Kinderheim

Kettwig: Frühere Heimleiterin empört über kirchliche Willkür

Gudrun Gerschermann (r.) übergab im September 2018 die Leitung des Kinderheims St. Josefshaus in Essen-Kettwig an Daniela Westmeyer (l.).

Gudrun Gerschermann (r.) übergab im September 2018 die Leitung des Kinderheims St. Josefshaus in Essen-Kettwig an Daniela Westmeyer (l.).

Foto: Jörg Schimmel / FFS

Essen-Kettwig.  Zum Eklat im Kinderheim Kettwig meldet sich die frühere Leiterin zu Wort. Sie befürchtet Schaden für die Kinder – und spricht offen von Willkür.

Als unfachlich, unmenschlich, gegen alle Regeln des christlichen Miteinanders, ehrabschneidend und letztlich als willkürlichen Machtmissbrauch bezeichnet Gudrun Gerschermann den Rauswurf der Kinderheimleiterin und Geschäftsführerin der Kinder- und Jugendhilfe St. Peter gGmbH, Daniela Westmeyer.

Sie selbst hatte diese beiden Ämter bis 2018 inne. Empörung und Wut über den Umgang mit ihrer Nachfolgerin empfindet sie und hat große Sorge um das Wohl der betroffenen Kinder und Jugendlichen. Diese Art der Trennung und Konfliktlösung gehe zu deren Lasten.

Kinder könnten mit Aggressivität oder Depression reagieren

„Sie kommen in allergrößter Not zu uns in diese Jugendhilfe-Einrichtung, haben ungelöste Konflikte genug erlebt, sind heimatlos haben Willkür und Gewalt erlebt, und suchen Sicherheit und Verlässlichkeit – und dann passiert völlig unvermittelt so etwas.“ Die Heimleiterin, der die Kinder, Jugendlichen und Mitarbeiter Vertrauen entgegen bringen wollen und meistens auch tun, werde ohne jede Vorwarnung gekündigt und des Hauses verwiesen.

Das sei genau das, was den Kindern schade und zu Unsicherheit führe. „Sie können Symptome wie Rückzug und Depressivität zeigen. Manche reagieren aggressiv.“ Das sei für die Mitarbeiter eine schwierige Aufgabe. „Ich kenne noch viele von ihnen aus meiner eigenen Zeit und hoffe sehr, dass die Kinder und Jugendlichen sich von ihren Pädagogen weiterhin unterstützt fühlen.“

Ehemalige Heimleiterin spricht von ungelösten Konflikten mit dem Kirchenvorstand

Außerdem empört es sie, dass jetzt ein Kirchenvorstand, das heißt Gesellschafter, „durchregiere“, der die Arbeit im vollstationären Kinder- und Jugendhilfebereich nicht einschätzen und damit auch nicht delegieren könne.

Es habe auch zu ihrer Amtszeit Konflikte gegeben, insbesondere mit dem Pfarrer, erklärt Gudrun Gerschermann im Gespräch mit der Redaktion. „Er hat sich mir gegenüber aber nicht so etwas getraut wie gegenüber Frau Westmeyer.“ Dennoch ärgere sie sich angesichts der jetzigen Lage über sich selbst, „dass ich diese Konflikte letztlich nicht mehr so ausgefochten habe, wie es nötig gewesen wäre“. So habe ihre Nachfolgerin dies übernommen – und willkürlichen Machtmissbrauch erlebt.

Kindergärten massiv betroffen durch die Abberufung der Geschäftsführerin

Auch die Kindergärten seien massiv betroffen durch die Entscheidung. „Es sind zwei große anerkannte Kitas in freier Trägerschaft, habe ich gedacht, als wir die Kinder- und Jugendhilfe St. Peter gGmbH 2004 gegründet haben.“ Diese würden jetzt mit einem Geschäftsführer arbeiten, „der weder die pädagogische Arbeit noch die Refinanzierung und auch nicht fachlich die Aufsicht führen kann – das alles bei relativ unterfinanzierten Kitas und in sowieso schwieriger Coronazeit.“

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