Denkmalschutz

Historische Hammerschmiede soll bald wieder schlagen

Diese Aufnahme zeigt den Eisenhammer im August 1930. Rechts im Bild ist die Schmiede zu sehen, links die Arbeiterhäuser, im Hintergrund das Meisterhaus. Im Vordergrund fließt der Deilbach.

Diese Aufnahme zeigt den Eisenhammer im August 1930. Rechts im Bild ist die Schmiede zu sehen, links die Arbeiterhäuser, im Hintergrund das Meisterhaus. Im Vordergrund fließt der Deilbach.

Foto: Ruhrmuseum

Essen.   Im Deilbachtal bei Kupferdreh hat die Sanierung des historischen Eisenhammers begonnen. 2018 wird die Wiege der Frühindustrie wiederbelebt.

Da stehen sie, die starken Arme vor der Brust verschränkt. Im nächsten Augenblick, wenn der Fotograf seine Arbeit getan hat, werden sie die ihre wieder aufnehmen. 1890 entstand diese Schwarzweißaufnahme. Sie zeigt Rudolf Hagenbusch, Wilhelm Jüngst und seinen Sohn – die letzten Schmiede des Eisenhammers im Deilbachtal.

Wer heute, mehr als ein Jahrhundert danach, das alte Hammergebäude betritt, könnte glauben, die Zeit sei stehen geblieben. Der Eisenhammer mit seinem Meisterhaus und den beiden Arbeiterhäusern ist der letzte seiner Art im Ruhrgebiet. Nun wird er wachgeküsst, wie Dornröschen im Märchen. Es ist höchste Zeit.

Eines der beiden Arbeiterhäuser ist eingerüstet. Fachwerk, Lehm und Gemäuer sind freigelegt. „Das Haus ist in einem desolaten Zustand“, sagt Andreas Holtkamp, Architekt und Denkmalschützer. In den kommenden Monaten soll es von Grund auf saniert werden. „Es ist allerhöchste Eisenbahn“, wie Holtkamp betont.

1804/1805 war das Arbeiterhaus errichtet worden, aus Ruhrsandstein und Baustoffen, die man damals im Deilbachtal vorfand. Wenige Jahrzehnte später kam ein weiteres Haus hinzu, genutzt wurde es ursprünglich als Schreinerei.

Zu jener Zeit hatte sich der Eisenhammer bereits zu einem Handwerksbetrieb entwickelt, der die umliegenden Bauernhöfe mit Werkzeugen und Wagenrädern belieferte. Vieles spricht dafür, dass der Hammer beim Bau der von Eisenbahnpionier Friedrich Harkort gegründeten Deiltahler Eisenbahn eine gewichtige Rolle spielte. „Es ist eine These, aber eine, für die es gute Gründe gibt“, sagt Achim Mikuscheit vom Ruhr Museum. Schließlich wurden Fragmente der 7,5 Kilometer langen Pferdebahn auf dem Grundstück nachgewiesen. Die Anfänge der Schmiede reichen gar bis ins 16. Jahrhundert zurück. Vermutlich gehörte sie einst zum wenige hundert Meter entfernten Deilmannschen Bauernhof. Erst 1917, nach einem Bruch der Hammerwelle, erlosch das Feuer in der Esse, wurde der Eisenhammer stillgelegt.

Dass er heute noch steht, ist ein Glücksfall. Einer, bei dem der Zufall seine Hände mit im Spiel hatte. In den 1930er Jahren gelang es in einer konzertierten Aktion unter Beteiligung der benachbarten Kraftwerksgesellschaft und der Firma Krupp, die Gebäude als „technisches Kulturdenkmal“ vor dem Verfall zu retten. Anfang der 1960er Jahre übernahm dann die Stadt Essen das Ensemble.

Arbeiter- und Meisterhaus standen vor dem Abriss

Dessen Substanz hatte mit der Zeit arg gelitten. Der ältere Teil der Arbeiterhäuser und das zweigeschossige Meisterhaus sollten sogar abgerissen werden. Die Genehmigung lag bereits vor, wurde aber nur deshalb nicht vollzogen, weil die Stadt den Bewohnern keine Wohnungen als Ersatz anbieten konnte, berichtet Achim Mikuscheit. Seinerzeit lebten Arbeiter aus dem benachbarten Kraftwerk in dem Baudenkmal, zogen hinterm Haus Gemüse und bauten Salat an. Auch die Gärten des Ensembles, die von je her der Selbstversorgung seiner Bewohner dienten, sollen bald wieder aufblühen. Die Jugendhilfe hat bereits erste Beete angelegt.

Dabei wusste die Stadt lange Jahre nicht so recht, was sie mit dem Eisenhammer anfangen sollte. Zuständig blieben verschiedene Dienststellen, nur richtig verantwortlich fühlte sich niemand. Die Folge: Die Gebäude verrotteten zusehends. Vor allem das wiederkehrende Hochwasser des nahen Deilbachs setzten der Hammerschmiede zu. Der Politik fehlte es lange an Willen und Nachdruck, um etwas aus diesem einzigartigen Denkmal der frühen Industriegeschichte zu machen. Die Stadt beschränkte sich am Ende auf die notwendigsten Sicherungsarbeiten. Erst 2013 mit der Gründung eines Konsortiums, in dem sich neben dem Ruhr Museum, der Historische Verein für Stadt und Stift, die Bürgerschaft Kupferdreh und der Verein Idee zusammen fanden, kam Bewegung in die Sache. Letzterer hatte sich bereits um die Sanierung des Halbachhammers auf der Margarethenhöhe verdient gemacht.

Unliebsame Überraschungen nicht ausgeschlossen

Die Instandsetzung der beiden Arbeiterhäuser soll nur ein Anfang sein. 476 000 Euro sind allein dafür veranschlagt. Ingesamt wird die Sanierung des Ensembles auf 1,5 Millionen Euro geschätzt. Die Stadt, der Bund und das Land engagieren sich finanziell. Unliebsame Überraschungen sind bei der Sanierung nicht ausgeschlossen. Das gilt allen voran für das Meisterhaus. Innen ist das Mauerwerk mit Rigipsplatten verkleidet. So recht weiß niemand, was ihn dahinter erwartet, sagt Architekt Andreas Holtkamp.

Das Herzstück aber bleibt die historische Hammerschmiede. Das zweiflügelige Tor, das – warum auch immer – zugemauert wurde, wird wieder hergerichtet, ebenso das Dach. Aufwendig und teuer wäre die Rekonstruktion des Wasserspiels. Dieses diente nicht nur dazu, das Wasserrad und damit die Hammerwelle anzutreiben, sondern stellte sicher, dass Hochwasser wieder abfließen konnte. In den 1970er Jahren war der unterirdische Graben teilweise abgerissen worden, das Wasser wurde mit Hilfe einer Elektropumpe in einen Revisionsschacht abgepumpt. Nur versagte die regelmäßig ihren Dienst, so dass das Gemäuer im Wasser stand. Inzwischen wurde die Pumpe erneuert. Das Wasserspiel zu sanieren, würde weitere 400 000 Euro kosten.

Ab nächstes Jahr soll der Hammer trotzdem wieder schlagen, auch dabei hilft dann elektrischer Strom. Das Ruhr Museum will alte Schmiedekunst vorführen. Das gesamte Ensemble soll zu einer Anlaufstelle für Ausflügler und Touristen werden, die den Anfängen der Schwerindustrie im Ruhrgebiet nachspüren. Wer dann für den Fotografen Modell steht, wie 1890 die letzten Schmiede des Eisenhammers, wird man sehen. Der Erfolg, so heißt es ja, hat bekanntlich viele Väter.

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