Krankenhausneubau

Initiative „Rettet St. Johann“ erhöht Druck auf das Bistum

Tobias Urban (li.) und Gerd Urban erläuterten gestern bei einem Besuch in der Redaktion, warum sie den Verkaufsbeschluss für rechtswidrig halten.

Tobias Urban (li.) und Gerd Urban erläuterten gestern bei einem Besuch in der Redaktion, warum sie den Verkaufsbeschluss für rechtswidrig halten.

Foto: Klaus Micke

Essen-Altenessen.   Mit neuen Argumenten versuchen Katholiken, den Verkaufsbeschluss an Contilia für ungültig erklären zu lassen. Schenkungsurkunde verbiete Abriss.

Der Beschluss des Kirchenvorstands von St. Johann Baptist, das Kirchengrundstück zugunsten eines Krankenhausneubaus an Contilia zu verkaufen, sei rechtswidrig. Diesen Vorwurf hat die Initiative „Rettet St. Johann“ jetzt in Briefen an das Bistum mit weiteren Argumenten untermauert, wie Gerd Urban (62) und sein Sohn Tobias (38) mitteilen.

Verantwortlich sei der alte Kirchenvorstand, der den Verkauf mit 12 zu 3 Stimmen akzeptiert hat. Er habe es versäumt, zuvor die Landesregierung von dem beabsichtigten Abriss zu informieren. Damit habe er gegen das Vermögensverwaltungsgesetz verstoßen, das „bei Veräußerung von Gegenständen, die einen geschichtlichen, wissenschaftlichen oder Kunstwert haben“, die Genehmigung der Staatsbehörde verlangt. Gerd Urban: „Eine im Jahr 1862 gebaute Kirche mit all ihren Werten hat einen historischen Wert. Deshalb muss die Entscheidung der Behörde vor einem Verkaufsbeschluss abgewartet werden.“ Der Generalvikar als Kirchenaufsicht dürfe daher den Verkauf nicht genehmigen.

Lindemanns Grab müsse „auf ewig“ erhalten bleiben

Noch nicht abgefunden hat sich die Initiative mit der Behauptung des Bistums, die Schenkungsurkunde von Johannes Lindemann enthalte keinen Hinweis auf ein Verkaufsverbot. Inzwischen hat sie sich über den Geschichtskreis Altenessen eine Kopie der Urkunde besorgt. Ihr sei zu entnehmen, dass Johannes Lindemann der damals beschenkten St. Gertrudis-Gemeinde zwei Bedingungen gestellt hat: An seinem Todestag und dem seiner Ehefrau müsse jährlich eine Heilige Messe gelesen werden. Außerdem müsse seine Grabstelle in der Kirche „auf ewig“ erhalten bleiben. Gerd Urbans Schlussfolgerung: „Der Kirchenvorstand kann nicht sagen, dass die ewige Ruhestätte jetzt aufgegeben wird. Die Bedingungen wirken über Lindemanns Tod hinaus.“

Die Initiative zeigt weiterhin Gesprächsbereitschaft mit dem Kirchenvorstand. Dompropst Thomas Zander hat sie jetzt für den 8. Januar zu einem Gespräch eingeladen. Tobias Urban: „Wir möchten die Argumente austauschen über diese Themen, aber nicht darüber reden, was nach einem Abriss der Kirche passiert. Man sollte die Beteiligung der Gemeinde nachholen, aber unter Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben.“

Kirchenvorstand ist derzeit nicht beschlussfähig

Der bis zum 18. November, dem Tag der Neuwahl, tätige Kirchenvorstand muss über die Einsprüche der Wahl entscheiden. Weil ein Mitglied aber sein Amt niedergelegt hat, ist er nicht beschlussfähig. Nun muss ein neues Mitglied berufen werden, erst danach kann das Gremium entscheiden. Nach Angaben der Initiative ist damit nicht vor dem 22. Januar zu rechnen.

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