50 Jahre

Jubiläum: Ein halbes Jahrhundert in einer Firma

Jubilar Heinz Pietrowsky arbeitet seit 50 Jahren für die Firma Avit in Essen-Stoppenberg. Bis heute macht die Arbeit Spaß.

Jubilar Heinz Pietrowsky arbeitet seit 50 Jahren für die Firma Avit in Essen-Stoppenberg. Bis heute macht die Arbeit Spaß.

Foto: Klaus Micke / FUNKE Foto Services

Stoppenberg.  Insgesamt 50 Jahre arbeitet Heinz Pietrowsky nun schon bei der Firma Avit in Essen. Warum er es mit der Rente noch nicht so eilig hat.

Er ist der Erste, der das Firmenjubiläum geschafft hat – und hoffentlich nicht der Letzte. Heinz Pietrowsky sieht man seine 64 Jahre wirklich nicht an. Noch schwieriger ist zu glauben, dass das Stoppenberger Urgestein seit satten 50 Jahren bei der Firma Avit arbeitet. Das Familienunternehmen stellt seit über 60 Jahren Rohrverbindungen aus Stahl her, besonders für große Hochdruck-Anlagen – langjährige Kunden sind beispielsweise Siemens oder Thyssen-Krupp.

Die Entwicklung der Firma hat Heinz Pietrowsky hautnah begleitet und vorangetrieben. Schon mit 14 Jahren steht er beim damaligen Inhaber August Wasmuth vor der Tür – im Kommunionsanzug. Das war am 11. August 1969. „Mein Vater arbeitete damals auf dem Pütt, ich war das Älteste von sechs Kindern“, erinnert er sich zurück. „Als er krank wurde, musste ich arbeiten gehen.“ Wasmuth nimmt den Jugendlichen auf, er beginnt eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. „Damals haben wir zum größten Teil noch Autozubehör verkauft. Mit der Industrie hatte ich da noch wenig zu tun.“

Loyalität und Bodenständigkeit sind für Pietrowsky am wichtigsten

Doch mit den Jahren verschiebt sich das Geschäft in der Stoppenberger Firma. Als Wasmuth einen Anschweißkegel in der heimischen Garage erfindet und patentieren lässt, startet die Expansion der Firma. Heinz Pietrowsky war die ganze Zeit dabei, hat die Entwicklung nicht nur beobachtet, sondern mitgestaltet. „Früher waren wir nur fünf oder sechs Leute, da musste man alles können. Bis 16 Uhr saß ich im Büro, danach ging es in die Produktionshalle, um Pakete einzupacken.“ Loyalität und Bodenständigkeit sind für ihn die höchsten Güter: „Der Einsatz für den Arbeitgeber fehlt mir bei den jungen Kollegen heutzutage.“

Er hält Avit die Treue, scherzt: „Hier verbringe ich mehr Stunden als mit meiner Ehefrau.“ Als er mit 17 zur Bundeswehr geht, zieht es ihn auch nicht weit weg, stationiert war der junge Kaufmann in Kray. „Ich wollte hier nie weg, hier ist meine Heimat.“ In Stoppenberg ist sein Leben: Familie, Freunde, der Fußballverein und eben die Arbeit. Noch in diesem Jahr spielte der 64-Jährige beim AOK-Firmencup mit, holte zusammen mit seinen Kollegen den ersten Preis. Auch beim Essener Firmenlauf ist er schon mehrfach mitgelaufen.

Auch nach 50 Jahren noch Spaß an der Arbeit

Heinz Pietrowsky legte immer wert darauf, sich weiterzubilden. Nach 20 Jahren im Büro im Vertrieb packte ihn die Leidenschaft für den Außendienst, seit acht Jahren ist er Vertriebsleiter. „Ich habe auch viel Spaß am Exportgeschäft bekommen, habe Englisch gelernt und mich nebenbei noch in die Technik reingefuchst. Ich wollte ja wissen, was wir eigentlich so herstellen, wie das alles funktioniert.“ Kein Stillstand, keine Langeweile. „Ich gehe auch nach 50 Jahren noch mit Spaß an meine Arbeit.“ Auch deshalb hat es wohl nie ein Headhunter geschafft, ihn abzuwerben: „Obwohl es einige versucht haben. Aber hier ist meine Heimat.“ Bis heute fährt er regelmäßig raus zu Kunden, begeistert andere Menschen für die Produkte, die er schon ein halbes Jahrhundert begleitet.

Auch Andreas Wasmuth, mittlerweile der dritte Chef von Heinz Pietrowsky, schätzt seinen Mitarbeiter: „So viel Berufserfahrung und Kompetenz ist schwer zu finden. Wir werden sehr traurig sein, wenn er uns verlässt.“ Denn der 31. Oktober 2020 ist das offizielle Renteneintrittsdatum für den Kaufmann. „Obwohl ich überlege, vielleicht doch noch tätig zu bleiben“, gibt Pietrowsky zu „Auch, wenn meine Ehefrau nicht so begeistert davon ist.“ Denn das zweite Enkelkind ist gerade geboren, Fußball- und Tennisverein fragen auch schon an, dass der 64-Jährige Ämter übernimmt. Doch bis es soweit ist, fährt der Jubilar zur Feier der großen 50 erst einmal in den Urlaub: „Nach Sylt. Meine absolute Lieblingsinsel. Aber danach geht es wieder ins Büro.“

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