Einzelhandel

Kauf-Sonntag: Verdi schiebt Stadt Essen Schwarzen Peter zu

Alle Blütenträume von klingelnden Kassen an einem verkaufsoffenen Sonntag waren vergebens. Die Läden blieben dicht – und der Besuch in der Budengasse des „Frühlingsmarktes“ am Willy-Brandt-Platz größtenteils sehr überschaubar.    

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Alle Blütenträume von klingelnden Kassen an einem verkaufsoffenen Sonntag waren vergebens. Die Läden blieben dicht – und der Besuch in der Budengasse des „Frühlingsmarktes“ am Willy-Brandt-Platz größtenteils sehr überschaubar.   Foto: wk

Essen.   Die Stadt habe bei der Vorbereitung des verkaufsoffenen Sonntags ihre „Hausaufgaben nicht gemacht“. Kurzfristige Klage sei „keine Nickeligkeit“.

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Wer drei Teile kauft, kriegt 30 Prozent Rabatt: Selbst der Erotik-Shop muss den Frühlingsgefühlen dieser Tage augenscheinlich nachhelfen. Wie viel mehr der City-Einzelhandel, der sich auf ein gutes Geschäft am verkaufsoffenen Sonntag gefreut hatte und am Freitagabend zur Tagesschauzeit erfuhr, dass daraus nichts wird: Verdi und Verwaltungsrichter hatten das Shopping-Ereignis auf den letzten Drücker gekippt.

Die Reaktionen fallen entsprechend harsch aus. „Das ist für uns alle schon echt eine Frechheit“, ärgert sich etwa Alexandra Wagner, Center-Managerin im Einkaufszentrum Limbecker Platz: Kurz vor der Angst Klage einzureichen und so eine Entscheidung in letzter Minute zu provozieren – „da muss man schon an Böswilligkeit denken“, sagt Wagner und fragt sich mit Blick auf die Dienstleistungsgewerkschaft, „ob da wirklich der Arbeitnehmer im Fokus steht“.

„Die Stadt Essen hat es drauf ankommen lassen“

„Vertrauen wächst dadurch sicher nicht“, seufzt auch Kaufhof-Geschäftsführer Michael Langer, der jenen „Essener Frühlingsmarkt“ direkt vor seiner Ladentüre weiß, mit dem der verkaufsoffene Sonntag begründet wurde, und der ihm einen guten Tagesumsatz hätte bescheren können. Statt Groll überwiegt bei Langer die Enttäuschung: „Man wünscht sich schon eine andere Form der Zusammenarbeit. So hat das ein ziemliches Geschmäckle.“

Weshalb Henrike Eickhold, die kommissarische Bezirksgeschäftsführerin von Verdi, sich beeilt. zu betonen, „dass das sicher keine Nickeligkeit von uns war“. Sondern? Der Versuch, auf juristischem Wege durchzusetzen, was man durch gutes Zureden nicht habe durchsetzen können, sagt Verdi. Man habe schon vor Wochen sehr deutlich gemacht, dass ein bisschen Budenzauber auf dem Willy-Brandt-Platz kein gutes Argument biete, um gleich die komplette City fünf Stunden zum Sonntagsverkauf zu öffnen. „Die Stadt Essen hat es drauf ankommen lassen“ und eine Niederlage mit Ansage kassiert: „Wir sind doch nicht dafür da, zu prüfen, ob Gesetze eingehalten werden. Ich hätte mir gewünscht, dass die Stadt ihre Hausaufgaben macht.“

„Erstaunt, dass es doch nicht klappt“

Hat sie nicht? Dieter Groppe widerspricht: „Wir waren sehr hoffnungsvoll, dass Münster der Stadt Recht gibt“, so der Geschäftsführer der Essen Marketing-Gesellschaft. Dies, zumal man im Vorfeld all jene Bedingungen erfüllt glaubte, die Richter des dortigen Oberverwaltungsgerichts bei einer Anhörung vor einem Jahr der Politik präsentierten. „Umso erstaunter war ich, dass es doch nicht klappt.“

Ärgerlich, weil tausende Euro, die man in die Werbung gesteckt hat, für die Katz waren. Der Frühlingsmarkt kam trotz prima Wetter an diesem Sonntag nicht zur vollen Blüte, und ob das bei nächster Gelegenheit anders wird – Center-Managerin Alexandra Wagner hat längst eine Verunsicherung in der Kundschaft ausgemacht. Und sieht sich selbst „in Habachtstellung“: „Um einen verkaufsoffenen Sonntag zum Erfolg zu machen, muss man werben. Aber das traut man sich ja gar nicht.“

>>VIER WEITERE KAUF-SONNTAGE EINGEPLANT

Anders als in der Innenstadt durften die Einzelhändler in Altenessen und Werden gestern ihre Ladentüren öffnen.


Vom Rat bereits beschlossen sind vier weitere verkaufsoffene Sonntage: am 29. April in Steele und Kettwig, am 6. Mai in Borbeck, am 3. Juni in Steele und am 26. August in Heisingen.

Ob Verdi einen dieser Termine verhindern will, ist noch offen.

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