Aktion in Katernberg

Interkultureller Helferkreis betreut Feier für Bedürftige

Alfred, seine Verlobte Bärbel und Sascha kennen sich schon länger, sie waren bereits im vergangenen Jahr bei der Bewirtung für Bedürftige und Obdachlose im evangelischen Gemeindehaus am Katernberger Markt dabei.

Alfred, seine Verlobte Bärbel und Sascha kennen sich schon länger, sie waren bereits im vergangenen Jahr bei der Bewirtung für Bedürftige und Obdachlose im evangelischen Gemeindehaus am Katernberger Markt dabei.

Foto: Kerstin Kokoska

Essen-Katernberg.   70 Gästen bereitete ein interkultureller Helferkreis im ev. Gemeindehaus am Katernberger Markt ein schönes Weihnachtsfest. Hier die Einzelheiten.

Ahmad (12) strahlt: Zur Weihnachtsfeier im Gemeindehaus neben dem Bergmannsdom hatte er zwei Gäste persönlich eingeladen. „Und jetzt sind sie hier“, sagt er stolz. Später will er ihnen Wasser servieren. Vor ein paar Tagen hatte der junge Syrer nach der Schule in der Essener City Flyer an Wohnungslose verteilt, um sie über die Aktion zu informieren.

Der Saal ist gut geheizt, die langen Tische sind festlich gedeckt: Kerzen, rote Servietten, Plätzchenteller. Die Lichter an den Mini-Tannen auf den Tischen leuchten. Geduldig warten die Gäste in der Kälte vor der Tür, einige mit klapprigen Trolleys, unförmigen Tüten und für das Wetter viel zu dünner Kleidung. In der ersten Etage eilen rund 30 Helfer in Schürzen geschäftig zwischen Flur und Küche hin und her, erledigen letzte Handgriffe.

Männerkochkurs bereitet das Essen zu

Der türkisch-deutsche Männerkochkurs „Köfte gegen Frikadelle“ steht seit Stunden am Herd. „Wir haben für etwa 1500 Euro Essen und Deko gekauft“, erzählt Pfarrer Jens Kölsch-Ricken. Er hat das Ganze generalstabsmäßig organisiert. Allein 20 Kilo Hühnerfleisch wurden besorgt. Alles ist durch Spenden gedeckt, das meiste hat die Vonovia Mieterstiftung übernommen.

Endlich dürfen die rund 70 Gäste eintreten. Sie kommen meist zu zweit oder dritt, einige zögernd die Treppen hinauf. Schüchtern verstauen manche ihr Gepäck in Ecken oder unter den Tischen. Als alle sitzen, schenken die Helfer erstmal heißen Kaffee aus. „Wir danken Ihnen sehr, dass Sie zu uns gekommen sind!“, sagt der Pfarrer auf der Bühne neben Baum und Päckchen.

Presbyterin Katja Musebrink-Köster formuliert den Sinn von Weihnachten: „Zeit, Liebe und ein gemeinsames Essen sind doch das größte Geschenk.“ Nein, besinnlich wird es nicht. Über Jesus und Maria verliert Kölsch-Ricken nur, dass sie kein Obdach hatten. Arm waren sie auch, so wie das Gros der Gäste. Bis zur gesunden Salat-Vorspeise auf weißen Tellern rocken die Essener Musiker „Substitute“ den Saal.

„Die Schere zwischen Arm und Reich wird größer“

In der Wärme bricht das Eis. Erste Gespräche werden geführt, soweit es die Musik erlaubt. Heidi mit der Weihnachtsmütze lobt die hübsche Deko und die herzliche Atmosphäre. Rainer fühlt sich wie im Paradies. „Früher war ich Maschinist“, erzählt er. Nun reiche die Rente vorn und hinten nicht. Umso mehr genießt der 72-Jährige das Fest.

Immer mehr Bedürftige kennt Helmhard aus der Innenstadt: „Die Schere zwischen Arm und Reich wird größer.“ Heute schöpft er Hoffnung und erinnert sich an bessere Zeiten. „Die Politiker verdienen viel zu viel Geld“, betont seine Tischnachbarin. Heidis größter Wunsch lautet Gesundheit: „Bei Krankheit nützt einem mehr Geld ja auch nichts.“

Auf dem Flur stehen sieben Helfer in einer Kette um zwei Tische. Einige gehören zur libanesischen Frauengruppe. Sie wollen sich bedanken für Hilfe, die sie als Flüchtlinge erfahren haben. Der Pfarrer hat die Ärmel hochgekrempelt. Aus einem riesigen Topf portioniert er Reis auf eine nicht enden wollende Tellerzahl. Der Nächste gibt das Fleisch mit Soße dazu. Dann ab in den Saal, der Letzte serviert.

Kleiderkammer öffnet nach dem Dessert

Am Fenster lässt sich Thomas den Hauptgang schmecken. Die Winterjacke hat er anbehalten. „So ein schönes Beisammensein“, lobt er. Auch, dass Geschäfte die Aktion so gut unterstützten. Eine Bäckerei sowie eine Arztpraxis in Gelsenkirchen spendeten für die Bescherung. Doukidis, gegenüber von Thomas, findet alles „wunderbar“.

Marinas Weihnachtswunsch wären warme Schuhe in Größe 36. Die alten fallen auseinander. Nach dem Dessert mit würzigem Glühwein öffnet die Kleiderkammer. Auch Schlafsäcke gibt es. Thomas will noch Lebensmittel für die nächsten Tage mitnehmen. Ahmad bringt ihm Mineralwasser.

>> Firmen und Privatleute sponsern seit 2013

Die Weihnachtsfeier für Bedürftige und Obdachlose gibt es seit 2013 und wird von Vonovia, weiteren Firmen und Privatleuten gesponsort. Es beteiligte sich in diesem Jahr auch die libanesisch-syrische Jugendgruppe mit Getränken. Unterstützung kam zudem von Diakonie und der Obdachlosen-Initiative „Essen packt an“.


Bei der Obdachlosen-Initiative können Bürger unter der Rufnummer 0201-22 22 22 auch rund um die Uhr hilfsbedürftige Personen melden, die auf der Straße leben.

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