Für Toleranz

Karneval: Schwule, Lesben und Heteros feiern „Lila Sitzung“

Ausgelassene Feier mit gutem Gedanken: Bei der „Lila Sitzung“ feierten Schwule, Lesbische und Heteros gemeinsam Karneval in der Weststadthalle.

Ausgelassene Feier mit gutem Gedanken: Bei der „Lila Sitzung“ feierten Schwule, Lesbische und Heteros gemeinsam Karneval in der Weststadthalle.

Foto: Stefan Arend

Essen.  Bei der „Lila Sitzung“ feiern Homo- und Heterosexuelle gemeinsam Karneval. Vor 13 Jahren fing alles mit einem einzigen schwulen Pärchen an.

So bunt wie möglich sollte es zugehen beim Karneval – die KG Rot-Grün setzt dafür bei ihrer „Lila Sitzung“ wohl ganz neue Maßstäbe. Bereits zum 13. Mal brachten die Jecken aus Kupferdreh ihre in närrischen Kreisen berühmt-berüchtigte Galaveranstaltung für Schwule und Lesben an den Start – oder wie Sitzungspräsident Bernd Segschneider es formulierte: „Für die ganz Verzauberten...“

Auf eine lange Tradition kann die „Lila Sitzung“ bereits zurückblicken, wie Manfred Geldmacher, Vorsitzender der KG Rot-Grün, nicht ohne Stolz berichtet: „Angefangen hat alles, als wir erstmals ein schwules Pärchen bei uns im Verein hatten.“ Herren- und Damensitzungen gab es wie in den meisten Karnevalsvereinen auch bei der KG Rot-Grün – „da kamen wir auf die Idee, einfach auch eine schwule Sitzung ins Leben zu rufen.“

700 Gäste in der Essener Weststadthalle

Die „Lila Sitzung“ ist seitdem eine geschützte Wortmarke der KG Rot-Grün – denn wenn es um Nachahmungen geht, verstehen selbst Narren keinen Spaß. Auf das liebgewonnene und äußerst erfolgreiche Alleinstellungsmerkmal möchte man ganz sicher nicht mehr verzichten: „Nicht umsonst ist die Lila Sitzung unsere größte Veranstaltung in der Session“.

Ganze 700 Gäste zog es – natürlich mit möglichst origineller Verkleidung – in die Weststadthalle, wo pünktlich um 19.11 Uhr die „Rosa Funken“ aus Köln den Jecken einheizten. Ihre Uniformen sind stilecht in rosa Lack und schwarzem Leder gehalten: die inoffiziellen Könige des schwulen kölschen Karnevals lieben das Klischee. Auch das richtige Grüßen beim schwulen Karneval erklären die Paradiesvögel ausführlich – besonders für die zahlreichen „uneingeweihten“ heterosexuellen Gäste. Statt „Helau“ sagt man „Aloha“ und winkelt dazu den Arm zum „Teekännchen“ an.

Die „Flotten Socken“ berühren bei ihrem Auftritt

Toleranz und ein selbstverständliches Miteinander haben sich die Veranstalter auch im Hinblick auf eine andere Zielgruppe auf die Fahne geschrieben – so ist die „Lila Sitzung“ auch behindertenfreundlich. Karneval im Rollstuhl? Warum nicht! Und dass das Sehvermögen gar nicht so wichtig ist, wenn man ausgelassen feiern kann, beweist eine blinde Elfe, die mit einem Stock durch den Saal schwebt und nur ab und zu zusammenzuckt, wenn eine der Konfetti-Kanonen gezündet wird.

Ein berührender Höhepunkt ist der Auftritt der „Flotten Socken“ – die Tanzgruppe aus geistig behinderten Menschen begeistert mit purer Lebensfreude und Energie. Zwei Zugaben fordert das Publikum daher völlig zurecht ein. „Die Flotten Socken rühren manche Gäste zu Tränen, es ist einfach toll, den Spaß der Tänzer zu spüren. Hier bekommen sie eine Bühne, die ihnen sonst im Alltag oft nicht gewährt wird“, kommentiert Manfred Geldmacher. Nein, gewöhnlich ist die „Lila Sitzung“ nun wirklich nicht. Und vielleicht ist genau das der Grund, weshalb die ersten Karte für das nächste Jahr schon verkauft sind.

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