Senioren und Tiere

Hunde und Hühner sind Glücksbringer im Seniorenzentrum

Den Kontakt zu den Labrador-Welpen suchten die Bewohnerinnen Helga Wahrendorff (l.) und Waltraud Tölle im Garten des Seniorenzentrums Margarethenhöhe

Den Kontakt zu den Labrador-Welpen suchten die Bewohnerinnen Helga Wahrendorff (l.) und Waltraud Tölle im Garten des Seniorenzentrums Margarethenhöhe

Foto: Seniorenzentrum Margarethenhöhe / Wojahn

Essen-Margarethenhöhe.  Hauseigene Hühner, Schlangen, Kaiman sowie Labrador-Welpen: Seit vielen Jahren arbeitet das Seniorenzentrum Margarethenhöhe mit Tieren.

Die Arbeit mit Tieren hat im Seniorenzentrum Margarethenhöhe eine lange Tradition. Durch den Kontakt zu Hunden, Hühnern und Co. erleben die Bewohner immer wieder emotionale Momente, erinnern sich selbst bei fortgeschrittener Demenz an Erlebnisse aus der Vergangenheit. Zuletzt war eine Züchterin mit ihren Labrador-Welpen zu Gast und sorgte für Kuschelalarm. Manchmal streicheln die Senioren auch Schlange oder Kaiman.

Im Foyer des Seniorenzentrums steht eine große Voliere mit Wellensittichen, im Garten gibt es seit einem Jahr vier Hühner. Immer wieder bringen Mitarbeiter zur Freude der Bewohner ihre Tiere mit zur Arbeit, und einmal im Monat ist eine Hundebesuchsgruppe zu Gast in der Einrichtung des Diakoniewerks am Helgolandring. Vorläufiger Höhepunkt: Eine Züchterin aus Düsseldorf besuchte mit ihren acht Labrador-Welpen das Seniorenzentrum und bereitete rund 40 alten Menschen eine vergnügliche Stunde.

Menschen und Tiere suchen den Körperkontakt

Die Senioren konnten die zwei schwarzen und sechs hellen Welpen streicheln, sie auf den Schoß nehmen und sich über die Neugier der sieben Wochen alten Hunden amüsieren. „Selbst Bewohner, die an Demenz erkrankt sind und sonst kaum noch auf irgendetwas reagieren, hatten angesichts der Welpen ein Lächeln im Gesicht“, sagt Cordula Wojahn-Willaschek vom Sozialen Dienst. Bewohner und Hunde wüssten den Körperkontakt offenbar gleichermaßen zu schätzen.

Ein solcher Hundebesuch sei mit relativ viel Aufwand verbunden und nur durch den persönlichen Kontakt zu den Züchterinnen Helena Niehof-Oellers und Andrea Oellers zustande gekommen. Das Treffen mit den jungen, zutraulichen Hunden fand im Garten der Einrichtung statt. Für Bewohnerin Inge Biesler (87) war es ein ganz besonderer Nachmittag. „Wir hatten zu Hause immer Tiere, Hunde, Kaninchen und Tauben“, erinnert sie sich. Auch Christine Böhm (86) fühlte sich an alten Zeiten erinnert, als die Hunde zu Besuch waren.

„Eine Bewohnerin, die Tiere sehr mag, ist nicht zum Treffen mit den Hunden gekommen. Sie befürchtete, wenn sie so ein niedliches Tier erst einmal auf dem Schoß habe, könne sie es nicht wieder hergeben“, berichtet Heimleiterin Bettina Mayer über eine rührende Begegnung im Vorfeld des Hundebesuchs. Der lief übrigens trotz der jungen Alters der Welpen ohne größere Zwischenfälle ab, nur eines der Tiere habe sein „kleines Geschäft“ dann doch auf dem Gang verrichtet. „Eigentlich sind die Kleinen schon stubenrein“, so die Leiterin.

Mitarbeiterin brachte ihre Katze mit

Nicht nur Hundefreunde kommen im Seniorenzentrum Margarethenhöhe auf ihre Kosten, so Cordula Wojahn-Willaschek. Vor kurzem habe eine Mitarbeiterin ihre junge Katze mitgebracht, sehr zur Freunde einer Bewohnerin, die ihre eigene Katze beim Einzug ins Seniorenzentrum abgeben musste. „Dass die Bewohner ihre eigenen Tiere mitbringen, ist leider nicht möglich. Viele sind schon zu pflegebedürftig, um sich um ein Tier zu kümmern“, sagt Cordula Wojahn-Willaschek.

Um den Bewohnern den Kontakt mit Tieren zu ermöglichen, kommt einmal im Monat ein Hundebesuchsgruppe mit vier oder fünf Tieren in die Einrichtung auf der Margarethenhöhe. Vor kurzem war zudem „Tränklers Rollender Zoo“ zu Gast im Seniorenzentrum – statt Hund, Katze oder Huhn konnten die Bewohner dabei Schildkröte, Kaiman, Schlange, Alpaka und Co. streicheln – was sie auch ohne Scheu taten, berichten die Mitarbeiterinnen.

Senioren beobachten Hühner im Gehege

Sehr beliebt bei den Senioren sind auch die vier Hühner, die das Heim nach guten Erfahrungen mit Leihühnern im vergangenen Sommer angeschafft hatte. „Ich gehe jeden Morgen nach dem Frühstück in den Garten und schaue nach den Hühnern“, sagt Inge Biesler, die sich intensiv mit dem Thema Hühnerhaltung beschäftigt hat und die Tiere auch gern per Hand füttert. Viele der Bewohner hätten bereits eine emotionale Bindung zu den Hühnern entwickelt, säßen oft stundenlang im Garten und schauten den Tieren im Gehege zu.

Bettina Mayer: „Die Anschaffung der Hühner war auf jeden Fall richtig. Weitere Projekte sind geplant. Wir machen uns immer Gedanken, was wir den Bewohnern anbieten können.“ Dabei gehe es nicht nur um einen abwechslungsreichen Alltag, sondern auch um ein gutes Gefühl.

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