U-Haft

JVA Essen zeigt sich nach Suizid von Häftling erschüttert

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In einer Einzelzelle in der JVA Essen hat sich ein 36-Jähriger das Leben genommen. (Symbolbild)

In einer Einzelzelle in der JVA Essen hat sich ein 36-Jähriger das Leben genommen. (Symbolbild)

Foto: Martin Horn / FUNKE Foto Services

Essen.  In der JVA Essen hat sich ein Untersuchungshäftling das Leben genommen, er galt als „suizidgefährdet“. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Ein suizidgefährdeter Untersuchungsgefangener hat sich in seiner Zelle das Leben genommen. Wie die JVA Essen mitteilte, war der 36-Jährige „psychisch instabil“ und unterlag „besonderen Sicherheitsmaßnahmen“. Viele stellen sich nach dem Vorfall am Sonntagabend die Frage: Wie konnte es trotz dieser Vorkehrungen zu dem Suizid kommen?

Die Antwort auf diese Frage beschäftigt auch die Staatsanwaltschaft Essen. Das ist üblich in solchen Fällen. Auf Anfrage heißt es von Oberstaatsanwaltin Birgit Jürgens, dass der Mann per Video überwacht wurde, außerdem habe alle Viertelstunde jemand in die Einzelzelle geschaut. „Wir schauen uns jetzt an, ob dabei alles in Ordnung gewesen ist“, so Jürgens.

JVA Essen: Die Aufarbeitung läuft

Dieses Vorgehen bestätigt auch die JVA – mit der Ergänzung, dass der Häftling nicht einmal pro Viertelstunde durch eine Klappe in der Zellentür beobachtet wurde, sondern in unregelmäßigen Abständen, die höchstens 15 Minuten auseinanderliegen – damit kein Gewöhnungseffekt eintritt. Doch trotz Videoüberwachung und regelmäßiger Überprüfung konnte der Suizid nicht verhindert werden.

„Wir sind noch in der Aufarbeitung“, so Beate Wandelt, Leiterin der Justizvollzugsanstalt. „Im Moment haben wir keine Veranlassung etwas zu ändern“, sagt sie mit Blick auf andere Häftlinge, die ebenfalls mit „besonderen Sicherheitsmaßnahmen“ zum eigenen Schutz überwacht werden. JVA-Sprecher Marc Marin ergänzt: „Solche Dinge werden gründlich nachbearbeitet.“ Eine Art Krisenstab mit Bediensteten und Verantwortlichen sei gebildet worden. Genau will man sich auch das Ergebnis der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen anschauen.

Bei der Justizvollzugsanstalt ist man erschüttert

Nach dem Tod des 36-Jährigen zeigt man sich bei der JVA erschüttert. „Die Stimmung ist selbstverständlich gedrückt“, sagt Wandelt. Alltag seien Selbstmorde glücklicherweise nicht. „Der letzte Suizid war vor drei Jahren, vieles konnte verhindert werden.“

Nicht so am Sonntagabend: Da war über die Videoüberwachung aufgefallen, dass es mit Blick in die Zelle „irgendwie anders“ ist, sagt Marc Marin, Sprecher der JVA Essen. Daraufhin sei sofort ein Kollege alarmiert worden, um in der Zelle nachzuschauen. Dort wurde der 36-Jährige um 19.10 Uhr „stranguliert“ aufgefunden, direkt sei Erste Hilfe geleistet worden. Eingeleitete Wiederbelebungsmaßnahmen „durch das medizinische Personal und den herbeigerufenen Notarzt blieben erfolglos“, teilte die JVA mit. Der Tod des Mannes wurde um 19.43 Uhr festgestellt.

Angesprochen auf den Mann, der den leblosen 36-Jährigen fand, sagt JVA-Sprecher Marc Marin: „Für den Kollegen ist das ein Schock, das ist ja nicht nur Beaufsichtigung.“ Justizvollzugsbeamte seien acht Stunden am Tag mit Häftlingen zusammen, für manche seien sie Sprachrohr für Ängste, Sorgen und Nöte.

Grundsätzlich, erklärt Marin, werden Häftlinge zu Beginn der Haft von Fachdiensten beurteilt. Im weiteren Verlauf werde fortlaufend geprüft, ob diese psychisch auffällig oder gar suizidgefährdet gelten. Bei dem am Sonntag Gestorbenen – der erst seit dem 5. August in U-Haft war – ist das der Fall gewesen, weswegen Videoüberwachung und regelmäßige Kontrolle angeordnet wurden.

  • Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der hohen Nachahmerquote berichten wir in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

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