Essener Stadtteile (11)

In Fischlaken am Baldeneysee ist es „wie im Urlaub“

Schöne Aussicht auf Fischlaken: Vom Standpunkt Bernhardstraße geht der weite Blick über die Felder bis zum Baldeneysee. Für das Bild hat Fotograf Michael Gohl seine Kamera an einem Mulicopter befestigt.

Schöne Aussicht auf Fischlaken: Vom Standpunkt Bernhardstraße geht der weite Blick über die Felder bis zum Baldeneysee. Für das Bild hat Fotograf Michael Gohl seine Kamera an einem Mulicopter befestigt.

Foto: WAZ FotoPool

Essen.   Fischlaken zählt zu den am dünnsten besiedelten Ecken Essens. „Auch bei uns verändert sich viel“, sagt Uwe Klein. Mit ihm gingen wir in Fischlaken spazieren.

Treffpunkt Bergfriedhof in Fischlaken. Das Gelände fällt sanft ab, am Ende ein Wald. Und irgendwo, weiter dahinter, liegt der Baldeneysee. Ansonsten: Felder, Wald, kleine Siedlungen. Und mehr und mehr Neubauten. „Auch bei uns verändert sich viel“, sagt Uwe Klein. „Häuser werden verkauft und abgerissen. Neubauten entstehen. Aber das ist überall so, wo es schön ist.“

Und schön ist es in Fischlaken, in seinem Dorf. Seit 35 Jahren lebt er dort. Und den Bergfriedhof hat der gebürtige Gelsenkirchener zu seinem Lieblingsplatz erklärt, „weil ich Friedhöfe grundsätzlich liebe und ich hier Stille und viel Natur finde“. Eine Grabstätte hat er sich dort schon ausgesucht.

Er ist Polizeibeamter im Ruhestand, war beim SEK und in Essen Polizeisprecher. Im Rang eines 1. Polizeikommissars wurde er 2014 in den Ruhestand versetzt. Nach 45 Jahren im Dienst. „Ich kann mich noch genau erinnern, als ich zum ersten Mal nach Fischlaken kam, in eine Wohnung für Landesbedienstete in der Bernhardstraße. Meine erster Gedanke war – das ist ja hier wie im Urlaub.“ Er blieb, zog nur noch einmal innerhalb des Stadtteils um. „Eigentlich bin ich ein Stadtmensch und ein großer New York-Fan“, sagt der 62-Jährige, aber Fischlaken habe ihn gepackt.

Zu jedem Haus eine Geschichte

Er betreibt eine Facebook-Seite über seinen Stadtteil und ist oft mit der Kamera in den Straßen unterwegs. Aloisstraße, Am Vogelherd, Am Lünink – wir drehen eine kleine Runde. Er weiß, wo die ehemalige Bundestagsabgeordnete Antje Huber gewohnt hat, kann zu jedem Haus eine Geschichte erzählen, kennt die Schicksale vieler Familien. Nicht vom Hörensagen, sondern vom miteinander reden. Das klappt in Fischlaken noch ganz gut.

Vor der kleinen Landbäckerei sitzen zwei Frauen und trinken Kaffee. Viele Geschäfte gibt es nicht mehr im Stadtteil. „Der Metzger ist auch weg“, sagt Uwe Klein. Aber eine Schule und das Berg Café. Dort kann man Honig aus eigener Imkerei kaufen. „Und manchmal sieht man auf der Straße ein Reh oder einen Dachs.“ Und Uwe Klein weiß, wo es in Kürze Ärger geben wird. Er zeigt auf einen Neubau. Direkt daneben ein Bolzplatz und ein Spielplatz. „Da werden sich ganz bestimmt Leute beschweren.“ Was er nicht verstehen kann.

Weit draußen in Fischlaken, an der Hammer Straße, wird Anfang 2016 die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes NRW eröffnet. Ein Thema im Stadtteil, auch für Uwe Klein. Von Beginn an hat er die Treffen der Flüchtlingsinitiative „Werden hilft“ besucht, wird unterstützen, wo er nur kann.

„Fischlaken-Stadt“ statt „Werden-Land“

Ein Auto hält direkt neben uns. Der Fahrer ist ein Nachbar von Uwe Klein. Fürs Straßenfest gibt es noch Einiges zu organisieren. Uwe Klein ist natürlich mit im Team. „Für die Werdener sind wir hier Werden-Land – aber ich sage dann immer, dass wir Fischlaken-Stadt sind.“

Zu unserem Rundgang hat er ein kleines Büchlein über Fischlaken mitgebracht. Da stünde eigentlich alles Wichtige drin. Stimmt. Über die Landwirtschaft und die alten Bauernfamilien und die traditionsreichen Höfe, die ehemalige Zeche Pörtingsiepen, die einst florierende Industrie, den Siedlungsbau - und den hohen Freizeitwert, den der Stadtteil nicht nur durch den Baldeneysee hat. Fischlaken lässt Besucher immer wieder staunen.

Uwe Klein nimmt die Kamera hoch. Er hat wieder ein Motiv entdeckt. Altes neben Neuem, Vergangenheit neben Gegenwart. Bilder, die die Geschichte des Wandels in Fischlaken zeigen. Wehmütig macht ihn das nicht. Er mag seinen Stadtteil so wie er ist. Früher war schöner? Früher war anders.

Und dann erzählt er noch die Geschichte von Musicalstar Uwe Krüger, der einige Jahre direkt im Haus gegenüber wohnte. „Der ist mir mal ins Auto gefahren – und danach konnte ich sagen, dass ich einen Unfall mit dem ,Tod’ hatte, denn diese Rolle spielte er gerade im Musical ,Elisabeth’ in Essen.“

Wobei wir zum Abschluss auch irgendwie wieder beim Thema Friedhof wären.

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