Bundestagswahl

Kai Gehring (Grüne) – vom Arbeiterkind zum Polit-Profi

Der Essener Bundestagskandidat Kai Gehring (Grüne) beim Wahlkampf im Uni-Viertel.

Der Essener Bundestagskandidat Kai Gehring (Grüne) beim Wahlkampf im Uni-Viertel.

Essen.  Der Essener Grünen-Politiker kam schon mit 27 Jahren in den Bundestag und war damals einer der jüngsten Abgeordneten der Parlamentsgeschichte. Jetzt ist er 35 und schickt sich dank eines sicheren Listenplatzes erneut an, ein Mandat zu erobern.

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Als er zum ersten Mal in den Bundestag einzieht, zählt er gerade einmal 27 Jahre. Und damit zu den jüngsten Abgeordneten der deutschen Parlamentsgeschichte. Zwei Legislaturperioden und acht Jahre später hat Kai Gehring das blasse Youngster-Image längst abgelegt. Der Essener Grüne schickt sich bereits zum dritten Mal an, einen Sitz im Plenarsaal des Reichstages zu erobern. Aus dem Novizen ist längst ein Routinier geworden.

Dass er das Metier des Berufspolitikers längst aus dem Effeff beherrscht, zeigt er im Wahlkampf. „Als Arbeiterkind“, hebt er beim Kandidaten-Talk der IGBCE an, „als Arbeiterkind weiß ich genau, wie es ist, wenn man Mitte des Monats auf jeden Cent achten muss.“ Mit solchen Pointen kommen Grüne selbst bei konservativen Kohle-Gewerkschaftern gut an.

Aufstieg in der grünen Bundestagsfraktion

Gehring tritt selbstsicher und smart auf, versprüht Charme und Esprit. Wenn er, der Sohn eines Elektrikers und einer Hausfrau, sich als „klassischen Bildungsaufsteiger“ bezeichnet, schwingt auch eine gehörige Portion Stolz mit. Der Stolz, als erster in seiner Familie das Abitur gebaut und eine Universität von innen gesehen zu haben. Fast schon logisch sein Aufstieg in der grünen Bundestagsfraktion. Der Sozialwissenschaftler der Ruhr-Uni fungiert als Sprecher für Bildungs- und Hochschulpolitik.

Um Bildung und Kultur dreht sich auch der „Grüne Stadtspaziergang“, der 60 Neugierige anlockt und zu den Höhepunkten in Gehrings Wahlkampf zählt. Es geht durch die nördliche City, einem Quartier mit vielen Altlasten, aber auch mit immensem Erneuerungspotenzial. Gehring führt die Gruppe vom Atelierhaus zur Kreuzeskirche, vom Generationen-Kulthaus zum Uni-Viertel und von dort zum Unperfekthaus. Eine gute Gelegenheit, den Essener Jungen zu geben, der in Fischlaken und Werden aufgewachsen und seiner Heimat stets treu geblieben ist. Demonstrativ trägt er heute ein schwarzes T-Shirt mit dem Logo „Pottkind“ und schwärmt: „Dies ist eines der spannendsten Quartiere in NRW.“

Der Kandidat wettert gegen die „Mövenpick-Steuer“ von Schwarz-Gelb

Der „linke, progressive Realo“ wirbt für „mehr soziale Gerechtigkeit“. Große Sorge bereiten ihm Altersarmut und prekäre Arbeit. In Berlin werde er sich dafür einsetzen, die Kommunalfinanzen wieder in Ordnung zu bringen – besonders in Essen. Und wettert gegen die „Mövenpick-Steuer“, die Essen zweistellige Millionenverluste beschert habe. „Davon hätten wir hier ein Jahr lang alle Schwimmbäder betreiben können“, stichelt er gegen Schwarz-Gelb.

Eine Zuhörerin findet ihn „authentisch“, „ein Stück Essen in Berlin“ sei er. Eine andere, etwas älter und Wechselwählerin, lobt seine gewinnende Art. Er sei „offen, natürlich und sympathisch“, findet sie. Auch wählbar? Die Dame ziert sich, schweigt, um ein vorsichtiges Ja anzudeuten.

Der Direktkandidat im Wahlkreis 120 wirbt vehement für die Zweitstimme. Klar: Nur sie ist eine für den Wechsel in Berlin. Um seine eigene Zukunft muss er sich am 22. September wenig sorgen. Dank des sicheren Listenplatzes kann er schon jetzt neue MdB-Visitenkarten mit Bundesadler in Druck geben. Und falls es gar mit einer rot-grünen Regierung klappt? Folgt dann der nächste Karrieresprung? Bildungs-Staatssekretär vielleicht? Da huscht ihm, dem Ehrgeizigen, für einen kurzen Moment ein breites Lächeln übers Gesicht . . .

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