Gastronomie

Horster Bergmanns-Kneipe wandelte sich zum Restaurant

An der Dahlhauser Straße in Horst liegt ihr Restaurant und darüber ihre Wohnung: Knut Hannappel und seine Frau Ulrike führen die Gaststätte seit 25 Jahren.

An der Dahlhauser Straße in Horst liegt ihr Restaurant und darüber ihre Wohnung: Knut Hannappel und seine Frau Ulrike führen die Gaststätte seit 25 Jahren.

Foto: Socrates Tassos

Essen-Horst.   Vom Brathering zum Fisch-Menü: Seit 25 Jahren führt Knut Hannappel das gleichnamige Restaurant in Horst, das sein Urgroßvater 1908 kaufte.

Früher wollte Knut Hannappel (50) mal Profifußballer werden, stürmte bis zur B-Jugend bei Rot-Weiss-Essen. Statt für die sportliche Karriere entschied sich der Horster nach dem Abitur dann aber doch für die Gastronomie und weiß längst, dass das die richtige Wahl gewesen ist: Seit 25 Jahren leitet der Koch inzwischen die Gasstätte Hannappel, die sich im Laufe der Jahrzehnte von der Bergmanns-Kneipe zum Restaurant wandelte – und so überlebte.

Als Knut Hannappel die Gaststätte 1993 vom Vater übernahm, bedeutete das zunächst einen Spagat, „um Altes zu bewahren und doch Neues zu wagen“. Immerhin kaufte bereits Urgroßvater Wilhelm Lemken 1908 das Haus in Horst. „Es war einst eine reine Kneipe ohne Speisekarte“, erinnert sich der Urenkel. Die einen aßen Mettbrötchen, andere Gäste kochten selbst in der Küche, die noch zur Wohnung gehörte. Überliefert sind so manche Anekdoten wie etwa die vom Postkutscher, der seine Pferde vor der Kneipe festband und nach seinem Besuch die Briefe betrunken einwarf.

Vater war ein Autodidakt in der Gastronomie

In den 1960er Jahren servierte dann die dritte Generation Rumpsteak, Brathering und Jägerschnitzel. „Mein Vater arbeitete als Installateur bei den Stadtwerken und war in der Gastronomie Autodidakt“, erzählt Knut Hannappel. Er selbst absolvierte seine Lehre als Jahrgangsbester, wurde bereits als Azubi mit NRW-Preisen ausgezeichnet und arbeitete anschließend in der Sterne-Gastronomie außerhalb Essens. Beruflich nach Horst zurückzukehren, gehörte nicht zum Plan.

1993 folgte dann doch der Neustart an der Dahlhauser Straße. „Wir haben viel investiert, und doch war es damals nicht ideal“, beschreibt seine Frau Ulrike, die weiterhin in der Gastronomie bei RWE/Innogy arbeitet und im Hannappel hilft, wenn sie gebraucht wird. Dort haben sie nach und nach Böden gewechselt, die Theke erneuert, Tische eingedeckt, die Butzenfenster ersetzt und die Speisekarte zweigeteilt. Auf dieser landete statt Brathering der bretonische Steinbutt. „Wir haben uns in den ersten Jahren durchgebissen“, sagt Knut Hannappel, der in der Kochjacke zwischen Küche, Plänen und Einkäufen, ihre drei Kinder in die Kita und zur Schule brachte. Im Restaurant sei es damals nicht einfach gewesen, knobelnde und Skat spielenden Stammgäste an der Theke mit den Gästen, die zum Mittagessen kamen, unter einem Dach zu bewirten, erinnert sich der Koch.

Stolz auf das Team und das Erreichte

Während sein Vater in der ersten Zeit mitunter auf die Pacht verzichtete,

sorgten ihre Eltern dafür, „dass wir zumindest mal ein Paar Tage Urlaub machten“, sagt Ulrike Hannappel. Rückblickend sei es eine anstrengende Zeit gewesen, vor allem als die Kinder klein gewesen seien. Heute blickt das Paar vor allem stolz auf sein Team (darunter vier Köche) und auf das Erreichte. Auch wenn sie nicht mehr an Essens Gourmetmeile teilnehmen, brachte diese 2000 die Wende. Die Gäste kommen nun auch aus anderen Städten nach Horst.

„Wir haben das Ambiente angepasst“, sagt Knut Hannappel zum weiteren Umbau 2008. Die Karte ändert sich weiterhin regelmäßig. Zu den Vorspeisen gehört nun die Meerforelle in Wacholder gebeizt mit Buttermilch, unter den Hauptgängen finden sich der Eifeler Rehrücken mit Kerbelwurzel oder das Filet vom Weideochsen mit Topinambur. Es gehe immer auch darum, Neues zu entwickeln, kreativ zu sein und Klassiker zu variieren: Lammrücken, Ochsenbäckchen oder Blutwurst zum Beispiel.

Aktionen wie Küchenpartys

Zum Konzept zählen zudem Küchenpartys oder Kennenlernabende, die Knut Hannappel dienstags plant, wenn im Restaurant Ruhetag ist. „Viel Freizeit gibt es in dem Beruf ohnehin nicht“, sagt Ulrike Hannappel, die oben in ihrer Wohnung über der Gaststätte für die Familie kocht: Geschnetzeltes, Spaghetti oder Pizza. Ein Lieblingsgericht ihres Mannes: Sauerbraten.

Unten am Herd probieren indes auch die Mitarbeiter eigene Kreationen aus. Wenn jemand mehr Verantwortung übernehmen will, ist das im Sinne des Chefs, dessen Leidenschaft für den Beruf ungebrochen ist. Knut Hannappel ist überzeugt, dass zu ihrem Erfolg vor allem die stete Weiterentwicklung in der Küche und die Kontinuität beigetragen haben: „Man muss seinen Weg gehen.“

>>DIE VIERTE GENERATION

Wie in manchen anderen Stadtteilen verschwanden auch in Horst zahlreiche Kneipen und Gaststätten im Laufe der Jahrzehnte. Das Hannappel blieb: Gekauft hat es Wilhelm Lemken 1908, gelernter Kellner bei Krupp. Damals war es der Horster Saalbau. 1923 folgte Wilhelm Lemken junior.

1967 übernahmen Johanna und Wilhelm Hannappel. Mit Knut Hannappel führt die vierte Generation das Restaurant.

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