SPD Kettwig

Chaotische Diskussion um Ratskandidaten der Kettwiger SPD

Alexander Land, stellvertretender Vorsitzender der Kettwiger SPD, leitet derzeit die Geschicke des Ortsvereins.

Alexander Land, stellvertretender Vorsitzender der Kettwiger SPD, leitet derzeit die Geschicke des Ortsvereins.

Foto: Sara Schurmann

essen-kettwig.   Es herrscht Unruhe in der Kettwiger SPD. Rücktritte, Morddrohung gegen den Vorsitzenden Johannes Busley – und Hickhack um die Ratskandidatur.

Bei den Kettwiger Genossen läuft es derzeit nicht rund. Interne Querelen, öffentlich ausgetragene Anfeindungen und ein Wechsel an der Spitze des Ortsvereins. Zur Erinnerung: In der Nacht vom 12. auf den 13. Januar soll der Vorsitzende Johannes Busley von einem Unbekannten mit dem Tode bedroht worden sein (diese Zeitung berichtete). Anlass sei Busleys angekündigte Ratskandidatur gewesen. Daraufhin übernahm sein Stellvertreter Alexander Land die Leitung des Ortsvereins – und er spricht von einer „chaotischen Entwicklung“. „Die ganze Sache macht Johannes Busley wohl mehr zu schaffen, als er es sich anfangs eingestehen wollte. Er nimmt sich erst einmal eine Auszeit, um wieder zu sich zu finden.“

Seine Ratskandidatur hatte Busley kurz nach dem Ereignis im Januar zurückgezogen – und nur wenig später präsentierte der Ortsverein vier neue Kandidaten. „Dass es gleich vier Kandidaten sind, ist quasi eine Soli-Nummer. Das ist aus dem Gefühl entstanden, Busley unter die Arme greifen zu müssen.“

Fünf SPD-Ratskandidaten aus einem Stadtteil

Mit den Ortsvereinsmitgliedern Saman Javaheri und Dana Savic und den Vorstandsmitgliedern Ilse Strobl und Alexander Land ist die Liste der Kettwiger SPD-Ratskandidaten aber noch nicht abgeschlossen. Denn als erster hatte Daniel Behmenburg bereits im Oktober 2018 seine Kandidatur angekündigt. Dass er mit Johannes Busley einen Konkurrenten aus dem eigenen Stadtteil bekommen würde, erfuhr der Vorsitzende der SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung IX erst am 10. Januar. Da machte Johannes Busley seine Ratskandidatur im Rahmen der Mitgliederversammlung der Kettwiger SPD öffentlich. „Das war eventuell ein bisschen unglücklich“, sagt Alexander Land. „Er wollte im Vorfeld mit Daniel Behmenburg reden, hat aber vielleicht nicht Klartext gesprochen.“

Fünf SPD-Ratskandidaten aus einem einzigen Stadtteil? „Dann sind es halt fünf Kandidaten. Die Mitglieder werden entscheiden. Wer immer dann zu diesem Zeitpunkt noch zur Verfügung stehen wird.“

Konsequenzen aus dem Verhalten der Parteispitze

Die Diskussion über die plötzliche Kandidatenschwemme sorgte für weitere Unruhe und war für die beiden Kettwiger SPD-Politiker Heike Lohmann und Jan Robert Belouschek der Anlass, nicht mehr für die Bezirksvertretung zu kandidieren. Damit zögen sie „die Konsequenzen aus dem Verhalten der Parteispitze in Kettwig“ heißt es in der öffentlichen Erklärung vom 8. Februar. Und weiter: „...Wir bedauern es sehr, dass die kommunalpolitische Arbeit für Kettwig durch das Kreisen einiger Sozialdemokraten um sich selbst konterkariert wurde...Trotzdem haben wir noch lange Zeit versucht, Verständnis für das Handeln zu wecken und auch den Dialog mit den handelnden Personen gesucht. Leider sehr ergebnislos“.

Auch Alexander Land spricht von einem „Graben zwischen dem Ortsverein Kettwig und den Kollegen in der Bezirksvertretung“. Und das sei schon seit geraumer Zeit so. Er biete ein moderiertes Gespräch an und warte jetzt darauf, dass sich die beiden Genossen melden. Und unverständlich sei auch, dass Daniel Behmenburg in seiner Funktion als Fraktionvorsitzender quasi abgetaucht sei.

An den eigenen Leuten abarbeiten

Diesen Vorwurf weist Behmenburg von sich: „Das ist ja nachweislich nicht wahr. Unverständlich ist mir der Drang einiger Vorstandsmitglieder in Kettwig, sich an den eigenen Leuten abzuarbeiten. Ich werde mich daran nicht beteiligen. Stattdessen konzentriere ich mich lieber weiter auf die drängenden kommunalpolitischen Themen in Kettwig. Vielleicht ist das ja auch für den einen oder anderen im Kettwiger Ortsvereinsvorstand ein guter Ratschlag. Alle sind herzlich eingeladen, hieran mitzuarbeiten.“

Auch Beirätin Elke Gockel zieht sich zurück

Doch Alexander Land hat noch weitere Baustellen abzuarbeiten. Auch Elke Gockel, bislang Beirätin im Vorstand des SPD-Ortsvereins, hat sich „nach den Diskussionen zurückgezogen. Das wird mir alles zu viel.“ Und da ist dann noch der nicht unerhebliche Mitgliederschwund. „Ich weiß, dass wir in Kettwig mal über 400 Mitglieder hatten. Jetzt sind es Pi mal Daumen noch 112. Allgemein ist der Ortsverein dramatisch überaltert. Und die meisten davon kenne ich gar nicht. Gerade mal zwei Hände voll sind aktiv. In einem ersten Schritt müssen wir mit unseren Mitgliedern ins Gespräch kommen. Aber dabei ist mir wichtig, dass ich nicht im Mittelpunkt stehe.“

>>WEITERE INFOS

  • Alexander Land lebt seit 2015 mit seiner Familie in Kettwig. Er ist Leiter Kommunikation und Energiepolitik beim Gastransporteur Open Grid Europe.
  • Über die Website der Kettwiger SPD ist er im August 2015 an den Ortsverein herangetreten. Er setzt sich besonders für Themen wie Energiewende, Situation in der Pflege und Verkehrspolitik ein. „Ich finde, dass man sich auch im Kleinen mit den großen Dingen beschäftigen muss.“

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