Moschee

Im Essener Norden bahnt sich ein neuer Moschee-Streit an

Moschee statt Discounter: Der Netto-Markt an der Karnaper Straße 243 ist seit einer Woche geschlossen. Die bosnische Gemeinde „Dzemat Essen“ möchte mit ihrem Moschee- und Gemeindezentrum in den Essener Norden ziehen.

Moschee statt Discounter: Der Netto-Markt an der Karnaper Straße 243 ist seit einer Woche geschlossen. Die bosnische Gemeinde „Dzemat Essen“ möchte mit ihrem Moschee- und Gemeindezentrum in den Essener Norden ziehen.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen.  Die bosnisch-muslimische Gemeinde Essen möchte den Netto-Markt zur Moschee umbauen. In der Nachbarschaft läuft eine Unterschriftenaktion dagegen.

Hoch oben im Essener Norden bahnt sich ein neuer Moschee-Streit an. Die bosnisch-muslimische Gemeinde „Dzemat Essen e.V.“ möchte in Karnap kurz vor der Stadtgrenze zu Gelsenkirchen eine neue Moschee errichten. Dazu soll ein ehemaliger Discounter komplett umgebaut werden. Doch ehe dort der erste Handschlag getan ist, stößt das Moschee-Projekt in der unmittelbaren Nachbarschaft bereits auf erhebliche Vorbehalte: Anwohner aus dem Bräukerwald haben vor wenigen Tagen eine Unterschriften-Aktion gestartet.

Noch ist die große gelbe Netto-Reklametafel an der Karnaper Straße 243 in den Abendstunden hell beleuchtet. Doch Einkaufen kann man in dem Supermarkt schon seit ein paar Tagen nicht mehr. Anfang vergangener Woche, am 21. September, um 21 Uhr hat der Discounter seine Pforten geschlossen. „Unsere nächste Filiale in Gelsenkirchen, Fischerstraße 86a freut sich auf Ihren Besuch“, heißt es in einem Aushang.

In der benachbarten Zechensiedlung Bräukerwald regt sich Widerstand

Die Schließung empfinden die Menschen in der Nachbarschaft als herben Verlust. Der Name des Supermarktes habe im Laufe von Jahrzehnten mehrmals gewechselt - von Tengelmann und Plus zu Ledi und Netto - , aber das Quartier habe stets einen Supermarkt gehabt. Und nun? „Der nächste Discounter ist zu weit weg, und der Rewe in Gelsenkirchen ist vielen zu teuer“, sagt eine Anwohnerin aus dem Bräukerwald. Insbesondere für die Alten, die kein Auto besäßen, sei die Schließung bitter.

Am vorletzten Freitag (18. September) haben sich Bräukerwald-Anwohner zu einer spontanen Versammlung unter freiem Himmel zusammengefunden. Etwa 60 Leute nahmen daran teil, darunter auch der Altenessener Kommunalpolitiker Theo Jansen, der bis zu seinem Parteiaustritt Partei SPD-Fraktionschef der Bezirksvertretung V war. Inzwischen geht eine Unterschriftenliste um. „Wir wollen keine Moschee, sondern einen Einkaufsladen“, sagt eine Initiatorin des „Nachbarschaftsanliegens Bräukerwald“.

An einer spontanen Nachbarschafts-Versammlung nahmen 60 Personen teil

Ein anderer Streitpunkt ist das Thema Parken. „Ich habe an sich nichts gegen eine Moschee“, betont ein Anwohner, der an der Veranstaltung teilgenommen hat. „Aber ich möchte nicht, dass unsere Straße so wie anderswo im Norden mit Autos von Moschee-Besuchern zugeparkt wird.“ Das könnte bei den Freitagsgebeten, bei hohen Feiertagen und anderen Feierlichkeiten der Gemeinde der Fall sein, heißt es. Konflikte dieser Art bei Moschee-Projekten sind nicht neu: Schon vor zwei Jahren versuchte die Bezirksvertretung V Moscheeprojekte zu blockieren mit dem Hinweis auf den Parkdruck.

Mehr als 100 Jahre alt sind die Zechenhäuser, die ursprünglich der Bergwerksgesellschaft Mathias Stinnes gehörten und zuletzt im Besitz von Veba Immobilien (heute Vonovia) waren. Die meisten Mieter haben vor gut 30 Jahren das Kaufangebot genutzt und ihre Häuser daraufhin aufwändig saniert. Die Fassaden sind aus hellem Putz und Backstein und die Vorgärten gepflegt, dahinter erstrecken sich riesige Gärten.

Sehr viele Hauseigentümer, so heißt es, hätten ihre Wurzeln auf der iberischen Halbinsel, sie sind Nachfahren von portugiesischen und spanischen Gastarbeitern, die als Bergleute unter Tage gearbeitet und das Ersparte in die Häuser gesteckt haben.

Stadt Essen bestätigt Bauvoranfrage: „Das Vorhaben ist nach aktuellem Stand zulässig“

Ein Vorstandsmitglied des bosnischen Dzemat-Kulturzentrums erklärt auf Anfrage, frühestens im nächsten Monat Details zu dem Moschee-Vorhaben bekannt geben zu wollen. Die Muslime aus dem früheren Jugoslawien verstehen sich als weltoffen und liberal.

Teile der Bezirksvertretung sind im Juni vergangenen Jahres von den Dzemat-Leuten informiert worden. Danach soll ein Teil des Gebäudes abgerissen und neu gebaut werden. Stadtsprecherin Silke Lenz bestätigt, dass es eine Bauvoranfrage für ein Gemeindezentrum auf dem Grundstück an der Karnaper Straße gebe. Diese sei von der Verwaltung geprüft und mit einem planungsrechtlichen Vorbescheid beschieden worden. „Unter Berücksichtigung bestimmter Auflagen wäre das Vorhaben nach aktuellem Stand zulässig“, sagt die Sprecherin. Bauanträge lägen zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht vor.

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