Welterbe Zollverein

Investor kündigt bis zu 1000 neue Jobs auf Zollverein an

Der Berliner Unternehmer Reinhard Müller (Euref) schwärmt vom Standort Zollverein. Im Umfeld des Gasometers wird er ein Gründerzentrum errichten. Mit den Bauarbeiten soll Mitte des Jahres begonnen werden.

Der Berliner Unternehmer Reinhard Müller (Euref) schwärmt vom Standort Zollverein. Im Umfeld des Gasometers wird er ein Gründerzentrum errichten. Mit den Bauarbeiten soll Mitte des Jahres begonnen werden.

Foto: Socrates Tassos

Essen.   Der Berliner Unternehmer Reinhard Müller plant auf dem Kokerei-Teil des Welterbe-Areals ein Gründerzentrum. Baubeginn voraussichtlich Mitte 2018.

Das geplante Gründerzentrum des Berliner Unternehmers Reinhard Müller am Zollverein-Gasometer wird deutlich mehr Arbeitsplätze auf das Welterbe-Areal bringen, als ursprünglich angekündigt. „Auf dem Campus Zollverein werden bis zu 1000 Arbeitsplätze geschaffen“, kündigte Müller im Gespräch mit dieser Zeitung an. Zuerst war von 500 neuen Arbeitsplätzen die Rede gewesen.

Grund für die Verdoppelung: 500 zusätzliche Jobs sollen allein in einem U-förmigen Neubau direkt neben der neuen Zentrale von RAG und RAG-Stiftung entstehen. In der aktuellen Projekt-Präsentation unter dem Titel „Euref Campus Zollverein“ ist dieses Gebäude als „Inkubator“ definiert. Welches Unternehmen dort einziehen wird, will der Euref-Gründer frühestens in zwei Wochen verraten. Fest stehe aber, dass das Unternehmen auf einem der drei Felder tätig ist, die Euref als Schwerpunkte für Zollverein präzise festgelegt hat: Energiewende, Klima-/Umweltschutz sowie intelligente Mobilität.

Investor lobt die Qualitäten des Ruhrgebiets

Reinhard Müller (64), Chef von Euref („Europäisches Energieforum“), macht beim Ortstermin am Gasometer deutlich, dass der Campus Zollverein keine Kopie seines erfolgreichen Berliner Gründerzentrums sein werde, „sondern eine eigenständige Weiterentwicklung“. Müller lässt den Blick zwischen Gasometer und Schacht XII schweifen und lobt die Qualitäten Essens und der Region: „Das Ruhrgebiet ist mit 260 000 Studenten die dichteste Universitätslandschaft Europas, es bietet preiswerten Wohnraum und qualifizierte Arbeitskräfte.“

Trotzdem sei das Ruhrgebiet ständig unterbewertet. Deshalb müsse es jetzt darum gehen, erfolgreiche Firmen mit gut ausgebildeten Mitarbeitern im Revier zu behalten. Müller strotzt vor Optimismus: „Ich bin euphorisch, was das Ruhrgebiet angeht. Hier finden wir alles, was wir brauchen, um jungen Menschen eine Zukunft in den Bereichen Energiewende, Klimaschutz und Mobilitätswende zu geben.“

„Kein Subventionsprojekt“

In Berlin-Schöneberg hat Reinhard Müller auf dem Gelände um einen Gasometer ein blühendes Gründerzentrum mit 2500 Arbeitsplätzen geschaffen. Namhafte Unternehmen wie Schneider Electric, Deutsche Bahn oder Cisco haben sich dort angesiedelt. Firmen des selben Kalibers sollen auch nach Zollverein kommen. „Es sind Firmen aus der Region, die ein großes Interesse daran haben, mit Start-Ups zusammen zu arbeiten“, so Müller.

Wirtschaftsförderer aus ganz Europa, so heißt es, buhlten mit Gasometer-Arealen um die Gunst des Investors – und holten sich dennoch jedes mal einen Korb. Warum also lässt er sich auf Zollverein ein? Es seien nicht nur die bereits erwähnten Standortvorteile des Ruhrgebiets, sondern vor allem die Magie des Welterbes, die ihn nach Essen ziehe. Das betont jemand, der in Krefeld-Uerdingen aufgewachsen ist, Verwandtschaft im Ruhrgebiet hat und sich gerne daran erinnert, wie er als Knabe glücklich mit der Grugabahn durch den Grugapark düste.

„Kein gigantisches Subventionsprojekt“

Die RAG-Stiftung wird Reinhard Müller auf dem alten Kokerei-Gelände ein 30 000 Quadratmeter großes Grundstück mit 20 000 Quadratmeter Mietfläche überlassen. Die Neubauten, in der Regel dreigeschossig, sollen hocheffizient sein. Mit den Bauarbeiten soll Mitte des Jahres begonnen werden.

Der Euref Campus Berlin sei zu 80 bis 95 Prozent regenerativ und erfülle somit schon seit 2014 die Klimaziele der Bundesregierung für 2050. „Auch Zollverein wird regenerativ“, sagt Müller, der seit fünf Jahren ein Elektroauto fährt.

Den leisen Verdacht, auf dem Campus Zollverein könne ein Ökoträumer am Werke sein, will Müller erst gar nicht aufkommen lassen. „Ich wende nur das an, was realistisch und intelligent verknüpft ist.“ Überhaupt wolle er auf dem Campus Zollverein Projekte anschieben, die wirtschaftlich seien – auf keinen Fall also „ein gigantisches Subventionsprojekt“.

>>> AUCH JAUCHS KUPPEL KOMMT NACH ESSEN

Im Inneren des Gasometers entstehen Start-Ups, Gemeinschaftsbüros und ein Veranstaltungsraum. Die Kühltürme nehmen eine Algenfarm sowie Gastronomie auf. Im Lüfterhaus entsteht ein AR-Studio. Auch die Kuppel aus Jauchs TV-Sendung kommt von Berlin nach Essen.

Die Investitionskosten für Euref Zollverein: ca. 50 Mio Euro.

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