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Israelische Schüler aus Tel Aviv sind in Essen zu Gast

Gruppenbild auf der Kokerei Zollverein: Schüler und Lehrer der der Bialik-Rogozin-Schule aus Tel Aviv (Israel) mit ihren Gastgebern von der Essener Unesco-Schule.

Foto: Knut Vahlensieck

Gruppenbild auf der Kokerei Zollverein: Schüler und Lehrer der der Bialik-Rogozin-Schule aus Tel Aviv (Israel) mit ihren Gastgebern von der Essener Unesco-Schule. Foto: Knut Vahlensieck

Essen.   Das Unesco-Aufbaugymnasium im Essener Südostviertel hat eine Partnerschule in Tel Aviv. Jetzt waren die Gäste erstmals in Essen unterwegs.

Sie sind 16, 17 Jahre alt und als Botschafter nach Essen gekommen: für Tel Aviv, für Israel – und für ihre Schule. Und so tragen viele von ihnen die Kapuzenjacke mit dem Wappen von Bialik-Rogozin, jener israelischen Schule, die seit dem vergangenen Jahr mit dem Unesco-Aufbau-Gymnasium in Essen verbandelt ist. Der Schüleraustausch ist der jüngste Beitrag zur Städtepartnerschaft zwischen Tel Aviv und Essen und jener, der hoffnungsfroh in die Zukunft weist.

Niemand wüsste beim Empfang? Wer ist Gast, wer Gastgeber?

Also betont Bürgermeister Rudi Jelinek beim Empfang im Rathaus, „dass Politiker viel vereinbaren können – aber eine Partnerschaft lebt erst durch die Begegnung der Menschen“. In diesem Fall begegnen sich junge Menschen, die in verschiedenen Staaten leben und doch große Gemeinsamkeiten haben: Die Schüler beider Schulen stammen aus allen Ländern der Welt, und wohl niemand wüsste beim Blick in den Empfangssaal in der 22. Etage des Rathauses, wer hier Gast ist und wer Gastgeber.

Flüchtlingskinder aus dem Sudan oder Liberia, Einwanderer aus Ägypten, Kinder, die als staatenlos gelten, sie alle besuchen Bialik Rogozin. „Bei uns sind alle Schüler verschieden, das gefällt mir so gut“, sagt Carmel Balary. Die 16-Jährige ist zwar in Israel geboren, hat aber polnische Wurzeln und erlebte an ihrer ersten Schule, „dass ich als einzige anders, besonders war“. Nun habe sie Freunde unterschiedlicher Kulturen und eigne sich nebenbei manche ihrer Sitten an.

Schule in Israel ist täglich bis 20 Uhr geöffnet

Kein Kind, so lautet der Grundsatz an Bialik Rogozin, soll seine Herkunft verleugnen, aber alle sollen Hebräisch sprechen und Israel zu ihrer Heimat machen. Um diesen Weg auch für diejenigen zu ebnen, die in ihrer Familie wenig Unterstützung bekommen, ist die Schule von acht Uhr morgens bis 20 Uhr geöffnet. Auch bietet sie vom Kindergarten bis zum Gymnasium alles unter einem Dach.

Leon Jardim-Carmi (17) hat seine Bildungslaufbahn als Kleinkind hier begonnen, und er schätzt wie Carmel die Vielfalt an Bialik Rogozin. Seine Mutter stammt aus Brasilien, sein Zuhause ist Israel. Eine knappe Woche durften er und seine Mitschüler ihr Land und ihre bemerkenswerte Schule in Essen vertreten und selbst neue Eindrücke sammeln. „Es ist hier so grün, es gibt viele Bäume und kaum Hochhäuser. Alle Gebäude sehen aus wie frisch gestrichen“ schwärmt Leon. Auch die Unterkunft im Emil-Frick-Haus habe ihm gut gefallen, von der Lage am Baldeneysee bis zum Billiardtisch. Mitschülerin Carmel verrät, sie sei so gern Bus gefahren: „Dabei konnte ich die Schönheit der Stadt genießen.“

Viel zu dicke Kleidung eingepackt

Nur für das sonnige Wetter gibt es kein uneingeschränktes Kompliment: „Viele Schüler hatten dicke Kleidung eingepackt und konnten diese gar nicht tragen, weil es hier so warm war“, erklärt Lehrerin Aviva Bouchnik lächelnd. Im Ernst: „Wir haben so viel aus dieser Zeit herausgeholt! Wir haben Neues erfahren, uns ausgetauscht, beim Sport, beim Unterricht, gemeinsamen Touren oder beim Smalltalk.“ Man habe kein bloßes Touristenprogramm erlebt, sondern das Alltagsleben kennengelernt.

Ähnlich begeistert waren übrigens die ersten sechs Schüler des Unesco-Aufbau-Gymnasiums zurückgekehrt, die im November 2016 nach Tel Aviv gereist waren. Sie schwärmten von der Stadt am Meer, von Ausflügen in den Kibbuz oder ins arabische Viertel, vor allem aber von Offenheit und Warmherzigkeit ihrer Gastgeber.

Viele Schüler aus Tel Aviv haben weder Pass noch Staatsbürgerschaft

Für viele Jugendliche, die eine der beiden Schulen besuchen, sind solche Reisen nicht selbstverständlich: Sie haben weder Pass noch Staatsbürgerschaft. Der Schüleraustausch kann ihnen Tore öffnen, die sonst verschlossen blieben.

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