Deutsch-syrisches Konzert

Ein deutsch-syrisches Konzert im Werdener Mariengymnasium

Die beiden Pianisten Edgar Knecht (l.) und Aeham Ahmed beim deutsch-syrischen Konzertabend im Werdener Mariengymnasium.

Die beiden Pianisten Edgar Knecht (l.) und Aeham Ahmed beim deutsch-syrischen Konzertabend im Werdener Mariengymnasium.

Foto: STEFAN AREND

Essen-Werden.   Als „Pianist aus den Trümmern“ ist der Syrer Aeham Ahmed berühmt geworden. Mit Edgar Knecht startete er jetzt in Werden seine Deutschlandtournee.

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Das Forum des Mariengymnasiums ist bestens gefüllt, zwei mächtige Konzertflügel nehmen fast die ganze Bühne ein. An einem der beiden Pianos sitzt ein Flüchtling. Einer, der noch soeben der Hölle auf Erden entkommen ist. Mit Musik trotzte der Syrer Aeham Ahmed dem Krieg, bis der IS ihn 2015 aufspürte und sein Klavier verbrannte. Er musste fliehen, über die Balkanroute. Ließ geliebte Menschen zurück.

Deutschland ist die neue Heimat

Als „Pianist aus den Trümmern“ ist er inzwischen berühmt geworden, ein gefragter Musiker. Fand mit seiner Frau und den zwei Söhnen in Deutschland ein neues Zuhause. Die Begegnung mit Edgar Knecht wirbelte sein Leben endgültig durcheinander. Pianist Knecht ist bekannt für jazzige Interpretationen deutscher Volkslieder: „Hier haben sich die Erfahrungen der Menschen gesammelt. Das ist ein Schatz an Emotionen.“ Und Ahmed brachte die Lieder seiner kriegsumtosten Heimat mit.

Völlig verschiedene Kulturkreise mit sehr eigenen musikalischen Wurzeln. Warum soll das nicht passen? So entstand eine befruchtende Symbiose, die in ein spannendes Projekt mündete.

Konzert bietet einen Spannungsbogen

Der Werdener Buchhändler Thomas Schmitz lernte Ahmed auf der Buchmesse kennen und lud ihn zu sich nach Werden ein. Dort war nun der Auftakt der Deutschland-Tour, im Gepäck die CD „Keys to freedom“. Aus diesem Werk spielen das Edgar Knecht Trio und sein syrischer Freund. Grundlage der Ballade „Tiefe Wasser“ war „Es waren zwei Königskinder“, der Text wurde auf Arabisch übersetzt. Zart gehaucht, schrill, die Stimme immer zerbrechlich, so singt Ahmad, dazu bietet ihm Rolf Denecke am Kontrabass ein weiches Bett an.

Im „Song with no name” singt sich Ahmad die Seele aus dem Leib, Tobias Schulte kann dazu am Schlagzeug so richtig Drive entwickeln. Das Konzert bietet einen Spannungsbogen mit ruhigen Passagen, die sich in impulsiven Eruptionen auflösen. Oft hat es einen Latino-Einschlag, der perfekt passt, man ist verblüfft.

Frage-Antwort-Spiel der Pianos

Besonders mitreißend die Passagen, in denen Knecht und Ahmad sich ein geradezu clowneskes Frage-Antwort-Spiel ihrer Pianos liefern. Es folgt ein Solo mit energischem Anschlag, perlenden Läufen und verspielten Trillern.

Woher nur holt dieser Mensch angesichts des Horrors so positive Lieder her? „Die Gedanken sind frei“ hat Ahmad bereits mit Joachim Gauck gesungen: „Ein großer Präsident. Nicht so wie unserer.“ Ein Statement für Demokratie, Menschenrechte. Frieden. Selten hat man einen Appell an die Menschlichkeit so entspannt, swingend, groovend vernommen.

Einfach nur einen Tee genießen - in Freiheit

Ein Traum ist es, irgendwann wieder in Frieden in der Heimat zu sitzen und einfach nur einen Tee zu genießen. „Green Peppermint“ hat Ahmad geschrieben, als Hunger und Durst am schlimmsten waren. „Und jetzt sitze ich hier in Deutschland und spiele dieses Lied mit meinen Freunden!“

Es folgt „To those in the waves“. Wer droht da, in den Wellen unterzugehen? Ahmad widmet das Lied „Yarmouk misses you“ den Kindern von Ost-Ghouta.

Verabschiedet wird das restlos begeisterte Publikum mit einem Gutenachtlied. Die Melodie von „Schlaf, Kindlein, schlaf“ hat die Mutter in Syrien auch gesungen. Aeham Ahmad setzt sich zu Edgar Knecht, umarmt den Freund.

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