Flächendiskussion

Bürgerinitiative: Fischlaker Mark soll Ackerland bleiben

Übervolles Haus in den Domstuben: 200 Plätze reichten nicht aus, so groß war die Resonanz auf die Einladung der Bürgerinitiative „Fischlaker Mark“.

Übervolles Haus in den Domstuben: 200 Plätze reichten nicht aus, so groß war die Resonanz auf die Einladung der Bürgerinitiative „Fischlaker Mark“.

Foto: Socrates Tassos/FUNKE Foto Servi

Essen-Werden/Fischlaken.   Beate Viehausen und ihren Kindern gehört ein Großteil der Fläche. Verkaufen will sie nicht. Die Pläne der Stadt für eine Bebauung hätten sich damit wohl erledigt. Bürgerinitiative macht dennoch weiter mobil.

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Es ist der Moment, als unter den rund 300 Anwesenden im völlig überfüllten Saal der „Domstuben“ Applaus aufbrandet: Beate Viehausen erklärt, sie habe nicht die Absicht zu verkaufen. Bis auf eine kleinere Fläche am Rande der Fischlaker Mark gehöre ihr und ihren Kindern der Großteil der Freifläche, welche die städtische Planungsverwaltung ins Auge gefasst hat, um darauf Flüchtlingsunterkünfte zu bauen.

Bleibt Beate Viehausen bei ihrem Nein, hätten sich diese Pläne erledigt. Die Bürgerinitiative „Fischlaker Mark“, die in an diesem Dienstagabend in die „Domstuben“ nach Werden eingeladen hat, um gegen das Vorhaben mobil zu machen und die überwältigt ist von der Resonanz der Bürgerschaft, könnte ihre Arbeit getrost einstellen. Silvia Strecker und ihre Mitstreiter werden es nicht tun, verspricht die Sprecherin der BI. Nicht, weil sie fürchten, die Viehausens könnten schwach werden bei einem in finanzieller Hinsicht „unmoralischen Angebot“ der Stadt, wie es ein Zuhörer formuliert.

Sondern, weil die Bürgerinitiative dem Braten nicht traut. Noch prüft die Verwaltung, aber die Eigentumsverhältnisse und der lautstarke Protest, der sich seit Bekanntwerden der Pläne in Werden und Fischlaken Bahn bricht, mögen dafür sprechen, dass die Fischlaker Mark bei der Suche nach geeigneten Flächen tatsächlich durchs Raster fällt. In Reihen der Politik hält das mancher für wahrscheinlich. Silvia Strecker hält dagegen: Die Bürgerinitiative fürchtet, dass die Fischlaker Mark schon in wenigen Monaten wieder in der Verlosung sein könnte, sollte der Zustrom an Flüchtlingen unvermindert anhalten und für weitere Unterkünfte wieder Flächen her müssen.

Bebauungsplanverfahren weiterhin erforderlich

Wut und Misstrauen gegenüber der Stadtverwaltung sind groß. Das wird schnell deutlich an diesem Abend, an dem sonst von Flüchtlingen nur selten die Rede ist. Der Verwaltung, allen voran Planungsdezernent Hans-Jürgen Best, wird unterstellt, die Unterbringung von Asylsuchenden diene der Stadt lediglich als Vorwand, um auf diesem Weg günstiges Bauland zu erschließen, quasi durch die Hintertür. 40 Jahre erfolgreicher Grünplanung würde die Stadt damit preisgeben, beklagte Peter Volkmer mit brüchiger Stimme; auch der ehemalige Leiter des Grünflächenamtes engagiert sich gegen eine Bebauung.

Das Baurecht, das erst jüngst geändert wurde – auch, um den Bau von Flüchtlingsunterkünften im Außenbereich zu ermöglichen – gäbe das nicht her. Um die Fischlaker Mark oder andere Landschaftsschutzgebiet für eine Wohnbebauung zu erschließen, bliebe nach wie vor ein Bebauungsplanverfahren erforderlich – mit all seinen Abwägungen, die der Gesetzgeber dabei vorsieht, auch den Schutz der Landschaft. Doch einmal mit Flüchtlingsunterkünften bebaut, wäre die Schutzwürdigkeit schnell dahin, fürchtet die Bürgerinitiative. Und warum sollte die Stadt Millionen ausgeben, um unbebaute Landschaft zu erschließen, wenn die Asylunterkünfte nur einige wenige Jahre stehen sollen? Diese Frage stellen sich Bürger nicht nur in Fischlaken.

BI-Vertreter versichern sich gegenseitig ihre Solidarität

Auch Vertreter anderer Bürgerinitiativen sind an diesem Abend nach Werden gekommen, aus Leithe und von der Mecklenbeckswiese aus Horst. Sie teilen Sorgen und Argumente. Ihre Forderung: Keine Bebauung von Landschaftsschutzgebieten. Diese Forderung wollen sie durchsetzen, wenn es sein muss vor Gericht oder mit Hilfe eines Bürgerbegehrens. Immer wieder fällt dieses Wort. Auch von einem Demonstrationszug durch die Innenstadt ist die Rede. „Es geht nicht nur um die Fischlaker Mark“, sagt BI-Sprecherin Silvia Strecker. Gegenseitig versichern sich BI-Vertreter ihre Solidarität. Was das wert ist, wird man sehen, wenn die Verwaltung kommende Woche das Ergebnis ihre Flächen-Prüfung vorlegt.

Über die Tische wird derweil eine Kasse gereicht. Die Bürgerinitiative Fischlaker Markt sammelt Geld, um – wenn nötig – einen Fachanwalt hinzuzuziehen. Sie will vorbereitet sein für den Fall der Fälle.

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