Flüchtlingsinitiative

Engagement der Ehrenamtler ist gefragt

Hartmut Peltz (r.) vom Sozialamt der Stadt Essen war zu Gast beim Treffen der Flüchtlingsinitiative Werden hilft!.

Hartmut Peltz (r.) vom Sozialamt der Stadt Essen war zu Gast beim Treffen der Flüchtlingsinitiative Werden hilft!.

Foto: WAZ FotoPool

Essen-Werden.  Zur ersten Versammlung der Flüchtlingsinitiative „Werden hilft!“ waren vor rund vier Wochen 70 Interessierte in die Domstuben gekommen. Vom kleinen Saal musste in den großen gewechselt werden. Vorausschauend hatte sich Andreas Brinck vom Organisatorenteam am vergangenen Monat gleich für die optimistische Variante entschieden - und es kamen dann auch weit mehr als 100 Unterstützer, um unter anderem Hartmut Peltz und seinem Team vom Sozialamt der Stadt Essen zuzuhören.

Viele Informationen zum geplanten Erstaufnahmelager für Flüchtlinge hatte er mitgebracht. Und auch ein Lob: „Wir bemühen uns, in allen Stadtteilen die ‘Runden Tische’ zu unterstützen. Es ist besonders gut, wenn wie hier in Werden, die Initiative aus der Bürgerschaft selbst kommt. Wir werden auf ihre Unterstützung und Anregungen angewiesen sein.“ Und daran sollte es in Werden nicht mangeln, denn die Initiative, die kurz vor der Vereinsgründung steht, kann viel Kompetenz aufweisen. In verschiedenen Arbeitsgruppen soll in den kommenden Monaten Vorarbeit geleistet werden - im Herbst 2015 werden voraussichtlich die ersten Flüchtlinge in der Landeseinrichtung aufgenommen. Ob bei der Vorbereitung der Kleiderkammer, bei der Sprachförderung, der Unterstützung der Integration - „das Netzwerk ‘Werden hilft’ dient der Bündelung aller Hilfsangebote“, sagt Andreas Brinck. „Und ich bin froh, dass es keine Eintagsfliege war, sondern Kontinuität verspricht.“

Mit vielen Fakten konnte Hartmut Peltz aufwarten. So seien weltweit 50 Millionen Menschen auf der Flucht. Und man warte gespannt auf die Prognose im Januar, die in Zahlen festlegt, was NRW an Zuweisungen zu erwarten hat. Die Winterzuwanderung aus Serbien und Mazedonien sei ungebrochen hoch, aber immer mehr Menschen kämen aus Kriegsgebieten, wie zum Beispiel Syrien.

Zehn Unterkunftsgebäude werden zur Erstaufnahmeeinrichtung an der Hammer Straße gehören. Bis zu drei Monate lang werden die Menschen dort leben. In Räumen für zwei oder vier Personen - 6,25 Quadratmeter stehen jedem Flüchtling lediglich zur Verfügung. Immer wieder Thema war die schlechte ÖPNV-Anbindung des Standortes. Hartmut Peltz: „Gespräche mit der Evag laufen. Jetzt fährt der Bus nur jede halbe Stunde. Vielleicht kann man die Frequenzen erhöhen.“

Im März wolle man dem Rat weitere Standorte und Grundstücke vorschlagen, um vorbereitet zu sein. Neben dem NRW-Standort an der Hammer Straße plant die Stadt nach wie vor eine Flüchtlingsunterkunft für 150 Menschen an der Ruhrtalstraße neben dem Alten Bahnhof Kettwig.

Derzeit gibt es übrigens in NRW nur zwei Erstaufnahmeeinrichtungen - in Bielefeld und Dortmund. Jeweils 350 Flüchtlinge sind dort untergebracht. In der Einrichtung „neuen Typs“, wie sie in Fischlaken gebaut wird, können bis zu 800 Menschen leben.

Dass gerade diese Willkommenskultur, die Werden hilft! zum Thema macht, den Flüchtlingen so wichtig ist, weiß Najibulla Ahmadsadah. Der Werdener ist für die Bündnisgrünen Mitglied in der Bezirksvertretung IX. Er floh vor vielen Jahren aus Afghanistan. Er engagiert sich auch in der Initiative und sagt: „Mein Herz wächst, wenn ich sehe, wie viele nette Leute es hier gibt, die sich Gedanken über Menschen machen, die noch gar nicht da sind.“

Aber wenn sie dann da sind, will Werden hilft! auf jeden Fall vorbereitet sein.

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