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Immer mehr Essener Turnhallen öffnen sonntags für Kinder

Schulkind Adam und seine Freunde lassen sich an Seilen durch die Turnhalle der Großenbruchschule in Altenessen baumeln.

Schulkind Adam und seine Freunde lassen sich an Seilen durch die Turnhalle der Großenbruchschule in Altenessen baumeln.

Foto: STEFAN AREND

Essen.   Mit einem einfachen, aber effektiven Projekt holt die Uni Duisburg-Essen Grundschulkinder weg von Fernseher und Spielkonsole – bald revierweit.

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Sie hängen sich an Seile, die von der Decke baumeln. Sie balancieren auf dem Barren. Sie springen vom Trampolin auf dicke Turnmatten – und gleich wieder von vorn: Mehr als 40 Kinder bewegen sich lachend und kreischend vor Vergnügen an einem Sonntagmittag durch die Turnhalle der Großenbruch-Grundschule in Altenessen-Süd. Ein gutes Dutzend Sport-Studenten, die als Helfer dabei sind – sie sind gut zu erkennen in ihren apfelgrünen T-Shirts – passen auf, dass nichts passiert. Auch Schüler des Nord-Ost-Gymnasiums sind in der Regel beteiligt - als ausgebildete Sporthelfer.

Sport-Studenten passen auf, dass nichts passiert

Mehr als 40 Kinder, und am Sonntag davor waren es rund 80. Aber dieser „Open Sunday“ ist auch erst gerade mal eine Viertelstunde alt. Drei Stunden insgesamt hat die Turnhalle an diesem Sonntag geöffnet, „die meisten bleiben bis zum Ende“, sagt Sport-Student und Uni-Mitarbeiter Jonas Kerstan (26). Ähnliche Szenen dürften sich zeitgleich auch in den Turnhallen der Grundschulen an der Heinrich-Strunk-Straße (Altendorf), der Hövelschule (Altenessen) sowie der Grundschule im Nordviertel abgespielt haben. Und es werden immer mehr Schulen, die mitmachen.

Immer mehr Schulen machen mit

Ende 2015 hatte Ulf Gebken, Sport-Professor an der Uni Duisburg-Essen, die Aktion „Open Sunday“ gestartet – an zunächst einer Schule, zwei weitere folgten. Die Idee: Vor allem sonntags brauchen Kinder ein Bewegungs-Angebot – vor allem dort, wo Eltern es sich nicht leisten können, gemeinsam in den Trampolin-Park zu fahren, und auch dort, wo es keine gemeinsamen Radtouren gibt. Wo stattdessen Dauer-Fernsehen und Spielekonsolen die Freizeit von Kindern bestimmen.

Ganz gezielt hat das Uni-Projekt „Open Sunday“ Schulen in Stadtteilen angesprochen, in denen es viele arme Kinder gibt.

Fußball für die Jungen, für Mädchen Hula-Hoop-Reifen

Fußball gibt es in der Turnhalle beim „Open Sunday“ natürlich auch, mit einem Softball und umgekippten, kleinen Turnkästen als Tore, und Jongliertücher und Hula-Hoop-Reifen. „Vor allem junge Migranten-Mädchen sind schwierig für Bewegungsangebote zu erreichen“, sagt Jonas Kerstan. „Die Jungs spielen womöglich noch Fußball im Verein – für die Mädchen gibt es vergleichsweise nichts.“

Stadt hilft bei der Durchführung

Der „Open Sunday“ ist noch bis 2018 von der Anneliese-Brost-Stiftung finanziert und setzt auf Kooperationspartner wie Stadt, Sportbund und Essener Sportjugend, um organisatorische wie versicherungstechnische Angelegenheiten zu klären.

Werbung in den Schulklassen

Vor den „Open Sundays“ machen die Studenten ein wenig Werbung in den Klassen, Zettel werden verteilt – dann funktioniert das Angebot sozusagen von selbst. „Wir bekommen regelmäßig Rückmeldungen von Lehrern, dass Kinder, die sonntags bei uns waren, am nächsten Tag in der Schule wesentlich ausgeruhter und konzentrierter sind“, sagt Kerstan. Er schreibt seine Master-Arbeit über das Projekt „Open Sunday“.

In den Frühlings- und Sommermonaten wird das Angebot ins Freie verlegt - die Uni hat dafür extra ein „Spielmobil“ angeschafft. Und der „Open Sunday“, im Ruhrgebiet in Essen gestartet, geht jetzt auch über Stadtgrenzen: Demnächst öffnen auch Turnhallen von Grundschulen in Duisburg und Bochum. Der Landessportbund macht das möglich.

Bald auch in Bochum und Duisburg

Initiator Gebken hat langfristig ein besonderes Ziel: Der „Open Sunday“ sollte als fester Bestandteil der Sportlehrer-Ausbildung an der Uni verankert werden – dann wären langfristig alle Finanzierungs- und Organisationsfragen geklärt. Gebken: „Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg.“

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