Jazzmusik

Joe-Jazzfestival mit Programm zwischen Party und Avantgarde

Moderne Improvisationskunst: Das „Tom Rainey Trio“ kommt mit  Ingrid Laubrock am Tenorsaxophon in die Essener Zeche Carl.   

Moderne Improvisationskunst: Das „Tom Rainey Trio“ kommt mit Ingrid Laubrock am Tenorsaxophon in die Essener Zeche Carl.  

Foto: Sven Thielmann, Essen

Essen.  Jazzmusik: „Joe-Festival“ in der Essener Zeche Carl bietet eine spannende Mischung – von moderner Improvisationskunst bis zu handgemachtem Techno

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Anfang des Jahres waren Patrick Hengst und Christian Ugurel, die Programm-Macher der Jazz-Offensive Essen (Joe), das erste Mal mit ihrem längst überregional bedeutsamen Festival in der Zeche Carl zu Gast. Was allen Beteiligten ob der stimmungsvollen Atmosphäre und der hervorragenden technischen Bedingungen so gut gefiel, dass auch die 24. Ausgabe des „Joe-Festival“ vom 16. bis 18. Januar 2020 in der Kaue stattfinden wird. Gemeinsam mit Kornelia Vossebein, der Jazz-kundigen Chefin auf Carl, präsentierten die beiden künstlerischen Leiter jetzt das vielversprechende Programm ihres Festivals.

Das Festival spiegelt, was in der europäischen Jazzlandschaft gerade angesagt ist

Das spiegelt traditionsgemäß wieder so ziemlich alle Facetten dessen, was in der europäischen Jazzlandschaft gerade angesagt ist. Wobei sich Patrick Hengst und Christian Ugurel ganz undogmatisch die Freiheit nehmen, mit dem „Tom Rainey Trio“ auch eine amerikanische Spitzenformation moderner Improvisationskunst auf die Bühne zu stellen. Begleitet wird der famose Drummer von seiner Gattin Ingrid Laubrock am Tenorsaxophon sowie der weltweit gefeierten Gitarristin Mary Halverson – der Höhepunkt des ersten Tages.

Eröffnet wird das Festival von „Re: Calamari“. Das Quartett um den Berliner Altsaxophonisten Wanja Slavin taucht dabei tief in die Jazzhistorie der 70er Jahre ein. Was auch deshalb hochattraktiv ist, weil der Pianist Pablo Held am Fender Rhodes dort von einer ganz anderen Seite zu erleben ist. Ein einzigartiges Vergnügen, denn erstmals in 25 Jahren kommt das Joe-Festival ganz ohne Flügel aus. Stattdessen gibt es im Laufe der drei Tage von „Brenda“ amüsante Plänkeleien der Vokalistinnen Marie Daniels und Maika Küster mit dem Schlagzeuger Jo Beyer. Das famose Trio „Dell Lillinger Westergaard“ präsentiert sich als Speerspitze intellektueller Avantgarde, hinzu kommt ein Solo-Auftritt des Trompeters John-Dennis Renken.

Freuen darf man sich auch auf die „Soko Steidle“ samt dem Bassklarinettisten Rudi Mahall, die Improvisation packend neu definieren. Während die anarchische Combo „Das Behälter“ um den Elektronik-Musiker Achim Zepezauer das „24. Joe-Festival“ mit exzessiven Shizo-Disko-Grooves krönen will. Ein Muss für Liebhaber nordischer Klangpoesie dagegen ist „Akzadenya“, wo Sidsel Endresen, die Grande Dame norwegischer Vokalartistik, auf das imposante Streicher-Duo Vilde & Inga trifft.

„Electro Guzzi“ liefert handgemachten Techno der Extraklasse

Den beinharten Kontrast dazu liefert „Electro Guzzi“ am Freitagabend – ein Wiener Trio, das mit handgemachtem (!) Techno der Extraklasse zeigt, dass Jazz absolut Dance-Floor-tauglich sein kann. Ein hypnotisches Erlebnis – für Festival-unlustige Party-Gänger gibt’s extra Einzeltickets nur für diese Performance. Abgerundet wird das Joe-Festival von dem obligaten Kinderkonzert am Samstagnachmittag, wobei alle Inhaber einer Tages- oder Festivalkarte mit einen Kind freien Eintritt genießen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben