Mobbing an Schulen

Der richtige Umgang mit Mobbing im Klassenzimmer

Jacqueline Wickersheimer leitet das Deeskalationstraining im Saal der Jonagemeinde.

Jacqueline Wickersheimer leitet das Deeskalationstraining im Saal der Jonagemeinde.

Foto: STEFAN AREND

Essen-Heidhausen.   Im Saal der Jonagemeinde in Heidhausen erfahren Grundschüler, wie sie mit den Themen Mobbing und Gewalt im Klassenzimmer umgehen können.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Das kleine blonde Mädchen stemmt trotzig die Hände in die Hüften und traut sich. Sagt diesen Satz, den sie noch vor zwei Stunden niemals gesagt hätte: „Ich werde gemobbt.“ Sie weiß jetzt, wie sie sich wehren kann.

Im Saal der Jonagemeinde an der Heidhauser Straße erfahren Grundschüler an diesem Tag, wie sie mit den Themen Mobbing und Gewalt im Klassenzimmer umgehen können. Laut und deutlich „Stopp“ sagen. Dem Täter ins Gesicht rufen: „Ich werde von Dir gemobbt. Lass das sein!“

Schwerpunkt liegt auch bei Gewalt im Klassenzimmer

Das Training leitet Jacqueline Wickersheimer. Sie ist seit 2003 Jugendleiterin der Jonagemeinde und nach einer intensiven Schulung zertifizierte Deeskalationstrainerin. Diese Ausbildung lag ihr am Herzen. Zu oft musste sie etwa bei der Konfirmandenarbeit von Mobbing Betroffene trösten.

Seit drei Jahren berät sie freiberuflich in Konfliktfällen, führt vor Ort Trainings durch: „Mein Schwerpunkt liegt schon bei Kindern und Jugendlichen, bei Gewalt im Klassenzimmer.“ Da möchte sie auch die Lehrer hellhörig machen, Wege aus dem Mobbing aufzeigen: „Ich bin da ganz offen. Nur so trauen sich auch die Kinder, ihre Gefühle klar auszusprechen. Oft platzt der Knoten, Tränen fließen. Es ist eine riesige Erleichterung, wenn ein gemobbtes Kind merkt, dass es nicht allein ist. Dass es Freunde hat. Das sind unglaublich emotionale Momente.“ Das Problem könne man nicht auf eigene Faust lösen: „Dem Mobber aus dem Weg zu gehen, funktioniert nicht. Das stachelt ihn nur an.“

Es hilft, eine Rolle zu spielen

Also Konfrontation. Im Deeskalationstraining wird kein Kuschelkurs gefahren, beim Duell mit den gepolsterten Schlägern oder dem Raufen um den Gummihahn geht es richtig zur Sache. Wenn dann noch einer der Kämpfenden lautstark angefeuert wird, geht er immer mehr in die Offensive. Bleiben jedoch die Rufe der Zuschauer aus, verebbt die Aggressivität schnell wieder. Also können auch Außenstehende etwas bewegen. Etwa, indem sie den Mobber nicht noch in seinem Tun bestärken.

Viele Kinder müssen erst einmal lernen, ihre Gefühle auch zu benennen. Da hilft es, eine „Rolle“ zu spielen. Und wenn man sich in dieser nicht wohlfühlt? Jacqueline Wickersheimer verrät einen Trick: „Streift die Rolle einfach ab.“ Das ist wirklich so gemeint, die Trainerin wischt symbolisch ihre „zweite unglückliche Haut“ vom Körper. Viele Kinder stecken in der Falle, wollen einfach nicht ihr Gesicht verlieren. „Sie wollen keine Loser sein und machen einfach weiter.“

Am Ende jedes Trainings gibt Jacqueline Wickersheimer den Kindern eine Botschaft mit: „Du bist nicht machtlos. Es gibt immer einen Weg.“

Die freiberufliche Deeskalationstrainerin Jacqueline Wickersheimer zeigt auch bei Erwachsenen Lösungsmöglichkeiten auf. Ihre Erfahrung: „Mobbing am Arbeitsplatz ist ein brennendes Thema.“

Sie ist unter jacqueline.wickersheimer@googlemail.com oder unter 0176/22811793 zu erreichen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik