Bergrutsch

Hitze und Trockenheit lassen Häuser in Essen absacken

Noch immer warten die Anwohner der Helmstraße auf den Bericht der Stadt, warum ihre Häuser im August plötzlich abgesackt sind.

Noch immer warten die Anwohner der Helmstraße auf den Bericht der Stadt, warum ihre Häuser im August plötzlich abgesackt sind.

Foto: Martin Möller

Essen-Unterfrintrop.   Stadt legt jetzt Untersuchungsergebnis vor. Sie spricht von einem „lokalen Phänomen“: Trockenheit, Bodenbeschaffenheit und Vorschäden an Häusern.

Keine Bergbauschäden, sondern die Beschaffenheit des Bodens, die lange Trockenheit und Hitze sowie Vorschäden an den Gebäuden – darauf führt die Stadt die Rissbildungen an der Helmstraße in Unterfrintrop zurück. Es handele sich „eher um ein lokales Phänomen“. Im August hatten die Risse in den Hausern und Absackungen des Gehwegs für große Aufregung unter den Anwohnern gesorgt. Ein Mehrfamilienhaus ist bis heute unbewohnbar. Welche Folgen das Ergebnis für dieses und die anderen betroffenen Gebäude hat, teilt die Stadt trotz Anfrage nicht mit.

Anfang Dezember war für die Gutachterfirma DMT klar: „Die Bodenbeschaffenheit im betroffenen Gebiet hat dazu beigetragen, dass durch den andauernden Entzug von Feuchtigkeit Schrumpfungsprozesse und damit Sackungen im Boden“ entstanden seien.

Eine betroffene Anwohnerin, die ihren Namen nicht veröffentlicht sehen möchte und vom Untersuchungsergebnis noch nichts wusste, zeigte sich gegenüber dieser Redaktion erstaunt: „Wir hatten doch immer schon trockene Sommer.“ Sie frage sich, wer für die Schäden bezahlen werde: „Darum geht es doch hier. Und passiert hier weiter etwas? War das eine einmalige Sache?“

Zahlreiche Untersuchungen sollen den Fall klären

Darauf gibt die Stadt keine Antwort. Sie listet jedoch auf, was sie alles unternommen habe:

– Statikprüfungen an den Gebäuden selbst sowie die Untersuchungen im Umfeld der Häuser;

Messungen mit Hilfe eines Georadars, um oberflächennah (bis in vier Metern Tiefe) Hohlräume auszuschließen;

– Auswertung von Satellitenbildern, die von Anfang 2018 bis Ende November aufgenommen wurden. Sie geben Aufschluss darüber, welche Bewegungen die Bodenoberfläche und die Gebäude in diesem Jahr gemacht haben;

– 150 Höhenbolzen an den Häusern angebracht, die zehn Mal ausgemessen wurden;

– 41 Kleinbohrungen in fünf bis neun Metern Tiefe und

– Rammsondierungen zur Erkundung des Untergrunds;

– in zwei Brunnen den Grundwasserspiegel gemessen;

– Bauakten gesichtet und Grubenbilder eingesehen, dazu

– die geologische, hydrogeologische und bergbauliche Situation recherchiert, Bodenproben im Labor untersucht und die Abwasserkanalisation mit der Kamera abgefahren, schließlich auch seismische Ereignisse bei der Erdbebenwarte der Ruhr-Uni in Bochum abgefragt.

Eine andere Anwohnerin wartet noch auf einen Bescheid der Stadt: „Er wurde für die 51. Kalenderwoche angekündigt. Wir sitzen noch immer auf heißen Kohlen und müssen erstmal abwarten.“

Acht Gebäude und eine Gartenlaube sind betroffen

Acht Gebäude und eine Gartenlaube waren am 10. August von den plötzlich auftretenden Absenkungen betroffen.

Die Feuerwehr und das Technische Hilfswerk rückten sofort heraus und sondierten die Lage.


Zahlreiche Anwohner kritisierten Tage später die Stadtverwaltung, weil sie sich im Stich gelassen fühlten. Diesen Vorwurf wies die Stadt zurück.

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