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Helfer als Opfer: Mehr Gewalt gegen Essener Klinikpersonal

Auch in der Notaufnahme des Philippusstifts in Borbeck gibt es immer wieder Übergriffe.

Auch in der Notaufnahme des Philippusstifts in Borbeck gibt es immer wieder Übergriffe.

Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Die Essener Krankenhäuser melden eine deutliche Zunahme von Übergriffen auf ihr Pflegepersonal. Deeskalations-Kurse als Selbstverteidigung.

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Die Essener Krankenhäuser schlagen Alarm: Die physischen und psychischen Übergriffe auf ihr Pflegepersonal haben erheblich zugenommen. Patienten sind längst nicht mehr nur in der Psychiatrie aggressiv, sondern auch in den Notaufnahmen oder der Geburtshilfe.

„Es ist eine deutliche Verrohung zu sehen“, sagt Gisela Graßhoff vom Gesundheitsmanagement des Katholischen Klinikums im Essener Norden. Und sie warnt: „So kann und darf es nicht weitergehen.“

Aufruhr, Handgreiflichkeiten, Morddrohung

Zwei Fälle aus der Praxis der letzten Wochen: Ein Mann, der mit Kopfschmerzen in die Notaufnahme kam, beleidigte das Personal auf übelste Weise, weil eine Frau mit Verdacht auf Herzinfarkt zu erst behandelt wurde. Der zweite Fall: Aufruhr und Handgreiflichkeiten bis zur Morddrohung im Bistro einer Geburtsstation. Eine Familie wollte nicht einsehen, dass das kostenlose Frühstück nur für die Mütter dort gedacht ist.

„Es sind verbale Eskalationen, aber auch körperliche Übergriffe“, erklärt Gisela Graßhoff, die über Monate Ereignisse im Philippusstift in Borbeck, im Marienhospital in Altenessen und im St. Vincenz-Krankenhaus in Stoppenberg ausgewertet hat. Das Katholische Klinikum hat dazu ein Berichtswesen entwickelt, in dem in manchen Monaten über 20 Vorfälle aufgenommen werden müssen. 50 Prozent der Täter in den Berichten sind Migranten.

Zusammenarbeit mit Wachdienst und Polizei

Auch die Contilia-Gruppe, zu der u.a. das Elisabeth-Krankenhaus gehört, und die Kliniken Essen-Mitte (Huyssensstift) bestätigen eine Steigerung der Übergriffe. „Wir beobachten eine Zunahme der Vorkommnisse, die häufiger am Wochenende oder in den Abendstunden passieren“, sagt Dr. Andreas Grundmeier, Direktor in der Klinik für Notfallmedizin und Internistische Intensivmedizin im Huyssensstift. „Wir arbeiten deshalb sehr eng mit einem Wachdienst und der Polizei zusammen. Bei körperlicher Bedrohung und Gewalt erstatten wir sofort Anzeige. Ein wichtiges Signal für Mitarbeiter und Täter.“

Längst nicht jeder Übergriff wird indes gemeldet. „Die Dunkelziffer ist höher, weil manches inzwischen leider als normal hingenommen wird. Die Mitarbeiter stumpfen ab. Die Entwicklung ist beängstigend“, sagt Gisela Graßhof.

Spezielle Deeskalations-Kurse für das Personal

In den Essener Kliniken werden spezielle Deeskalations-Kurse für das Pflegepersonal angeboten. Partner ist der Polizeisportverein Essen, mit dem auch die beiden Krupp-Kliniken zusammenarbeiten. „Wir reden schon von Selbstverteidigung. Unsere Pflegekräfte lernen nicht nur, selbstbewusster aufzutreten. Sie werden auch geschult, sich in Krisensituationen verbal und körperlich zu wehren“, erklärt Gisela Graßhoff. Zudem werden bauliche Veränderungen in Notaufnahmen vorgenommen, um renitenten Krankenhausbesuchern den direkten Zugang in Behandlungsräume zu versperren.

„Wir sind für unsere Mitarbeiter verantwortlich“, betont Manfred Sunderhaus, Geschäftsführer des Katholischen Klinikums. „Das Problem ist: Die Anspruchshaltung der Leute nimmt so zu, wie Respekt und Anstand abnehmen.“

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