Parkour

Jung-Senioren springen auf Zollverein über Stock und Stein

Die Parkour-Anlage auf Zollverein begeistert nicht nur Jugendliche, sondern fordert auch die Generation jenseits der 50 heraus. Fotos:Socrates Tassos

Die Parkour-Anlage auf Zollverein begeistert nicht nur Jugendliche, sondern fordert auch die Generation jenseits der 50 heraus. Fotos:Socrates Tassos

Stoppenberg.   Der Parkour in Stoppenberg begeistert nicht nur Jugendliche. Die Awo lud jetzt die Generation Ü 50 zu einem Schnuppertraining auf die Bahn ein.

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Etwas Neues ausprobiert hat die Seniorengruppe der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Katernberg: die Parkour-Anlage auf Zollverein. Trainer Georg Mathes (52) zeigte jetzt rund 25 ersten Ü-50-Teilnehmern, wie sie die Hindernisse überwinden können. Nun richtet die Awo ein regelmäßiges Angebot für diese Altersgruppe ein.

Georg bietet der gemischten Gruppe das sportliche „du“ an und legt gleich mit dem Warmmachen los: Füße kreisen, beide nacheinander, rechts- und linksherum. Alle machen mit. Dann kommen die Knie. „Heben und im 90-Grad-Winkel aus der Hüfte nach außen bewegen.“ Kein Problem, auch nicht der Hula-Hoop-Schwung – natürlich ohne Reifen. Dann werden die Arme gelockert. Auf den Gesichtern perlt der Schweiß. Die Schwüle setzt selbst Georg zu.

Seit sieben Jahren macht der Logistik-Kaufmann Parkour und gibt sein Wissen ehrenamtlich weiter.

Ein wenig Theorie für Neulinge: Parkour schreibt man wirklich mit „k“ und ohne „s“ am Ende. Und wer sich den Weg durch oder über die Stangen, Röhren, Betonquader und Blöcke bahnt, ist ein „Traceur“. Jeder versucht, mit den Fähigkeiten seines Körpers von A nach B zu gelangen. So gut, wie es eben geht.

„Wie komme ich am besten drüber?

Georg steht hinter einem circa 70 Zentimeter hohen Zinkrohr und fragt: „Wie komme ich am besten drüber?“. Natürlich hat er auch gleich eine Idee, die er demons­triert. Dann wagen sich die Teilnehmer ans Hindernis. Georg gibt Hilfestellung und ermutigt. „Parkour beginnt im Kopf“, sagt er und rät noch, Gürtel, Taschen, Schmuck und alles andere, womit man leicht hängenbleiben kann, doch besser abzulegen.

Marianne Klesper (68) von der Awo-Freizeitgruppe aus Katernberg hat den Abend organisiert. „Wir treffen uns einmal im Monat zu verschiedenen Unternehmungen.“ Sport treibt sie regelmäßig, etwa Nordic Walking. Und sie geht ins Fitness-Studio. Dietmar Fleischer (50) und seine Barbara (59) haben in der Zeitung von dem Schnupperkurs gelesen und waren gleich begeistert. „Die Anlage liegt an unserer Walkingstrecke. Wir haben den Aufbau im letzten Herbst verfolgt.“ Sie wollten immer schon wissen, worauf es beim Parkour ankommt. Die ersten Übungen gefallen ihnen gut. „Wir kommen auf jeden Fall wieder.“

Wenn die Beine zu kurz sind

Tapfer schlägt sich Karin Plozicki (60) an den Hürden. Mit 1,53 Meter ist sie Kleinste im Kreis und findet ihre Beine „eindeutig zu kurz“ für die Hindernisse auf dem oberen Feld. Ansonsten treibt sie Reha-Sport mit vielen Übungen gegen schmerzende Knie.

Oben lassen spezielle Matten den Boden federn. Georg mahnt dennoch zur Vorsicht. „Auch dort sind Stürze hart. Der Untergrund dämpft nur kurz.“ „Man lernt, seine Grenzen kennenzulernen“, erklärt Carina Hommel. Bei der Awo ist die 31-Jährige Projektleiterin. Mit Jugendlichen ist sie oft dort und trainiert bei den Mädchen mit. Wichtig seien Körperbeherrschung und eine realistische Risikoeinschätzung. „Parkour eignet sich auch für Ältere. Denn jeder bahnt sich den Weg nach eigenem Ermessen.“ Im sicheren Scherensprung bezwingt Wolfgang Eggert (62) die Stange. „Früher war ich Turner in Altenessen“, erzählt er.

Eine kleine Trinkpause, und dann wechselt die Gruppe wieder nach unten. Die erste Stunde ist wie im Flug vergangen, die Luft abgekühlt. Jetzt wird balanciert. Wer es kann, darf sich in alle Höhen wagen, heißt es unter Kennern. „Theoretisch, reine Kopfsache . . .“, meint Hommel dazu. Georg erklärt die Varianten. Karin Plozicki hat neuen Mut geschöpft. Sie wagt einen Versuch und überwindet sich selbst. Am Ende tragen sich acht Teilnehmer in eine Liste ein. Dienstags ab 19 Uhr wollen sie in Zukunft mit Georg hier trainieren.

>>>>>>Demnächst regelmäßige Kurse für Ü 50-Jungsenioren

Für 50-Plus-Teilnehmer bietet die Awo Essen demnächst regelmäßig kostenlos Parkour-Training auf der Anlage an der Kokereiallee 71 an.

Ansprechpartnerinnen sind Carina Hommel vom Jugendhilfe Netzwerk, Dienststelle Katernberg, 0151 17 15 53 63, und Marianne Klesper, 21 09 24. Bei ihr dürfen sich auch unternehmungslustige Senioren aus dem Essener Norden melden, die auch an anderen Veranstaltungen Interesse haben.

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