Integratives Tanzen

Bei Tanzmoto in Essen-Kettwig tanzen auch Rollstuhlfahrer

Im Tanzstudio Tanzmoto: Trainer Mohan C. Thomas tanzt die Figuren vor, Johanna Keller (von links), Greta Wessling, Mia Stark, Fabian Dirla und Lena Stark machen mit.

Im Tanzstudio Tanzmoto: Trainer Mohan C. Thomas tanzt die Figuren vor, Johanna Keller (von links), Greta Wessling, Mia Stark, Fabian Dirla und Lena Stark machen mit.

Foto: Ulrich Bangert

Essen-Kettwig.  In der Tanzmoto Dance Company in Kettwig tanzen Menschen mit und ohne Handicap miteinander. Im Ruhrgebiet gibt es kein vergleichbares Angebot.

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Die Tanzschule Tanzmoto bietet Tanzkurse für Menschen mit und ohne Rollstuhl. Choreograph und Tanzpädagoge Mohan C. Thomas möchte mit diesem Angebot auf die Problematik der Rollstuhlfahrer aufmerksam machen. „Mit dem gemischten Tanzkurs aus Menschen mit und ohne Rollstuhl können wir enttabuisieren und Vorurteilen gegenwirken“, so der 43-Jährige.

Entstanden ist das spezielle Angebot, als Mohan C. Thomas ein Tanzprojekt an einer Dortmunder Schule leitete. Dort sprach ihn Fabian Dirla, 46, selbst Teilnehmer des Tanzkurses, an und fragte ihn, ob er sich auch ein Projekt mit Rollstuhlfahrern vorstellen könne. Das war der Startschuss für das erste Projekt „On a Roll“, welches 2013 in der Lichtburg aufgeführt wurde.

Es gibt positive Wirkung bei Erkrankungen

Im Anschluss wollten alle Teilnehmer der ersten Produktion weiter machen. Auch die 37-jährige Marion Schneider tanzt seit 2013 bei Tanzmoto. Zuvor suchte sie vier Jahre nach einem künstlerischen Tanzangebot. Die Düsseldorferin leidet an einer Tetraspastik, die beide Arme und beide Beine lähmt. Der Tanzkurs ist für sie auch eine Art Therapie: „Mohan war der erste, der beide Arme benutzt hat. Seitdem werde ich immer beweglicher.“ Auch die Medikamentierung konnte im Laufe der Jahre verringert werden.

Johanna Keller, 27, findet den Tanzkurs ebenfalls richtig toll: „Mich begeistert, wie Rollstuhlfahrer und Tänzer ohne Rollstuhl sich ergänzen.“ Die Erzieherin leidet an einer inkompletten Querschnittlähmung infolge einer Krebserkrankung mit elf Monaten, die Metastasen bis in den Rückenmarkskanal streute. Dennoch sagt sie: „Beim Tanzen kann ich mein Handicap als Stärke ausarbeiten. Das ist schon was Besonderes.“ Wie fast alle Teilnehmer nimmt auch Johanna Keller einen weiten Anfahrtsweg in Kauf, da es kein Vergleichsangebot im Ruhrgebiet gibt. Die 27-jährige fährt extra von Recklinghausen zum Tanzen nach Essen.

Ein spezielles Kurs-Angebot für Kinder

Neben dem Rolli-Dance gibt es bei Tanzmoto auch einen Kurs für Kinder. Bei den Rolli-Kids lernen schon die kleinsten, wie man sich im Rollstuhl ausdrücken kann. Vor allem Fabian Dirla, der beruflich in der Rollstuhlbranche arbeitet, nutzt seine Kontakte und wirbt für die Rolli-Kids.

Mohan Thomas freut sich, dass das Interesse am Rolli-Dance steigt: „Inzwischen gibt es sogar in meinen anderen Tanzkursen Teilnehmer, die auch am Rolli-Dance teilnehmen möchten.“ Der Choreograph sieht das Angebot, „nicht als Wettbewerb oder Sport, sondern als Kunstform.“

Barrierefreier Zugang für Tanzstudio

Jahrelang mussten sich die Rollstuhlfahrer die lästigen Treppenstufen zur Tanzschule, die in einer alten Ballettschule ist, hoch und runter kämpfen. Thomas suchte daher nach einer Lösung. Seit diesem Herbst gibt es, dank zahlreicher Spenden, endlich einen neuen barrierefreien Zugang mit modernem Lift.

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