Prozess

Juwelenraub von 2006 wird der Pink-Panther-Bande angelastet

Nenad T. (r.), hier neben seiner Verteidigerin Josipa Salm-Francki, weist die Vorwürfe zurück.

Nenad T. (r.), hier neben seiner Verteidigerin Josipa Salm-Francki, weist die Vorwürfe zurück.

Foto: André Hirtz / André Hirtz / Funke Foto Services

Essen  Die Mitglieder der Pink-Panther-Bande kennen sich seit dem Kindergarten und sollen weltweit Juweliere ausgeraubt haben – auch in Essen.

Ausweiskontrollen vor dem Saal, neben den Justizwachtmeistern sichern am Dienstag auch bewaffnete Polizisten den Prozess vor dem Essener Landgericht. Denn der 31 Jahre Nenad T., der in Essen und Marl Juweliere überfallen haben soll, ist laut Ermittlungsergebnis Mitglied der berüchtigten Pink-Panther-Bande. Weltweit soll sie seit über zehn Jahren Juweliergeschäfte ausrauben.

Doch Nenad T. will mit den beiden angeklagten Taten gar nichts zu tun haben. Für eine andere Tat der Pink Panther ist er dagegen in Madrid verurteilt worden, hat dort schon sechs Jahre Haft verbüßt. Danach lieferten ihn die Spanier direkt nach Deutschland aus, wo er seit Februar in Untersuchungshaft sitzt.

Juwelier in der Essener Innenstadt mit der Pistole überfallen

Die Überfälle in Deutschland liegen lange zurück. Am 28. Dezember 2006 soll Nenad T. mit drei unbekannten Komplizen zu einem Juwelier in der Essener Innenstadt gefahren sein. Mit Wollmützen maskiert drangen sie in das Geschäft an der Huyssenallee ein, zwangen Kunden mit einer Pistole auf den Boden.

Die damals 72 Jahre alte Ladeninhaberin bekam einen Schlag vor den Hals, ging ebenfalls zu Boden. Dann schlugen die Räuber die Gläser der Vitrinen ein und erbeuteten Schmuck im Wert von 215.000 Euro.

Für 530.000 Euro Uhren erbeutet

Die zweite angeklagte Tat war am 14. März 2011 in Marl, auch dort ein Juweliergeschäft. Von vier Tätern spricht die Anklage. Weil dort die Eingangstür immer verschlossen war, klopfte ein elegant gekleideter Räuber an, bekam auch Zutritt. Er ließ sich zunächst eine Luxusuhr zeigen, zog dann plötzlich eine Pistole und öffnete von innen die Eingangstür. 138 Uhren im Wert von 530.000 Euro nahmen sie mit, nachdem sie die Vitrinen eingeschlagen hatten.

Spektakulär, aber auch brutal geriet ihre Flucht. Sie fuhren mit einem zuvor in Essen gestohlenen BMW 735i, bauten allerdings einen Unfall. Ein neuer Fluchtwagen musste besorgt werden. Sie stoppten deshalb in Marl den Wagen einer Frau, bedrohten sie mit einer Pistole und zerschlugen eine Scheibe.

Auf der Straße Fluchtfahrzeug erbeutet

Sie entkam, doch die Räuber schafften es nicht, den Wagen zu starten. Wieder stoppten sie ein Auto und schossen durch die Scheibe, als der Fahrer den Wagen zunächst nicht hergeben wollte. Dann stieg er doch aus. Später erbeuteten sie auf vergleichbare Art ein weiteres Fahrzeug, bevor sie dann in der Recklinghäuser Innenstadt unerkannt entkamen.

Sicher sind sich die Ermittler, dass die Taten die Handschrift der Pink Panther tragen. Den Namen hatte die Bande von Scotland Yard erhalten. Denn nach einem Überfall in London kam heraus, dass die Gruppe einen Diamanten in einer Cremedose verborgen hatte. Den Trick kannten die Fahnder schon aus dem Pink-Panther-Film mit Peter Sellers.

Die Pink Panther stammen aus dem serbischen Uzice

Bei der Bande soll es sich um Angehörige der ehemaligen jugoslawischen Armee handeln, die über gute Kontakte zum Geheimdienst verfügen sollen. Sie alle stammen nach Erkenntnis der Polizei aus dem serbischen Städtchen Uzice, kennen sich zum Teil aus Kindertagen.

Sie planen ihre Taten bis ins kleinste Detail, schrecken aber auch vor dem Einsatz der Schusswaffe nicht zurück. In Wien starb ein Juwelier sieben Jahre nach dem Überfall an den Folgen seiner Schussverletzung. Die Täter hatten ihm in den Mund geschossen. In der Schweiz brachen sie mal mit einem Lkw ein Gefängnistor auf, befreiten einen Gefangenen.

DNA-Spuren belasten den Angeklagten

Im aktuellen Verfahren wird Nenad T., dem auch zwei Alias-Namen zugeschrieben werden, durch DNA-Spuren belastet. Sie hafteten an Kleidungsstücken, die bei der Tat getragen wurden.

Doch dafür liefert der Angeklagte eine Erklärung. Beim Marler Fall, so sagt er, sei er gar nicht in Deutschland gewesen. Möglich, dass er mit diesen Kleidungsstücken mal in Kontakt stand. Während des Essener Falls sei er zwar in Deutschland gewesen und habe bei einem Landsmann gewohnt. Da habe so eine Wollmütze mit Sehschlitzen gelegen. Die habe er aus Spaß angezogen und Faxen gemacht. Sechs weitere Prozesstage sind geplant.

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