Prozess

In Essener Klinik gestohlen: Sechs Jahre Haft für Bottroper

Diebstahl aus der Klinik wirft die Staatsanwaltschaft dem 29-jährigen Bottroper vor.

Diebstahl aus der Klinik wirft die Staatsanwaltschaft dem 29-jährigen Bottroper vor.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen  Ein Bottroper (29) wurde in einer Essener Klinik beim Diebstahl erwischt und rastete aus. Nun muss er für sechs Jahre ins Gefängnis.

Geld wollte er für den nächsten Schuss. Aber als der 29-jährige Bottroper Patrick K. dann plötzlich im Schwesternzimmer des Essener Elisabeth-Krankenhauses auf frischer Tat ertappt wurde, rastete er aus. Jetzt muss er wegen besonders schweren Raubes für sechs Jahre ins Gefängnis, entschied das Landgericht Essen am Montag. Gleichzeitig wies es ihn in eine Entziehungsanstalt ein.

Am 9. Juni vergangenen Jahres hatte er sich zunächst auf der Toilette der Klinik einen Schuss gesetzt. Dann kam er auf die Idee, sich Geld für den nächsten zu besorgen. Er ging ins Schwesternzimmer, nahm aus einer auf dem Tisch stehenden Tasche Portemonnaie und ein Handy. Plötzlich hörte er Stimmen.

Den eigenen Personalausweis gezeigt

„Ich bin hier falsch“, rief er und suchte das Weite. Doch eine 48 Jahre alte Schwester versperrte dem Bottroper den Weg. Sie forderte ihn auf, seine Taschen zu leeren. Mittlerweile kamen auch eine Schwesternschülerin und ein Pfleger hinzu. Er suchte sein Glück in der Offensive, warf seinen echten Personalausweis auf den Tisch. „Seht ihr, ich habe nichts zu verbergen“, sagte er.

Doch mittlerweile war entdeckt worden, was er gestohlen hatte. Der Pfleger nahm ihn in den Schwitzkasten, aus seiner Hose purzelten Portemonnaie und Handy zu Boden. Kein glücklicher Räuber. Denn jetzt ergriff er auch noch ein Brotmesser, danach eine Schere und schließlich seine Spritze. „Ich habe Hepatitis“, drohte er. Dann gelang ihm die Flucht aus dem Fenster.

Bei den Opfern entschuldigte er sich

Vor Gericht zeigt er sich zerknirscht, entschuldigt sich auch bei seinen Opfern. Eine Therapie will er, sagt der gebürtige Bayer. Insgesamt hat er schon zehn Jahre Haft hinter sich: „Wenn das so weitergeht mit den Drogen, wird sich mein Leben nie ändern.“

Die Vorwürfe räumt er ein. Allerdings glaubt er nicht, dass er Messer oder Schere in der Hand hielt. Nur die Spritze gibt er zu: „Ich dachte, ich bin Edward mit den Scherenhänden, als ich den Haftbefehl gelesen habe.“ Aber die Zeugen erinnern sich genau an seine Bewaffnung.

Therapie als Chance für ein Leben ohne Droge

Die Kammer gibt ihm die Chance zur Therapie. Zwei Jahre wird sie dauern. Ist sie erfolgreich, kann er nach der Hälfte der Strafe zur Bewährung entlassen werden. „Wir haben dann die Möglichkeit, ihn noch eine längere Zeit zu kontrollieren“, erklärte Richterin Jutta Wendrich-Rosch im Urteil. Sie ergänzte: „Und die Zeit wird er brauchen.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben