Gute Vorsätze

Herzpatient geht mit 50 Kilo weniger ins neue Jahr

Zwischen diesen Bildern liegen keine zwei Jahre. Karl Kraffczyk auf dem kleinen Foto mit 165 Kilo Körpermasse und heute, 50 Kilo schlanker.

Zwischen diesen Bildern liegen keine zwei Jahre. Karl Kraffczyk auf dem kleinen Foto mit 165 Kilo Körpermasse und heute, 50 Kilo schlanker.

Foto: Vladimir Wegener

Essen.   Karl Kraffczyk hat das geschafft, was sich viele vergebens vornehmen: Er hat kräftig abgenommen und kann nun wieder mit seinen Kindern spielen.

Wenn Karl Kraffczyk mit seiner Frau Andrea um Mitternacht auf das neue Jahr anstößt, dann wird er sich erleichtert fühlen. Er wird voller Stolz und neuer Energie zurückdenken an 2018 und eine Sache ganz bestimmt nicht vermissen: die 50 Kilo, die er verloren hat. „Ich habe das in Butter umgerechnet. Ein riesiger Berg“, sagt seine Frau. Sie lächelt ihren 59-jährigen Ehemann an, „ich bin stolz auf ihn“.

Blick zurück in das Jahr 2017: Karl Kraffczyk scheitert an den kleinsten Hürden. Seine 165 Kilo Körpergewicht verteilt auf 1,80 Meter bremsen ihn permanent aus. Wollten seine Pflegekinder (heute acht und zehn) mit ihm Fangen spielen, lief Papa gar nicht erst los, weil sie ihn Sekunden später sowieso eingeholt hätten. „Wir konnten nur noch im Sitzen spielen“, sagt Kraffczyk und wirkt nachdenklich. Solche Erinnerungen machen ihm zu schaffen.

Er erzählt über einen Urlaub auf Fehmarn, der für ihn im Krankenhaus endete. 14 Tage hatte er sich dort dauerhaft schlecht gefühlt. Kraftlos, schwerer Atem, immer wieder Herzprobleme. Die Fülle seines Körpers legte ihn lahm. Dazu diese Rhythmusstörungen. Gedanken schossen ihm durch den Kopf. „Ich wollte doch meine Kinder aufwachsen sehen.“ An diesem Punkt hat es bei ihm „Klick“ im Kopf gemacht.

Die ersten Kilos purzelten schnell

So konnte es nicht weitergehen. Sein Hausarzt empfahl ihm das Krupp-Krankenhaus in Rüttenscheid. „Wir machen in der Rhythmologie gute Erfahrung mit Eingriffen auch bei schwer übergewichtigen Herzpatienten“, so Dr. Ute Ruprecht, stellvertretende Abteilungsärztin in der Kardiologie. Im Falle von Karl Kraffczyk spricht sie von einer Negativspirale: „Ist das Herz schwach, kommt man erst recht nicht mehr vom Sofa herunter und legt immer mehr an Gewicht zu.“

Einige Kliniken scheuten sich vor einem Eingriff, wenn der Patient über 150 Kilo wiegt. Doch nach einer wissenschaftlichen Analyse bekamen die Ärzte die Bestätigung für ihre Vermutung: „Bei dieser Art von Behandlung gibt es keinen Unterschied zwischen übergewichtigen und normalgewichtigen Patienten“, sagt Ruprecht. In einem zweistündigen Eingriff, bei einer Ablation, beseitigten die Ärzte die Fehlimpulse am Herzen. Der Beginn eines neuen Lebens für den Frührentner.

Die Ärztin benutzt nicht ohne Grund den Begriff „Lifestyle-Medizin“. Karl Kraffczyk lernte schnell, das Leben wieder zu genießen. Die ersten Kilos verlor er schnell, als sein Körper aus der Lethargie erwachte. Der 59-Jährige stellte seine Ernährung um, strich die Käse- und Wurst-Stückchen zum Fernsehabend, fütterte dafür lieber eine Diät-App auf seinem Handy mit aktuellen Daten von seinem gesunden Speiseplan.

Der Erfolg war nicht nur auf der Waage sichtbar, sondern auch in den Augen von Ehefrau Andrea: „Früher hatte Karl Beine wie griechische Tempelsäulen. Heute sind sie ganz schlank. Er ist unheimlich diszipliniert.“ Aber er betont: „Geißeln werde ich mich nicht.“ Wenn ihm der Sinn nach etwas Bestimmtem stehe, dann esse er es auch. Nur eben in Maßen und mit Verstand.

Nach 20 Jahren kann er wieder Fahrradfahren

Er kann den Augenblick genießen, auch wenn dieser nicht mit einem deftigen Stück Fleisch zu tun hat. Glücksmomente sind für ihn heute eher solche Sachen: „Dass ich nach 20 Jahren endlich wieder Fahrrad fahren konnte. Zusammen mit meinen Kindern. Die sind so stolz, dass der Papa jetzt mitfahren kann.“ Oder laufen. Wenn er vor eineinhalb Jahren nur den Müll weggebracht hat, war der ganze Tag erledigt.

Heute geht er „spazieren“ und das formuliert er mit einer Freude, als hätte ihm das eine Glücksfee ermöglicht. Plötzlich bekommt er auch Spaß an Shoppingtouren, wo er nicht mehr „diese weiten Zirkuszelte“ tragen muss, sondern sich mit der neuen Figur auch mal eine Marken-Jeans gönnt. In Größe 56 gibt es so etwas, in Größe 70 gab es die nicht. Acht Säcke voll mit Kleidung sind zum Roten Kreuz gewandert. Für füllige Menschen, die diesen Weg noch vor sich haben, über den Karl Kraffczyk heute sagt: „Jeder Schritt hat sich gelohnt.“

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