Kettwigs Einzelhandel

Die Situation des Kettwiger Einzelhandels ist angespannt

In der kleinen Kettwiger Fußgängerzone - zwischen Haupt- und Ruhrstraße - herrscht eine hohe Fluktuation. Und drei Ladenlokale stehen derzeit leer.

In der kleinen Kettwiger Fußgängerzone - zwischen Haupt- und Ruhrstraße - herrscht eine hohe Fluktuation. Und drei Ladenlokale stehen derzeit leer.

Foto: STEFAN AREND

essen-Kettwig.   Leerstand und häufiger Mieterwechsel – so schaut es derzeit in der Kettwiger Fußgängerzone aus. Schwierige Zeiten für den Einzelhandel.

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„Die Situation des Einzelhandels ist desolat. Mir bereitet das Bauchschmerzen.“ Das sagte Annegret Borgs auf den Tag genau vor 20 Jahren. Die damalige Vorsitzende der Interessengemeinschaft Kettin bemühte sich 1998 intensiv um die Schließung von Laden- und Branchenlücken.

Im Januar 2018 ist die Situation wieder angespannt. Über Gründe und Lösungsmöglichkeiten sprechen wir mit Gisela Walschebauer. Seit 20 Jahren ist die Maklerin vor Ort und hat an der Fußgängerzone Hauptstraße ihr Büro. „Seit ungefähr fünf Jahren ist es wieder schwierig geworden, zeigt die Kurve nach unten. Vorher passten Begriffe wie gemütlich, ansprechend und einladend zu Kettwig. Jetzt ist es, besonders in den Wintermonaten, eher trostlos, leer und traurig.“

Besonders die Gastronomie ist wichtig

Gerade mal 140 Meter kurz ist die kleine Fußgängerzone. Doch auch dort ist die Fluktuation groß, derzeit stehen drei Ladenlokale leer. „Im Sommer sieht das mit der Frequenz ein bisschen anders aus. Dann kommen die Touristen mit den Schiffen der Weißen Flotte“, sagt Gisela Walschebauer. „Und dann ist besonders die Gastronomie wichtig.“

Viel Hoffnung haben die Einzelhändler auf die großen Kettwiger Wohnbauprojekte gesetzt – auf die jungen Familien, die an den „Ruhrbogen“ und die „Seepromenade“ gezogen sind. „Ich habe selbst nachgefragt. Wenn sie nach der Arbeit nach Kettwig kommen, sind die Läden zu. Die meisten kaufen in der Mittagspause in der Nähe des Arbeitsplatzes oder abends, online auf dem Sofa. Und warum öffnet man nicht ein, zwei Mal in der Woche bis 20 Uhr? Manche Läden machen um 18 Uhr zu, andere um 18.15 Uhr oder 18.30 Uhr. Das ist für die Kunden schwierig. Man sollte auf jeden Fall über das Thema Öffnungszeiten nachdenken.“

Außerdem müsse unter den Einzelhändlern mehr kommuniziert werden. Gisela Walschebauer erinnert an Kettin-Veranstaltungen – „da haben sich neue Einzelhändler und Dienstleister vorgestellt, es gab gemeinsame Treffen an wechselnden Orten. Das ist eingeschlafen.“

Thema Öffnungszeiten

Mit verlängerten Öffnungszeiten hat es Doris Krumey von „Verflixt und zugenäht“ in der Altstadtpassage versucht. Auf Facebook postet sie jetzt ihr Resümee: „Oft habe ich gehört: 18 Uhr, das ist so früh, das schaff’ ich nicht. Also habe ich drei Monate lang die Öffnungszeiten auf 18.30 erweitert. Wie immer durchgehend. Was soll ich sagen? Der Umsatz in dieser Zeit war, sagen wir mal, homöopathisch. Deshalb habe ich mich entschieden, wieder zu den ursprünglichen Öffnungszeiten 10 bis 18 Uhr zurückzukehren“.

Oft werden aber auch hohe Mieten als Ursache für ständigen Wechsel oder Leerstand ausgemacht. Wieder ein Blick zurück ins Jahr 1998: Damals waren Verkaufsflächen für 20 DM pro Quadrat zu haben – teilweise wurden aber auch Spitzenmieten von bis zu 60 DM verlangt. „Das ist vorbei“, sagt Gisela Walschebauer. „Viele Eigentümer haben sich angepasst, haben die Preise gesenkt. Derzeit zahlt man zum Beispiel in der Fußgängerzone zwischen 12 und 14 Euro.“

Waren online und im Geschäft

Da wäre dann noch der Onlinehandel, „der sicherlich dabei ist, den Einzelhandel zu verdrängen“, sagt Gisela Walschebauer. Und die Lösung? „Man muss heute flexibel sein und mit der Zeit gehen. Die Ware online und im Geschäft anbieten. Und jeder Laden steht und fällt mit dem, der ihn betreibt. Selbstständigkeit ist keine Liebhaberei. Man braucht dazu auch Kompetenz.“

1998 hatte Kettin den Branchenmix in der Kettwiger Innenstadt fest im Blick. Damals sagte Annegret Borgs, „dass wir zum Beispiel Anbieter von Sportbekleidung und Haushaltwaren gezielt angesprochen hatten, aber sie zögerten, meinten, hier sei zu wenig los.“

2018 gibt es noch eine andere Entwicklung, die Gisela Walschebauer Sorgen bereitet. „Wenn derzeit Häuser in der Altstadt verkauft werden, sind es meist fremde Investoren, die sich nicht mit dem Stadtteil identifizieren.“

Aber sie sieht auch, dass Kettwig mit seiner historischen Altstadt nach wie vor eine Menge Potenzial hat und es besser nutzen muss: „Sicherlich haben wir derzeit eine Krise, aber Jammern nutzt doch nichts. Wir müssen’s anpacken. Und zwar alle gemeinsam.“

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