Comedy

Kaya Yanar beklagt: „Ich werde so ein Mecker-Opa“

„Ausrasten für Anfänger“ heißt das aktuelle Programm von Kaya Yanar.

„Ausrasten für Anfänger“ heißt das aktuelle Programm von Kaya Yanar.

Foto: Lena Marie Reichmann / FUNKE Foto Services

Essen.  Comedian Kaya Yanar redet in seinem neuen Programm übers „Ausrasten“. Auch das Publikum in der Grugahalle darf mal so richtig auf die Palme gehen

Fast 20 Jahre ist es bald her, da lief zum ersten Mal Kaya Yanars „Was guckst du?!“ auf der Mattscheibe. Der Sohn türkischer Migranten eröffnet in seinen Sketchen einen Kosmos, den ausschließlich Stereotype bevölkerten: Da war Yildirim, der mit seiner türkischen Familie eine Fahrschule betrieb. Da war ein griechischer Tänzer, der Sirtaki-Mann. Und da war schließlich Hakan, ein aggressiver Türsteher, der den Disco-Gästen diesen einen Satz vor brummte: „Ey, du kommst hier net rein!“

Unnachahmliche Grimassenshows erscheinen auf den Leinwänden

Kaya Yanar schlüpfte selbst in all diese Rollen. Und die Klischees verschiedener Nationalitäten zu Klamauk und Sketchen zu verpacken, ohne dass es diskriminierend erscheint, gehört bis heute zu seinem Repertoire. Wie Yanar bei seinem Tournee-Auftritt in der bestens besuchten Grugahalle beweist: Egal, ob der Comedian das gebrochene Deutsch seines Vaters, einem Gastarbeiter der ersten Stunde, nachahmt oder etwa ein Telefonat mit einer thailändischen Masseurin. Yanar arbeitet weniger mit klassischen Pointen, er schlüpft einfach in die stereotypen Rollen. Hinzu kommt das Stimmenspiel mit den Sprachakzenten oder diese unnachahmlichen Grimassenshows, die auf den Leinwänden erscheinen.

Sein Facebook-Profil wird in der Pause zum Kummerkasten

Dieser Mix lässt am Donnerstag die Grugahalle beben, der Andrang ist groß. Tags zuvor sollte der Entertainer eigentlich im Duisburger Theater am Marientor auftreten. Bis im wegen der Probe für das Musical „Wallace“ abgesagt wurde. „Unnötig“, befand der Komiker diese Absage. Denn der Premierentermin von „Wallace“ wurde inzwischen mehrfach verschoben, die Duisburger Yanar-Fans aber waren bitter enttäuscht. Für manche ein Grund zum „Ausrasten“.

„Ausrasten für Anfänger“ heißt auch seine aktuelle Show. Motive, die einen auf die Palme bringen, wollte Yanar auch von seinem Publikum wissen. Sein Facebook-Profil fungierte daher in der Pause als Kummerkasten. Und was sich die Fans da von der Seele tippten, schnürte der Comedian zu einer zotigen Improvisationsshow. Auch wenn ihn manche Beschwerden sichtlich irritieren. Die Liste reichte von zu „kleinen Bierbechern“ in der Gruga, über trödelnde Fußgänger auf Weihnachtsmärkten bis hin zu den Blähungen des Partners. Kayas Kommentar: „Ihr braucht eine Therapie“.

Kaya Yanar: „In mir steckt ein dicker Mann, der will raus“

Dabei redete sich auch der gebürtige Frankfurter so manche Dinge von der Seele. Ein „Ausraster“-Motiv: Heidi Klums erfolgreiches TV-Format. „Ich hasse Germanys Next Essstörung“, schimpfte der Wahl-Züricher. „So viele Mädchen wachsen mit diesen Schönheitsidealen auf.“ Doch Kayas Klagen drehen sich auch um das Älterwerden. Das beginne beim Kopf: „Oben fallen die Haare aus und wachsen verstärkt aus der Nase.“ Und endet beim Bauch: „In mir steckt ein dicker Mann, der will raus.“ Hinzu kämen: komplizierte Technik, abgedroschene Blockbuster und dann auch noch schmatzende Popcorn-Konsumenten im Kino. „Ich bin wirklich überfordert“, verrät der mittlerweile 46-Jährige. „Ich werde so ein Mecker-Opa.“ Und diesen mimt Yanar auf der Bühne mit Bravour wie einen neu entdeckten Stereotyp. Eben zum weglachen.

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