Emanzipation

Im Verein Ana-Tolia engagieren sich selbstbewusste Frauen

Engagiert für Frauen mit Zuwanderungsgeschichte: die Vorstandsmitglieder Funda Tunçtürk (von links), Ayşe Koçkesen, Fatma Kozak und Huri Koç.

Engagiert für Frauen mit Zuwanderungsgeschichte: die Vorstandsmitglieder Funda Tunçtürk (von links), Ayşe Koçkesen, Fatma Kozak und Huri Koç.

Foto: Socrates Tassos

Essen-Katernberg.   Ana-Tolia aus Katernberg unterstützt Essener Migrantinnen dabei, sich zu emanzipieren und eigenständig zu werden – durch Bildung und Selbsthilfe.

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Angefangen hat alles mit einem prügelnden Ehemann. Einige anatolische Frauen, die sich regelmäßig in Katernberg trafen, wollten ihrer misshandelten Freundin aus dieser Notlage heraushelfen – und sie waren erfolgreich. Daraufhin haben sie den Katernberger Frauenverein Ana-Tolia gegründet; in diesem Jahr feiert er sein zehnjähriges Bestehen.

„Einen weiteren solchen Fall haben wir seitdem nicht mehr gehabt“, sagt Huri Koç, die stellvertretende Vorsitzende. Doch seither hilft der Verein Frauen mit Migrationshintergrund, sich zu emanzipieren. Als „mutig, interessiert und selbstbewusst“ verstehen sich die inzwischen 62 Mitglieder. Der Verein Ana-Tolia sieht seine Hauptaufgabe darin, sich für Frauen aus Katernberg und aus dem übrigen Essener Norden mit Zuwanderungsgeschichte einzusetzen, die eigenständig sind oder sein wollen und die für ihre Interessen einstehen.

Wöchentlich treffen sie sich im Bürgerzentrum Kon-Takt am Katernberger Markt, klären über Frauenrechte auf und bieten unter anderem Selbsthilfe. „Wir sind offen für alle, die teilnehmen möchten“, sagt die Vorsitzende Funda Tunçtürk. Obwohl auch Deutsche, Araberinnen, Tunesierinnen oder Aserbaidschanerinnen zu Ana-Tolia gehören, „unterhalten wir uns meistens auf Türkisch, weil das alle verstehen“.

Vorträge sollen die Mitglieder bilden

Die meisten Angebote jedoch sind auf Deutsch. So gibt es Handarbeitswochen oder Kochkurse, und Referenten werden für Vorträge eingeladen, die die Essenerinnen weiterbilden sollen. Mal kommt eine Gynäkologin, mal ein Pädagoge, ein Ernährungsberater oder eine Kosmetikerin, die alle Wissen vermitteln. Auch die örtliche Polizei war schon dabei und hat für die Kinder der Vereinsmitglieder eine Verkehrsübung durchgeführt. „Es gibt viele Themen, die wir schon bearbeitet haben – und noch bearbeiten wollen. Wir sind jetzt aber alle Mütter, deshalb sind Vorträge über Kindererziehung sehr beliebt“, sagt Funda Tunçtürk. Zu solchen Referaten dürften dann auch Ehemänner gerne dazukommen.

Kinder dürfen ohnehin zu allen Veranstaltungen mitgebracht werden, denn sie werden dann im Bürgerzentrum von einer Babysitterin betreut. Inzwischen gibt es auch spezielle Angebote für Mädchen von elf bis 16 Jahren. Zudem bietet Ana-Tolia eine kleine Stellenbörse für Praktika, Ausbildungs- und Studienplätze und für weitere Jobs.

„Uns kennt man im Stadtteil“, sagen Tunçtürk und Koç stolz, „wir haben nie Probleme, Referenten zu finden.“ Schließlich seien Frauen aus allen Schichten und mit vielfältigen Berufen ehrenamtlich bei Ana-Tolia engagiert, sodass sich auch Mitglieder untereinander nicht nur unterstützen, sondern auch bilden. „Aber einen Deutschlehrer könnten wir noch gebrauchen“, sagt Huri Koç. Denn nach den Sommerferien wird ein Sprachcafé beginnen, bei dem Ausländerinnen in Alltagssituationen ihr Deutsch verbessern sollen. „Frauen, die zu uns gehören, lassen sich nicht mehr unterkriegen“, sagt die Vorsitzende Tunçtürk und empfindet das als schönen Erfolg.

Weitere Mitstreiterinnen gesucht

Das Erfolgsrezept scheint denkbar einfach zu sein: „Politik kommt hier nicht rein, sondern bleibt vor der Tür“, sagt Huri Koç entschieden. „Auch kein Fußball“, ergänzt sie und lacht. Nein, in einem Verein, der sich als Interessenvertreter für ausländische Frauen unabhängig von der Nationalität versteht, sei für Politik kein Platz – „sonst hätten wir nicht zehn Jahre durchhalten können“. Bisher habe diese Regel wunderbar funktioniert.

„Wir würden gerne noch bekannter werden und mehr Mitglieder bekommen. Wir sind jetzt hauptsächlich türkische Frauen, aber Italienerinnen, Griechinnen, Libanesinnen und alle anderen sind uns genauso willkommen“, so Funda Tunçtürk. Der Vorstand weiß, dass mit mehr Mitstreiterinnen auch das Angebot wachsen kann – und das fänden alle beim Katernberger Frauenverein Ana-Tolia schön.

>> Gemeinsam feiern mit den Katernbergern

  • Der Frauenverein Ana-Tolia hat nicht nur Bildungsangebote, sondern beteiligt sich auch an Stadtteilaktionen und -feiern. Außerdem gibt es auch Tagesfahrten, etwa zum Bundestag oder in die Niederlande.
  • Ana-Tolia möchte mit allen Katernbergern das Zuckerfest feiern, das den Ramadan beendet. Los geht’s am Donnerstag, 21. Juni, ab 17 Uhr am Bürgerzentrum Kon-Takt, Katernberger Markt 4.



  • Der zehnte Vereinsgeburtstag wird im Herbst gefeiert.


  • Kontakt: ana-tolia@gmx.de

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