Kloster Schuir

Ausstellung zeigt Flüchtlingsbilder im Kloster Schuir

Der Werdener Fotograf Michael Radermacher hat 2017 die ersten Flüchtlinge fotografiert, die ins Kloster Schuir kamen. Jetzt zeigt er die Bilder im Rahmen einer Ausstellung.

Foto: STEFAN AREND

Der Werdener Fotograf Michael Radermacher hat 2017 die ersten Flüchtlinge fotografiert, die ins Kloster Schuir kamen. Jetzt zeigt er die Bilder im Rahmen einer Ausstellung. Foto: STEFAN AREND

essen-Schuir.   2017 zogen die ersten Flüchtlinge ins Kloster Schuir ein. Damals machte der Werdener Fotograf Michael Radermacher Porträts.

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Das frühere Kloster der Barmherzigen Schwestern von der heiligen Elisabeth in Schuir bietet seit Sommer 2017 Flüchtlingen eine Bleibe. Nun wird hinter den dicken Klostermauern eine Ausstellung des Werdener Fotografen Michael Radermacher eröffnet: Im Herbst 2017 entstanden Porträts von Menschen aus zehn verschiedenen Ländern wie Eritrea, Mazedonien, Irak. Ein Querschnitt der Bewohner des Übergangswohnheims. Sehr zurückgenommene schwarz-weiße Aufnahmen, mit viel Empathie.

Die Bilder sind hochwertig gedruckt, erstklassig gerahmt und gehängt. So setzt diese Ausstellung zugleich ein Zeichen der Wertschätzung für diese Menschen, die aus ihrer Heimat flohen.

Für Radermacher ein bewegender Moment

Ein bewegender Moment: Würdevoll schreitet eine ältere Dame herein. Sie hat sich eigens in ihre weiße, festliche Tracht geworfen. Caritas-Mitarbeiterin Hayat Mohammad übersetzt aus dem Kurdischen: „Sie ist Jesidin, diese Tracht wird eigentlich nur angezogen für eine Wallfahrt ins nordirakische Lalisch-Tal zum wichtigsten Heiligtum.“

Michael Radermacher ist gerührt: „Es war mir eine große Freude, dass ich Sie fotografieren durfte.“ Er hat zu ihr und ihrer Familie eine besondere Beziehung: „Ihr Enkel Khalaf hat immer im Hof auf mich gewartet. Dann durfte er ausgiebig meinen Wagen inspizieren und Autofahren spielen.“ Später nahm Radermacher den kleinen Khalaf sowie dessen Geschwister Sabhan und Jolian mit auf Spritztouren: „Nach Werden, auf den Spielplatz oder zum Eis essen.“

Er hält Kontakt zu den Ordensschwestern

Jetzt, da der Orden das Kloster in Schuir aufgegeben hat und in modernen zweckmäßigeren Bauten in Schönebeck lebt, ist Radermacher so etwas wie der berittene Bote: „Die Schwestern sind ja schon älter, schaffen es nicht mehr bis nach Schuir. Ein Besuch wäre vielleicht auch zu schmerzhaft. Daher habe ich ihnen Fotos gemacht, wie ihre alte Heimat jetzt ausschaut. Und ich berichte.“ So konnte Radermacher Sorgen nehmen: „Sie sind hocherfreut, dass ihr Kloster in gute Hände gekommen ist.“

Zurzeit leben 115 Bewohner im Kloster Schuir, ganz andere Dimensionen wären jedoch denkbar. Das Haus bietet immerhin rund 500 Plätze. Leiter des Übergangswohnheims ist Claas Jörges: „Wir hatten bis vor kurzem noch deutlich mehr Bewohner. Aber viele sind nun in eine eigene Wohnung gezogen.“ Diese neue Heimat dürfte allerdings weit weg sein vom ländlich-friedlichen Schuir.

Stadt hat das Kloster bis 2032 angemietet

Caritasdirektor Björn Enno Hermans macht aus seinem Herzen keine Mördergrube: „Die Lage bereitete uns zunächst schon Bauchschmerzen. 2015 hatte ich noch abgelehnt. Zu abgelegen. Kann das Haus überhaupt die Anforderungen erfüllen? Wir haben lange mit uns gerungen, bis wir unseren Hut in den Ring geworfen haben.“ Eine gute Entscheidung, denn nun ist es so etwas wie eine Paradeeinrichtung geworden. Die Stadt hat das alte Kloster bis 2032 angemietet.

Im Kloster wurde ein Fotostudio eingerichtet und Bewohner angesprochen. Nur wenige spontane Zusagen, viele zierten sich. Doch nach und nach wuchs das Vertrauen in den Künstler und seine Arbeit: „Viele tauten förmlich auf und wurden geradezu redselig.“ Und irgendwann stand plötzlich Besar in der Tür und wollte auch abgelichtet werden. In ihrer Festtracht. Was wundert es, dass Radermacher für den Bildband der Ausstellung als Titelfoto ihr Konterfei gewählt hat.

Am Sonntag wird die Ausstellung durch Oberbürgermeister Thomas Kufen im kleinen Kreis eröffnet – sie soll aber zukünftig der Öffentlichkeit offen stehen.

Ausstellung ist an vier Sonntag zu sehen

An vier Sonntagen können das Kloster am Schuirweg 107 und die Ausstellung von 14 bis 15 Uhr besucht werden. Das sind der 1 8. und 27. März, der 8. und 15. April. Danach soll die Ausstellung mindestens einmal im Monat zu besichtigen sein.

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