Innenstadt

Initiative fordert für Essen mehr städtebauliche Qualität

Nicht alles war früher besser: Blick über die Stadt Essen mit den rauchenden Schornsteinen der Krupp-Fabriken im Hintergrund. Die Postkarte entstand um 1900.
  

Foto: Archiv

Nicht alles war früher besser: Blick über die Stadt Essen mit den rauchenden Schornsteinen der Krupp-Fabriken im Hintergrund. Die Postkarte entstand um 1900.   Foto: Archiv

Essen.  Die Initiative „Essener Altstadt“ sieht das trostlose bauliche Erscheinungsbild als Hauptgrund für sinkende Besucherzahlen in der Innenstadt.

Die sinkenden Besucherzahlen in der Essener Innenstadt und die Krise in Teilen des Einzelhandels sind nach Ansicht der Initiative „Essener Altstadt – für den Wiederaufbau“ maßgeblich auf „Defizite im Erscheinungsbild“ zurückzuführen. Oberbürgermeister Thomas Kufen und der Chef der Essen Marketing GmbH, Richard Röhrhoff, wurden in einer Denkschrift deshalb aufgefordert, im Rahmen eines neuen Innenstadtkonzeptes die Notwendigkeit baulicher Veränderungen in Betracht zu ziehen.

Die Initiative, die als Fernziel das 1964 abgerissene alte Rathaus wiederaufgebaut sehen möchte, hält die mangelnde Identifikation der Essener Bürger mit der Innenstadt für das entscheidende Problem. Der Grund liege auf der Hand: „Schlichte Funktionalbauten ohne ästhetischen Anspruch, zu wenig Grün und das Fehlen baulicher Wahrzeichen mit Bezug zur Stadtgeschichte verleihen der Innenstadt bis heute einen trostlosen, beliebigen Charakter.“ Das habe auch die EMG festgestellt, als sie in ihrem Entwicklungskonzept Innenstadt aus dem Jahr 2016 bemerkte, dass Essens Mitte „kein Gesicht in Form eines historisch-architektonischen Profils hat“.

In vielen Städten in Deutschland werden Altstädte oder markante historische Gebäude rekonstruiert

Die Entgegnung von Skeptikern, ein Wiederaufbau früherer stadtbildprägender Gebäude und Ensembles sei zu aufwändig, werde derzeit breit widerlegt. In vielen Städten in Deutschland würden Altstädte oder markante Einzelgebäude wie etwa Schlösser rekonstruiert, was nebenbei zu beachtlichem Wachstum beim Tourismus führe. „Auch in der Nachbarstadt Dortmund hat sich jetzt eine Initiative gegründet, die das alte Dortmunder Rathaus wieder aufbauen will“, sagt Andreas Graeff, Sprecher der Essener Altstadt-Initiative. „Das zeigt, dass solche Ideen immer mehr Freunde gewinnen.“

Die Aufenthaltsqualität der Innenstadt lasse sich aber auch bereits durch kleinere Umbauten erhöhen. So könne der Willy-Brandt-Platz mit historischen Laternen ausgestattet werden, auch gelte es, mehr Grün und Blumenschmuck auf den Platz zu bringen. Die soziale Kontrolle könne durch die Aufstellung dreier Marktstände erhöht werden, seit langem ein Wunsch der Bürgerschaft Essen-Mitte.

Gestaltungssatzung für die Innenstadt soll schönere Fassaden möglich machen

In der Denkschrift wird die Stadt zudem aufgefordert, mit einer Gestaltungssatzung Hauseigentümer in der Innenstadt in die Pflicht zu nehmen, um unschöne bauliche Zustände abzustellen, am besten aber gar nicht erst entstehen zu lassen. Selbst Fassaden auf der Kettwiger Straße ließen oft gestalterischen Ehrgeiz vermissen. Auch von der Aufstellung einzelner Skulpturen aus dem Bestand des Grugaparks dürfe man eine positive Wirkung für die Innenstadt erwarten, heißt es, wenngleich hier das Problem einer möglichen Beschädigung zu lösen ist.

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