Ausstellung

Josef Albers-Schau: die Villa Hügel im Zeichen des Quadrats

Eindrucksvolle Kunst an einem besonderen Ort: Josef Albers ist der erste Einzelkünstler, der in der Villa Hügel ausgestellt wird.

Eindrucksvolle Kunst an einem besonderen Ort: Josef Albers ist der erste Einzelkünstler, der in der Villa Hügel ausgestellt wird.

Foto: André Hirtz

Essen.   „Josef Albers. Interaction“ zeigt die konzentrierte Kunst des Bottroper Malers in prachtvollem Ambiente. Besuchern gefällt der spannende Kontrast

Das alte China hat hier schon gegrüßt und Korea – Die Alten Königreiche.Über 20 Jahre lang war die Villa Hügel eine erste Adresse für große kulturhistorische Ausstellungen: Tibet, St. Petersburg, Prag um 1600. Dass mit Josef Albers nun erstmals ein Einzelkünstler in die repräsentativen Räume der ehrwürdigen Krupp-Villa einzieht, das ist eine Premiere. Ein Künstler zudem, der mit seinem konsequenten Streben nach Einfachheit und Reduktion einen bis dahin nie dagewesenen Kontrast setzt zu den prachtvoll ausgestatteten Empfangs-Sälen , dem italienischen Deckengemälde im Ankleideraum, den schweren Wandteppichen und kostbaren Ölgemälden. „Albers in der Villa Hügel – als ich das erste mal davon gehört habe, war mein erster Gedanke: Das geht nicht. Aber es geht ganz wunderbar“, sagt Barbara Witte am Ende einer Führung, die nicht nur den Bottroper Farb-Forscher, sondern auch das ehemalige Wohnhaus der Familie Krupp zum Thema macht.

Beides zusammen bleibt ein Publikumsmagnet: An den Wochenenden könne man trotz sommerlicher Hitze weit über 1000 Besucher begrüßen“, freut sich Ute Kleinmann von der Kulturstiftung Ruhr, die die Ausstellung zusammen mit dem Bottroper Museum Quadrat anlässlich des 50. Bestehens der Krupp-Stiftung ausgerichtet hat.

So ist dieser Gigant der Moderne mit seinen Farbmeditationen auf Hartfaserplatte nun auf dem Hügel angekommen. Der Teppich in den hohen Räumen wurde extra herausgerollt, um den Meister der Quadrate mit noch mehr Quadraten zu begrüßen. Wer auf den schimmernden Parkettboden blickt, entdeckt dabei sofort den Unterschied. Was da am Boden mittig ausgerichtet ist, erlebt an der Wand seine magische Veränderung, diese leichte Verschiebung, Verschachtelung und Farbüberlagerung, die Albers Quadrat-Werk prägt. 2000 dieser Quadrate hat er seit den 1950ern gemalt. Viele dieser Arbeiten sind als Leihgaben aus amerikanischen Museen gekommen, dabei stammt der Macher doch gleich aus der Nachbarschaft

1888 wird Josef Albers in Bottrop geboren, in den 1920ern geht er ans Bauhaus in Weimar. Als die Nazis 1933 die Einrichtung schließen, emigriert der Malermeistersohn mit seiner Frau Anni nach Amerika. Dort lehrt er am Black Mountain College und inspiriert auch Kollegen wie Donald Judd, Agnes Martin oder Robert Ryman.

Einladung zum Sehen und Vertiefen

Von all dem erzählt die Ausstellung – mit ausgestellten Bauhaus-Möbeln, Fotografien und ausgeleuchteten Glasarbeiten. Doch sie tut es mit didaktischer Zurückhaltung. Wer mehr über das Werk wissen will, erfährt das mit Wandbeschriftungen und einem Booklet in Gelb, von dem Albers doch so viele Schattierungen kannte, ohne jemals eine Farbe gemischt zu haben.

Dass neben den Werken keine Beschreibungen sind, ist für Anja Thomas-Netik konsequent. „Die Kunst ist nicht zum Anschauen da, sondern schaut uns an“, ist schließlich so ein bezeichnender Albers-Satz. Und zum Augenöffnen brauche es keine Begleittexte.

Statt des beiläufigen Kunst-Konsumieren ist die Albers-Schau so eine Einladung zum aktiven Sehen und Vertiefen. Das Blau in seinen vielen Schattierungen zu bewundern, zu staunen, wie schwarz ein Schwarz sein kann, zu sehen, wie das Gelb je nach gewählter Farbnachbarschaft seine Wirkung verändert. Bislang habe noch jede geführte Gruppe am Ende die Magie der Farbe erfasst, hat Anja Thomas-Netik beobachtet. Schließlich trägt die Schau den Titel „Interaction“. Und das gilt nicht nur für die Farbe.

Informationen zur Ausstellung

Die Ausstellung „Josef Albers. Interaction“ ist bis zum 7. Oktober in der Villa Hügel, Hügel 1, zu sehen, dienstags bis sonntags 10-18 Uhr. Die von Heinz Liesbrock und Ulrike Growe kuratierte Schau zeigt rund 170 Arbeiten.

Erwachsene zahlen fünf Euro Eintritt, Kinder bis 14 Jahren frei.

Führungen (zzgl. Eintritt) kosten 65 Euro (60 Minuten) und 75 Euro (75 Minuten). Kombiführungen (Ausstellung und Villa Hügel) kosten 75 Euro. Der Katalog kosttet in der Ausstellung 28 €.

Anmeldung/Buchung unter 61629-17 und info@villahuegel.de

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