Freie Schule Katernberg

Kampfsport Boxen macht Katernberger Kinder fürs Leben stark

Eine schlagkräftige Gemeinschaft: Trainer Andreas Zudek mit seinen Schützlingen beim Training in der Freien Schule Katernberg.

Eine schlagkräftige Gemeinschaft: Trainer Andreas Zudek mit seinen Schützlingen beim Training in der Freien Schule Katernberg.

Foto: Socrates Tassos

Katernberg.  Trainer Andreas Zurek übt jede Woche in Freier Schule mit Jungen und Mädchen. Konzentration und Reaktionsvermögen wachsen, Aggressionen nehmen ab.

Boxen steigert das Selbstbewusstsein, fördert Disziplin, Konzentration und Reaktionsvermögen. Und es stärkt soziale Kompetenzen. Das jedenfalls zeigt das wöchentliche Training des Vereins Freie Schule an der Schalker Straße in Katernberg. Trainer Andreas Zurek (54) steigt freitags eine Stunde lang mit Kindern aus armen, benachteiligten Familien in den Ring.

Habib (11), Dusko (12) und Aiyas (9) schauen konzentriert auf die Wand mit dem großen Spiegel. Eigentlich wollten sie mit Handschuhen am Sandsack boxen. Zurek winkt ab. „Wenn man falsch haut, wird man nie boxen lernen“, erklärt er den eifrigen Anfängern. Die feilen weiter an der Koordination der Schritte und Schläge. „Der vordere Fuß ist das Spiel-, der hintere das Druckbein.“ Zurek macht es vor. „Eins, zwei, drei, stehen, eins, zwei, drei, vor und zurück!“ Es sieht so einfach aus. „Vernünftig hinstellen, Füße etwas breiter“, ermahnt er die Jungs. „Deckung höher“, rät er Habib. Der Schüler hebt sofort die Hände an.

Viele Kinder sind sozial und finanziell benachteiligt

Martina Morzonek-Kolberg freut sich über das neueste Sportangebot im Hause. Die Diplom-Pädagogin leitet die im Jahr 1975 gegründete Kinder- und Jugendeinrichtung. Fünf Mitarbeiter stehen ihr zur Seite. „Viele Kinder hier sind sozial und finanziell benachteiligt“, sagt sie.

Cathy Jean Satorius (17) boxt seit 2012 und trainiert seit 2016 bei Zurek im ESC Rellinghausen. Freitags von 18 bis 19 Uhr ist die Junior-Meisterin von 2017 in der Freien Schule. Nach dem Aufwärmen will sie Arme und Schultern mit den Hanteln stählen. Nicht nur der Trainer ist stolz. Auch Laura Reinholz (8) bewundert die Ältere. Zum Boxen habe sie ihr Bruder gebracht, erzählt sie. „Mein Papa war 14 Jahre Kickbox-Trainer.“ Blitzschnell dreht sie sich zum Vater um und versetzt ihm ein paar Bauchschläge mit der Faust. Unter dem Sweatshirt muss sich ein Sixpack verbergen, so gelassen, wie der den Angriff nimmt. Für Ballett, wie viele Mädchen ihres Alters, hat Laura nichts übrig. Klassischen Tanz findet sie schlichtweg „blöd“.

Blutergüsse zählt Cathy nicht mehr

Blutergüsse zählt Cathy nicht mehr. Einmal habe sie sich selbst ein blaues Auge gehauen. Bei der EM ist sie von einer Gegnerin im Ring gebissen worden. Positiv wirke sich das Boxen auf ihre Schulkarriere aus – trotz vieler Fehlstunden wegen der Wettkämpfe. „An ihr sehen die Kids, was man erreichen kann“, meint Zurek. Ihre Erfolge sind beachtlich, ob bei der EM 2018 mit der Jugend-Nationalmannschaft in Italien oder bei der WM in Budapest.

Was braucht man für den Sieg? „Eine gute Deckung! Und Disziplin und Respekt“, sagt sie. Dies fordert auch Zurek. Hart, aber herzlich leitet er die Gruppe an. „Ich würde hier gern noch mehr Kinder trainieren!“, sagt er. Viele haben Übergewicht, bewegen sich zu wenig. „Aber der Platz in der Halle ist jetzt schon knapp, die Ausstattung bescheiden.“

Kampfsport in der offenen Jugendarbeit

Über gute Erfahrungen mit Kampfsport in der offenen Jugendarbeit berichtet Morzonek-Kolberg. Es klingt paradox: Boxen soll sich bei Anti-Aggressionstrainings bewähren. „Entgegen vieler Vorurteile lernen gerade die Teilnehmer, die mit Gewalt auf Konflikte reagieren, dass sie damit nicht weit kommen.“ Riesenfortschritte im wahrsten Sinne hat Robin (16) gemacht. Der Junge braucht Gehschienen zum Laufen. „Seit er hier boxt, hat sich seine Körperhaltung entscheidend verbessert und er hat ordentlich Muskeln aufgebaut“, so Zurek. Am Ende der Stunde hat auch Dusko die Schlagfolge raus. So profitieren alle.

>>>>>Kinder werden auch über Mittag betreut

Seit 1981, als der Verein Freie Schule als „Kleine Offene Tür“ (KOT) anerkannt wurde, geben Stadt und Land Zuschüsse. Auch Spenden finanzieren die teils kostenfreien Angebote.

Beliebt ist die Übermittagsbetreuung für Sechs- bis 14-Jährige. Weitere Informationen finden sich unter der Internet-Adresse freie-schule-essen.de.

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