Kultur und Bildung

Keine Kooperation der Musikschulen in Essen und Oberhausen

Große Klasse schon in jungen Jahren: Deborah Berliku und Michael Koshevatskiy sind nur zwei von rund 12 000 Talenten an der Folkwang Musikschule. Foto:Ulrich von Born

Große Klasse schon in jungen Jahren: Deborah Berliku und Michael Koshevatskiy sind nur zwei von rund 12 000 Talenten an der Folkwang Musikschule. Foto:Ulrich von Born

Essen.   Die geplante Zusammenarbeit zwischen den Musikschulen in Essen und Oberhausen ist geplatzt. Nun sucht Essen dringend einen neuen Instituts-Chef.

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„Wer Musikschulen schließt, der gefährdet die innere Sicherheit“, warnte einst ein Innenminister namens Otto Schily. So pathetisch würde das heute wohl keiner mehr formulieren. Doch der Satz lässt durchklingen, wie viel Aufregungspotenzial immer noch in der Erhaltung und Ausgestaltung von Musikschulen steckt. Entsprechend hellhörig reagierten viele Beteiligte auch auf die Nachricht von der geplanten interkulturellen Zusammenarbeit der Musikschulen in Essen und Oberhausen.

„Die Herausforderungen machen nicht an Stadtgrenzen Halt“

Doch wie so oft, wenn es um die viel beschworenen Synergien geht, bleibt am Ende eines von der Politik bis zur Stadtspitze durchaus wohlwollend begleiteten Prozesses nicht mehr als eine bedauernde Erkenntnis: „Wir haben einfach nicht zusammengepasst“, sagt Oberhausens Kulturdezernent Apostolos Tsalastras. Und sein Essener Amtskollege Andreas Bomheuer kann sich immerhin damit trösten: „Die Selbstreflexion durch den Prüfantrag war ein guter Prozess, um Erkenntnisse für die zukünftige Arbeit zu gewinnen.“

Für Bomheuer ist die Frage der Zusammenarbeit nämlich noch lange nicht ad acta gelegt. „Die Herausforderungen werden bleiben, und sie machen nicht an Stadtgrenzen Halt“, sagt der Dezernent. Gesellschaftliche Veränderungen wie die drastisch abnehmende Freizeit von Schülern durch die Ganztagsoffensive, der Umgang mit einer zunehmend bunten aber auch älter werdenden Gesellschaft, aber auch die Nachfrage nach seltenen Instrumenten versteht Bomheuer als Herausforderungen, die nur in Kooperation mit anderen Kommunen zu beantworten seien.

Dass diese Veränderungen allerdings kaum im Hauruck-Verfahren einzuleiten sind, hat das jetzt beendete Prüfverfahren ergeben. Dass die strukturellen, inhaltlich-fachlichen wie finanziellen Unterschiede beider Musikschulen überwiegen, war nach einigen Arbeitssitzungen bald ausgemacht. Dazu kommt eine komplett unterschiedliche Organisationsstruktur, die nur mit unvertretbar hohem Aufwand auszugleichen gewesen wäre und so nur einen Schluss zuließ: „Eine Institutsleitung für beide Häuser ist aus heutiger Sicht nicht umsetzbar.“

In Oberhausen bleibt damit alles beim Alten. Volker Buchloh wird die dortige Musikschule weiter leiten und daneben Leiter des Kulturbüros bleiben. In Essen aber droht die Vakanz auf dem Chefsessel der Folkwang Musikschule nach dem Ausscheiden von Christian de Witt im Sommer 2016 bald ins zweite Jahr zu gehen. Das Bewerbungsverfahren war beendet worden, nachdem man Buchloh als möglichen Leiter der beiden Musikschulen ausgemacht hatte.

Nun soll die neue Ausschreibung schnellstmöglich auf den Weg gebracht werden. Ob sich mancher Interessent von den vorausgegangenen Debatten womöglich abgeschreckt fühlen könnte, sei dahingestellt. „Die man verprellt hat, wird man nun klug wieder zurück ins Boot holen müssen“, sagt Christian de Witt. Wer auch immer den Posten übernimmt: „Die Zusammenarbeit beider Musikschulen sollte ein zukünftiger Auftrag sein“, wünscht sich Bomheuer.

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