Werdener Bollerwagenumzug

Die waddischen Jecken mögen den politischen Karneval

Mit dabei waren auch die Jecken vom Gartenhaus Dingerkus - die bekanntesten Gärtner des Stadtteils.

Foto: STEFAN AREND

Mit dabei waren auch die Jecken vom Gartenhaus Dingerkus - die bekanntesten Gärtner des Stadtteils. Foto: STEFAN AREND

essen-Werden.   Der Bollerwagenumzug in Werden hat eine lange Tradition – immer ist auch Lokalpolitik ein Thema. Zum Beispiel das umstrittene Verkehrskonzept.

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Sonntagmorgen, der Himmel weint, doch Seelsorger Gregor Lauenburger gibt Entwarnung: „Laut Regenradar hört es um 10 Uhr auf.“ Und wenn man einem Mann der Kirche nicht Glauben schenken darf, wem dann? Und wirklich, die Wolken reißen auf.

Für den „Zoch“ gibt es keine vorgegebene Aufstellung. Das regeln die Teilnehmer wie immer untereinander. Halt gelebte Werdener Tradition. Los geht’s an der Dücker-straße, unweit der Luciuskirche. Huldvoll winkt Monika Reich-Püttmann, als Aules Wiev verkleidet über Jahrzehnte die Frontfrau des Umzuges. Die offenen Fenster wären doch ein lohnendes Ziel für einen gezielten Kamelle-Wurf, doch die Zielgenauigkeit ist noch ausbaufähig. Am Promillepegel kann es nicht liegen, denn die Organisatoren Anja Kirchhoff und Ulf Korten von den Bollerwagenjecken stellten unmissverständlich klar: „Dass für die Zugteilnehmer vor und während des Umzugs Alkohol tabu sein sollte, ist bekannt und selbstverständlich.“

Auch die „Roten Socken“ waren am Start

Auch die Sozialdemokraten marschieren mutig mit. Rote Hüte, die Shirts mit Strümpfen behangen: „Wir sind die Roten Socken.“ Ob hier Trotz mitschwingt? Die Meinung zum aktuellen Geschehen in Berlin ist jedenfalls klar: GroKo-Lores. Überhaupt nehmen die Werdener Jecken gerne Politisches auf die Schüppe, auch das Verkehrskonzept. Gegenverkehr auf der Abteistraße? Da fällt der KG Gesichts11 nur „Werden verkehrt“ ein.

Friedlich-lustig schiebt sich der Umzug durch die Straßen, es wird immer voller, der verbleibende Pfad immer enger. Gut Schuss stellt die Verhältnisse klar: ein winziger Donald Trump will „America first“. Da lässt ihn ein gigantischer Ludgerus aber abblitzen: „Wer will schon wilden Westen? In Werden ist’s am besten.“ Schützendame Sandra Powileit hat mit Liebe zum Detail den Ortspatron aus Pappmaché gebastelt: „Da gingen schon einige Wochenenden bei drauf.“

Traktor als Absperrmobil

Auf dem Rathausbalkon steppt bereits der Bär. Für Sicherheit ist gesorgt, der Treckertreff „Bulldogs for Kids“ hat einen Traktor quer gestellt. Peter Gabka von der KG Lindenbeck: „Das hätten wir vor 40 Jahren nicht gedacht, dass wir nun ein Absperrmobil für Bollerwagen stellen müssen.“

Klaus Pelizaeus begrüßt jede einlaufende Gruppe, stellt sie kurz vor und singt: „Mit dem Bollerwagen durch die Stadt, die zum Lachen 1000 Gründe hat.“ Der Akkordmalocher muss diesmal auf seinen Eugen verzichten, der weilt in Urlaub. Das Essener Prinzenpaar entert den schmalsten Balkon der Stadt. Und um Punkt 12.11 Uhr kommt gar noch die Sonne raus.

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