Schulden

Immer mehr Menschen aus Essen stecken in der Schuldenfalle

Sorgen mit dem Geld: Jeder achte Essener steckt in der Schuldenfalle.

Sorgen mit dem Geld: Jeder achte Essener steckt in der Schuldenfalle.

Foto: Lino Mirgeler

Essen.   Jeder achte Essener ist laut dem neuen Schuldenatlas überschuldet. Innerhalb der Stadtgrenzen ist die Kluft zwischen Arm und Reich gewaltig.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Trotz Beschäftigungszuwachs und sinkender Arbeitslosigkeit ist die Zahl der überschuldeten Menschen in Essen in diesem Jahr weiter gestiegen.

Wie aus dem aktuellen Schuldneratlas der Wirtschaftsauskunftei Creditreform hervorgeht, können 13,76 Prozent der erwachsenen Essener ihre Schulden nicht mehr ohne weiteres begleichen. Das ist die bislang höchste Quote seit dem Jahr 2009, als Creditreform die Statistik einführte.

Schulden: Essen liegt im Mittelfeld des Ruhrgebiets

Essen liegt damit im Mittelfeld des Ruhrgebietes. Im Vergleich der deutschen Großstädte (über 400 000 Einwohner) gehört die Stadt aber hinter Duisburg und Dortmund zu denjenigen mit dem höchsten Schuldneranteil.

In absoluten Zahlen ausgedrückt, gelten 67 631 Erwachsene in Essen als überschuldet. Das sind fast 1700 mehr als im vergangenen Jahr. Als überschuldet gilt eine Person, wenn deren Einkommen nicht mehr ausreicht, in absehbarer Zeit Rechnungen oder Kredite zu begleichen bzw. zu bedienen.

Fünf Gründe für den Weg in die Schulden

Warum Menschen in die Schuldenfalle geraten, dafür gibt es fünf Hauptgründe, so Creditreform. Grund Nummer 1 ist nach wie vor Arbeitslosigkeit, gefolgt von Krankheit, Scheidung, unwirtschaftlicher Haushaltsführung und gescheiterter Selbstständigkeit.

Eigentlich sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Essen so gut wie lange nicht mehr: Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs ist dieses Jahr weiter gestiegen, die Arbeitslosigkeit nimmt weiter ab.

Creditreform sieht darin dennoch keinen Widerspruch dazu, dass die Schuldnerzahlen dennoch geklettert sind. „Die Faktoren für das Überschuldungsrisiko haben sich nicht verbessert“, heißt es. So habe die Zahl der atypisch Beschäftigten, dazu zählen Minijobber, Zeitarbeiter und Teilzeit-Beschäftigte, weiter zugenommen. Die Einkommensarmut bleibe daher bei Menschen konzentriert, die ohnehin ein höheres Überschuldungsrisiko hätten. Dazu zählten vor allem junge und alte Menschen, insbesondere Frauen. Hinzu kämen steigende Lebenshaltungskosten wie Mieten und Energie.

Kluft zwischen Arm und Reich innerhalb der Stadtgrenze

Unterdessen sind die Unterschiede innerhalb Essens gewaltig. Hier zeigt sich eine Kluft zwischen Arm und Reich innerhalb der Stadtgrenzen (siehe Karte). Der Stadtteil Heisingen ist nach wie vor der Stadtteil im gesamten Ruhrgebiet, wo die wenigsten Schuldner leben. Dort beträgt die Quote 4,4 Prozent. Auch die Stadtteile Haarzopf (5,36 %), Stadtwald (5,39 %) und Bredeney (5,85 %) gehören zu den „Best of Ruhrgebiet“ im Schuldneratlas.

Der Postzahlenbereich 45127 mit Ostviertel, Südviertel, Westviertel und Stadtmitte kommt dagegen aktuell auf eine Schuldnerquote von 26,56 Prozent und ist somit der höchstverschuldete in Essen. Immerhin aber hat sich die Quote um einen Prozentpunkt verbessert. Bis vor zwei Jahren hatte dieser Postleitzahlen-Bezirk noch die rote Laterne in NRW.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (2) Kommentar schreiben