Sommeraktion

Hof Große Rombeck: Wo in Kettwig Lämmer gezüchtet werden

Essen.  Auf dem Hof Große Rombeck in Essen-Kettwig züchtet die Familie Unterhansberg Lämmer – und schlachtet und verkauft diese direkt vor Ort.

„Mäh“ hallt es durch den Stall. Hunderte Augenpaare schauen die Besucher neugierig an. Das Stroh raschelt unter den Hufen, als sich die Lämmer den Fremden nähern – einige ganz vorsichtig, andere sehr neugierig. Vielleicht hat ja doch einer der Besucher etwas zu Essen dabei. „Wir haben 1969 mit Lämmern angefangen“, erzählt Heinz-Walter Unterhansberg. Die Familie des 68-Jährigen führt den Hof Große Rombeck in Kettwig, züchtet Lämmer und verkauft das Fleisch direkt im eigenen Hofladen. Unterhansberg hat unsere Leser im Rahmen unserer Sommer-Aktion über den Hof geführt – einige Leser fahren beispielsweise regelmäßig am Hof vorbei und haben nun die Gelegenheit genutzt, einmal in den Stall oder die große Halle mit den Maschinen zu schauen.

Futter für die Lämmer wird vor Ort angebaut

„Die Tiere sind hier geboren und fressen nur, was wir hier auf unseren Feldern anbauen – keinen Sojaschrot, nichts Genmanipuliertes“, erklärt der Landwirt unseren Lesern, die beispielsweise wissen wollen, wo das Futter für die Tiere herkommt und wie es geerntet wird. So erhalten die Lämmer im Stall frisch gemähtes Grün von der Wiese, jeweils morgens und abends. Außerdem stehen Getreide oder Mais als Kraftfutter auf dem Speiseplan.

Rund 500 Schafe und Lämmer gibt es auf dem Hof – die Muttertiere sind derzeit auf der Weide. Drei bis vier Monate bleiben die Jungen bei den Müttern, dann werden sie getrennt. Die Lämmer, die nach und nach geschlachtet werden, stehen im Stall. Um die 200 Tiere sind es aktuell. „Sie fühlen sich hier nicht unwohl“, ist Unterhansberg sicher, während Leserin Monika Stötzel auf Tuchfühlung geht und eines der Lämmer füttert. Wenn er diese Tiere auf der Weide stehen hätte, müsste er regelmäßig Mittel gegen Parasiten wie Würmer geben. Bei der Stallhaltung komme er mit weniger Chemie aus.

Einige Tiere müssen mit der Flasche großgezogen werden

30 bis 50 Tiere zieht die Familie jährlich mit der Flasche groß, weil ihre Mütter nicht für sie sorgen können. Eines dieser Tiere ist „Keks“. Er wurde im Alter von circa zwei Wochen von seiner Mutter verstoßen. „Er war so klein und so krank, dass er sterben wollte“, erinnert sich der Landwirt. Anfangs habe er die Flasche nicht gewollt, doch dann habe sich Keks zurück ins Leben gekämpft.

Die Familie schlachtet selbst auf dem Hof, circa fünf bis zehn Tiere, in der Regel alle drei Wochen. Durch die Hofschlachtung werden Tiertransporte vermieden. Das Fleisch wird beispielsweise an Restaurants oder die Kunden im Hofladen verkauft. „Unsere Produkte bleiben in der Region.“ 20 bis 25 Kilogramm Fleisch bringt ein Tier. Und gerade vor den Feiertagen ist das Lamm gefragt. „Zehn Tage vor Ostern gibt es schon keine Keulen mehr“, sagt Unterhansberg.

Seit über 300 Jahren ist der Hof im Familienbesitz

Doch so idyllisch, wie sich manch Großstädter das Landleben vorstellt, ist es bei Weitem nicht: Es gebe zunehmend mehr Herausforderungen und Auflagen, sagt Unterhansberg und spricht vom „Hofsterben“. Für viele kleine Betriebe lohne es sich kaum noch, große Betriebe seien beispielsweise erst ab 500 Kühen profitabel.

Seit über 300 Jahren ist der Hof im Familienbesitz, die Kinder von Heinz-Walter Unterhansberg sind die elfte Generation. „Wir leben in einem Museum“, sagt der 68-Jährige: „Wenn man bei uns im Haus eine Schublade herauszieht, dann findet man zum Beispiel alte Feldpost aus dem Krieg, die meine Oma von ihren Kindern bekommen hat.“

Idyllisches Tal hinter den Gebäuden des Hofes

Einen wunderbaren Blick hat Unterhansberg hinter den Gebäuden des Hofes: ein Tal mit grünen Wiesen und Obstbäumen. „Das ist mein Canyon“, sagt er, während zwei Pferde im Vordergrund grasen. „Wir verpachten Ställe an Pferdehalter und diese beiden wurden von ihrem Besitzer vor rund zehn Jahren zurückgelassen. Weil wir ein Herz für Pferde haben, leben sie seitdem bei uns.“

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