohlfahrt. Sie alle fanden Platz bei Frank Hahn.

Der bisherige Gastwirt gibt nun eine traurige Prognose ab: „2020 bleibt das Haus zu. Das schaffen die nicht bis zum Herbst, dabei sind die Räume doch so wichtig für Werden. Seit März ist bekannt, dass es nach einem Umbau mit einem neuen Pächter weitergehen soll. Doch bis heute war noch keiner vor Ort und hat zum Beispiel das Aufmaß genommen. Die Handwerker haben aber alle ihre Auftragsbücher voll, so auf die Schnelle geht da nix. Keiner kennt die Zahlen. Die Leute vom Franz-Sales-Haus müssen aber doch wissen, was der Umbau kosten wird. Das wird doch die Pacht beeinflussen.“

Wirt weist auf den Sanierungsstau in der Gaststätte hin

Kirchengemeinde und zukünftiger Pächter hatten einen „Letter of intent“ unterzeichnet. Eine Absichtserklärung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Sieht Hahn auch so, warnt aber: „Das vielzitierte Hotel Franz spielt in der Champions League, die Domstuben sind dagegen Kreisliga.“

Der Sanierungsstau an allen Ecken und Kanten wurde im Laufe der Jahre immer offensichtlicher, immerhin konnten 2012 die Hotelzimmer in der ersten Etage renoviert werden. Die im zweiten Stockwerk dagegen sind ziemlich in die Jahre gekommen, weiß Frank Hahn: „Und für Barrierefreiheit muss auch einiges investiert werden. Das ist ein groß dimensioniertes Projekt. Wer weiß, was da alles rausgerissen werden muss?“

Großer Räumungsverkauf im großen Saal

Nun dankt das Team der Domstuben für die schöne Zeit und bereitet die Übergabe an den Eigentümer vor, die katholische Propsteipfarrei St. Ludgerus. Frank Hahn muss am 15. Januar seine Schlüssel abgeben. Vorher lädt er aber noch ein letztes Mal in Werdens gute Stube ein. Am Samstag, 11. Januar, findet im großen Saal der Domstuben ein Räumungsverkauf statt. Ab 12 Uhr können dann alle Interessierten nach Herzenslust stöbern und Inventar, Gläser, Geschirr und Deko sowie eine Reihe historischer Fotografien als Erinnerungstücke kaufen.

Hahn ist glücklich, dass bereits eine soziale Einrichtung zugegriffen und sich etliches gesichert hat. Das Betreute Wohnen an der Urbachstraße übernimmt Tische, Stühle, große Schirme und Bilder. Für den Gastronom eine Win-win-Situation: „Die sind glücklich mit den Sachen und hier leert es sich so langsam.“